Sonntag, 1. Januar 2017

Geburtstag, Weihnachten und Silvester

Ferienbeginn und mein Geburtstag


Jacqui und ich mit
unseren Geschenken
Die letzten "Arbeitstage" in Valórate gab es für mich nicht mehr viel zu tun, da keine Kinder mehr gekommen sind und ich bei der Papierarbeit nicht sehr viel helfen kann. Als kleine Weihnachtsfeier haben wir uns unter den Kolleginnen an einem eigentlich freien Tag in Chitré zum Essen gehen getroffen. Da nicht alle pünktlich waren (Überraschung!), sind diejenigen von uns, die schon da waren, vorher noch ins Kasino gegangen. Für mich das erste Mal, dass ich überhaupt ein Kasino betrete, war ich ziemlich überrascht, dass die anderen dann tatsächlich gespielt haben.
Schließlich sind wir zum Restaurant gegangen um dort typisch panamesisch zu essen (Blogeintrag zum Essen in Panama). Als wir eigentlich schon fertig waren, kam der Kellner mit zwei Stück Kuchen mit brennenden Kerzen drauf und meine Kolleginnen haben angefangen "cumpleaños feliz" (zum Geburtstag viel Glück) zu singen. Diese Überraschung galt einer meiner Kolleginnen und mir, die beide am gleichen Tag Geburtstag hatten. Das lag zwar noch 5 Tage hin, aber umso größer war die Überraschung. Außer dem Kuchen gab es noch für jede ein Geschenk.

Am nächsten Tag war die große Valórate-Weihnachtsfeier. Nachdem die Kinder schon ihre Feier hatten, wurden nun alle Mitarbeiter aller Valórate-Zentren ganz Panamas nach Punta Barco eingeladen, wo die Chefin Valórates eine Villa mit Pool hat. Für mich war das eine tolle Gelegenheit, die anderen deutschen Freiwilligen, die in Valórate arbeiten, wiederzusehen. Nach dieser Weihachtsfeier sind wir wieder nach Pesé gefahren und ich stand plötzlich einer, für mich in Panama ganz neuen, Situation gegenüber: Ferien. Die Ferienzeit hängt von der Arbeitsstelle ab und für mich gehen die Ferien vom 15.12. bis zum 15.01. Die erste Hälfte habe ich, bis auf 4 Tage AFS-Seminar in Panama Stadt, in meiner Familie in Pesé verbracht, Weihnachten und Silvester gefeiert und meinen kleinen Gastneffen gesittet.
In der zweiten Hälfte werde ich auf Reise durch Panama gehen.

Das besagte AFS-Seminar war das Midstay-Camp, ist also eigentlich das Seminar in der Mitte des Auslandsjahres. Es soll über Stimmungskurven, Erfahrungen und Erwartungen und auch über Karneval gesprochen werden und eigentlich war das Seminar auch dazu da, um unser Visum in Panama Stadt abzuholen. Das Camp war weder in der Mitte meines Aufenthalts hier in Panama (sondern nach knapp 4 Monaten), noch wurde das Programm sehr ernst genommen, noch war das Visum abholbereit. Stattdessen hatten wir sehr viel Freizeit, die wir unter anderem dazu genutzt haben, uns Panama Stadt ein bisschen anzuschauen. Ich war zum Beispiel im Casco Viejo, der Altstadt Panamas; auf dem Hardrock Hotel, einem 62-stöckigem Hochhaus mit Blick über die ganze Stadt; an der Cinta Costera, einer Uferstraße und bei einem sehr bekannten Fischmarkt, der mich allerdings etwas enttäuscht hat, da er relativ klein war und weniger wie ein Markt als wie ein Restaurant. Ansonsten hat  es mir aber alles sehr gut gefallen, Panamá ist echt eine beeindruckende Stadt. Riesig, viel Verkehr, viel Hitze, und viel Lärm.


Casco Viejo, Blick vom Hardrock Hotel und ich an der Cinta Costera




Während dieses Seminars, am 19.12. hatte ich auch Geburtstag. Anfangs war ich etwas enttäuscht,  dass ich meinen Geburtstag nicht in Pesé mit meiner Familie feiern konnte, aber letztendlich war ich doch sehr froh, diesen Tag mit anderen Freiwilligen zusammen zu verbringen. Am Abend des 18. Dezembers haben wir im Supermarkt einen Kuchen gekauft und um Mitternacht wurde mir wieder "cumpleaños feliz" gesungen und der Kuchen verteilt. Am Morgen des 19.12. wurde ich von meiner Freundin Hannah geweckt, die auch zu dem Seminar gekommen ist. Der Tag wurde zwar nicht speziell gefeiert, war aber trotzdem sehr schön und auch von meiner Gastfamilie habe ich viele Glückwünsche per WhatsApp empfangen. Leider haben Sie meinen Geburtstag aber nicht einmal erwähnt, als wir uns 2 Tage später wieder gesehen haben.



beim Tamales machen


Nach dem Seminar sind Hannah und ich zusammen nach Pesé gefahren, Hannah blieb noch für eineinhalb Tage, bevor sie weiter nach Boquete fuhr. Außer einem kleinen Pesé-Rundgang, haben wir auch noch einen Ausflug zu "La Villa de Los Santos" gemacht. Nach Kirche, Park und Museum sind wir zu einer meiner Kolleginnen nach Hause gefahren, wo wir Tamales gemacht haben. Dieses typische Weihnachtsessen bestheht aus einer Masse aus Mais, vermischt mit Fleisch und Gemüse, die in ein Bananenblatt gewickelt wird. 






Danach ging es, hinten auf dem Motorrad mitfahrend, zu einem See, in dem man manchmal Krokodile sehen kann und danach zum Strand "El Rompio". Ein sehr toller Tag, mit Tamales, Motorradfahren, Krokodilen und Strand und alles war mehr oder weniger spontan!



Die Tage in meiner Gastfamilie waren für mich sehr anstrengend, da das Aufpassen auf meinen 1-jährigen Gastneffen ziemlich erschöpft.

Weihnachten


Vorweihnachtszeit

Mir war schon vorher ziemlich klar, dass man vom Advent in Panama sehr viel weniger spüren würde, als in Deutschland. Und so ist es auch. Viele Leute haben zwar einen Adventskranz, aber der wird oft auch erst nach dem 1. Advent aufgestellt und ich weiß auch nicht, ob er überhaupt manchmal angezündet wird. Ansonsten werden normalerweise die Häuser geschmückt, meist mit sehr bunt blinkenden Lichterketten, Tannenzweigen aus Plastik und Plüschtieren. 
Es ist üblich in seinem Haus das sogenannte "nacimiento" aufzubauen, eine Krippe mit Jesus, Josef, Maria, den drei Königen und Schafen. Der Weihnachtsbaum wird oft schon im November aufgestellt, sehr üppig geschmückt und sobald man ein Geschenk gekauft hat, wird es oft auch schonmal darunter gelegt.


Unser Weihnachtsbaum und links oben das "nacimiento"
Abteilung für Weihnachtsschmuck im Geschäft (das Foto habe ich Anfang September gemacht)


Adventskalender und Weihnachtsmärkte gibt es nicht und Plätzchen werden höchstens gekauft. 

Genauso wie in Deutschland ist aber auch in Panama die Vorweihnachtszeit voller Weihnachtsfeiern und alle sind beschäftigt, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Die Weihnachtsfeiern beinhalten, außer viel Essen und Musik, auch ein Geburtstagsständchen und Geburtstagskuchen für Jesus.


Weihnachtsfeier der Valórate-Kinder. Die Weihnachtsbaum-Piñata habe ich gebastelt.

In vielen Städten und Dörfern wird der Park weihnachtlich geschmückt und es gibt Weihnachtsdesfilees. In Pesé ging es am 15.12. los, jeden Abend bis Heiligabend gab es eine kleine Veranstaltung im Park, mal gab es Musik und Tanz auf einer Bühne, mal ein Feuerwerk, mal wurden Geschenke verlost und schließlich am 23.12. das Weihnachtsdesfilee. Dieses bestand aus mehreren Autos, Wägen mit Papierschneekanonen, Blaskapellen und Tänzern mit Weihnachtsmützen. Es wurde Weihnachtsmusik gespielt und kleine Geschenke von Autos geworfen. Insgesamt eine sehr laute und bunte Veranstaltung.


Krippe in Pesé

Heiligabend

Der 24.12. verlief bei uns erstmal wie ein ganz normaler Tag. Viele mussten ganz normal arbeiten und man geht seinen alltäglichen Beschäftigungen nach. Einige Familien verbringen den Tag mit Kochen und Essen vorbereiten, wir allerdings haben alles fertig gekauft. Bei uns hätte der 24. jeder beliebige Tag sein können.
Abends gegen 20 Uhr bin ich mit meiner Gastmutter und einer Cousine in die Kirche gegangen, alle sehr schick gemacht. Im Gottesdienst wurde kein einziges Weihnachtslied gesungen, nur am Ende wieder das Geburtstagslied für Jesus. Wieder zu Hause, waren inzwischen noch mehr Familienmitglieder da, in Kleid, mit Stöckelschuhen und viel Schminke. Meine Familie hat bei uns im Haus gefeiert, es kamen und gingen ab und zu noch verschiedene Familienmitglieder, durchschnittlich waren wir immer ca. 10-20 Leute. Um Mitternacht gibt es Feuerwerk, alle haben sich frohe Weihnachten gewünscht und Geschenke wurden übergeben. Was das Schenken angeht, gibt es hier in meiner Gegend allerdings kleine Unterschiede zu Deutschland. So wird hauptsächlich Kindern etwas geschenkt, Erwachsenen eher selten. Und eigentlich werden Geschenke fast nie selber gemacht, sondern immer etwas gekauft und meist direkt im Geschäft eingepackt. 


Teil unseres Buffets
Das Weihnachtsbuffet, wurde eröffnet. Jeder bringt irgendwas mit, typisch sind Tamales, Bollos (Maismasse in Zuckerrohrblatt gewickelt), Trauben, Nüsse, Reis mit Straucherbsen, Milchzopf und Äpfel. Auch der Alkohol wurde freigegeben und viele haben viel getrunken. Mit lauter lateinamerikanischer Musik und Tanz ging die Fiesta bis 6 Uhr morgens und ich war froh, mich schon 4 Uhr zurückziehen zu können und auch dass die anderen verstanden haben, dass ich kein Alkohol will.



25. Dezember

Die Geschenke, die noch nicht in der Nacht ausgepackt wurden, werden am Morgen des 25. Dezembers noch ausgepackt. Bei uns sind wieder etliche Verwandte aus und ein gegangen und es wurde aufgeräumt, geputzt und gekocht.
Üblich ist es, am 25. Dezember mit der Familie an den Strand zu fahren, das haben wir aber nicht gemacht.

26. Dezember

Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es in Panama nicht, der 26. Dezember ist normalerweise wieder ein Arbeitstag. Da aber dieses Jahr der 25. ein Sonntag war, wurde der freie Tag auf den Montag, also den 26. verlegt. Wir haben den Tag zu Hause verbracht, mit Kochen, Aufräumen, Putzen, Babysitten und mit Besuch unterhalten beschäftigt.



Insgesamt hat sich die Weihnachtszeit für mich überhaupt nicht weihnachtlich angefühlt, woran wahrscheinlich hauptsächlich die 30°C schuld sind. Die blau-rot-grün-weiß-gelb-blinkende Weihnachtsbeleuchtung, sowie die fröhliche lateinamerikanische Musik haben für mich auch keine Weihnachtsstimmung erzeugt.


beim Plätzchen backen
Um ein Stück deutsche Weihnachtskultur zu zeigen, habe außer den Audventskalendern für meine Familie und meine Kolleginnen, auch Butterplätzchen gebacken. Das war eine größere Herausforderung als erwartet, angefangen hat es damit, dass ich keine ungesalzene Butter gefunden habe. Der Ofen bei uns zu Hause funktioniert nicht, weswegen ich in Valórate mit meinen Kolleginnen zusammen gebacken habe. Ein Backblech gab es allerdings auch dort nicht. Mit viel Zucker im Teig und Topfdeckeln und Pfannen als Bleche, sind die Plätzchen schließlich doch ganz gut geworden und das Wichtigste, den Panameños hat das Ausstechen und Backen glaube ich sehr viel Spaß gemacht.
Auch über die Adventskalender haben sich auch alle sehr gefreut, auch wenn die Benutzung etwas abgewandelt wurde. 



Silvester

Die Silvester-Feier ähnelte sehr der Weihnachtsfeier. Der 31.12. verläuft erstmal ganz normal, essen wird gekauft und manche arbeiten noch. Abends wird sich schick gemacht und Familie und diesmal auch Freunde kommen zusammen, wir waren um die 25 Leute. Um Mitternacht Feuerwerk, gute Wünsche und Essen und Alkohol. Alles hinterlegt durch laute lateinamerikanische Musik und Tanz, bis in den Morgen hinein.
Zusätzlich zu dem Feuerwerk und dem anstoßen und zuprosten gibt es in Panama noch einige andere Traditionen, was man um Mitternacht macht, aber nicht alle leben alle diese Traditionen aus.

- 12 Trauben essen für 12 Wünsche 
- die Farbe der Unterwäsche, die man in dieser Nacht trägt, steht für verschiedene Wünsche für das neue Jahr. So trägt man zum Beispiel rot, wenn man sich Liebe wünscht und gelb wenn man Glück mit Geld will 
- Stoffpuppen anzünden, um das schlechte aus dem Vorjahr zu vertreiben
- eine Münzen über die Schulter werfen ohne sich umzudrehen, soll viel Geld im neuen Jahr bringen
- mit leerem Koffer durch die Straßen ziehen, mit dem Wunsch im nächsten Jahr zu reisen


Den 1.1. verbringt man in der Familie, wir saßen den ganzen Tag auf unserer Terrasse, es kamen um die 15 Leute und es lief Musik und gab viele Snacks. Sehr üblich ist es, am Neujahrstag zu einem Fluss zum baden zu fahren.

Allen, mit denen ich noch nicht geschrieben oder gesprochen habe, wünsche ich jetzt noch nachträglich schöne Weihnachten und ein schönes neues Jahr!



Weitere Auffälligkeiten:

- Gewichtsangaben sind fast immer in Pfund
- die Häuser werden oft gestrichen
- man lügt oder verschweigt eher mal etwas, deswegen gibt es insgesamt auch weniger Vertrauen
- wenn ein Mädchen mal die Beine etwas breiter hat, geht das gar nicht
- man hat oft viele Schuhe, aber kein Schuhregal
- Staßenhändlern wird mehr Beachtung geschenkt und mehr respektiert.  Man kauft auch öfter etwas von umherziehenden Händlern
- WhatsApp Chatverläufe werden oft täglich geglöscht
- Einweg-Geschirr wie Plastikteller werden als besonders angesehen und immer zu Festen benutzt. 



Samstag, 3. Dezember 2016

November in Panama und Reise nach Boquete

Der Monat Panamas

November ist hier der "mes de la patria" also der "Monat des Vaterlandes" und wird auch als Geburtstmonat Panamas gesehen. Es gibt einige Feiertage, die mit der Geschichte Panamas zu tun haben. 

3. November: Abspaltung Panamas von Kolumbien
4. November: Tag der Flagge
5. November: Seperationsbewegung in Colón
10. November: Schrei der Unabhängigkeit in Los Santos
28. November: Unabhängigkeit von Spanien

Bis auf den 4. November, sind alle diese Tage in ganz Panama frei. In vielen Orten gibt es Defilees, am größten sind die Umzüge am 10. in Los Santos und am 28. in Boquete.

Alle öffentlichen Gebäude, also zum Beispiel Schulen, Krankenhäuser oder Polizeistationen, sind den ganzen November über in den Farben Panamas (blau-weiß-rot) geschmückt. Auch wir haben in Valórate Girlanden und Fahnen aufgehängt und die Kinder haben ein Gedicht über die Flagge Panamas gelernt. 



Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Panameños sehr nationalstolz sind. Sie sind stolz auf alles typische, auf ihr typisches Essen, die typische Kleidung, typische Musik, die typischen Tänze und sie leben diese typischen Sachen auch sehr aus. Während in Deutschland nicht so oft Bratwurst mit Sauerkraut gegessen wird, oder sich die Jugend in Lederhose oder Dirndl kleidet, wird hier schon sehr oft das Nationalgericht gegessen und typische Kleidung angezogen. In Schulen wird jeden Montag die Nationalhymne gesungen und die Flagge gehisst. 

Im November ist dieser Stolz nochmal besonders groß. Am 1. November hatten viele eine Panama-Flagge mit "Feliz cumpleaños, Panama" als WhattsApp-Profilbild. Es gab in meinem Projekt einen typischen Morgen, von dem ich schon im letzten Blogeintrag berichtet habe und unabhängig davon einen Tag, an dem alle Kinder und Erzieherinnen in typischer Kleidung und Schmuck zu Valórate gekommen sind. Bestimmt variiert dieser Stolz auch je nach Region, hier in Azuero scheint er jedenfalls sehr groß zu sein.

Boquete

Fast alle freien Tage habe ich am Strand verbracht, war, wie ich schon erzählt habe, am Playa Venao und in Pedasi. Am 28. November und das Wochenende davor bin ich allerdings für drei Tage nach Boquete gefahren, um dort meine Freundin Hannah aus Deutschland zu besuchen und das berühmte Defilee anzuschauen. Die Freude war natürlich riesig, als Hannah und ich uns wiedergesehen haben.

Wir sind ziemlich gleich nach meiner Ankunft aufgebrochen um auf einen Aussichtspunkt hoch zu wandern und dadurch ein bisschen der Natur zu sehen. Der Weg war sehr abenteuerlich, ging steil Berg auf, durch Gestrüpp und war oft kaum zu erkennen. Genau das Richtige für uns! 


an Baumruinen vorbei, unter umgefallenen Bäumen durch und beim Kochbananen ernten
Aussicht auf Boquete


Am Nachmittag sind wir noch ein bisschen durch Boquete gelaufen, Hannah hat mir touristische Stationen des Städtchens und ihren Arbeitsplatz gezeigt. Ich bin ziemlich begeistert von einem Kunstmarkt, auf dem Taschen, Schmuck und Kleinkrams, alles in sehr bunt, verkauft wird. 


Kunstmarkt

Auch am Sonntag haben wir ein bisschen Natur Panamas erkundet. Wir sind durch den Regenwald zu einem versteckten Wasserfall gewandert. Es war schon sehr beeindruckend, was man alles sehen konnte, die dicken Bäume, ganz viele Lianen, riesige Bambus- und Farnpflanzen und wir konnten die Affen brüllen hören. Auch die Busfahrten sind immer sehr spannend, man sieht viel von der Gegend, zum Beispiel sind wir an mehreren Indianerdörfern vorbeigefahren.




Am Abend haben wir uns noch eine Pferdeparade und einen Fackelmarsch angeschaut, die Eröffnung des Defilees was am nächsten Tag stattfinden sollte.
Dieses "desfile de bandas" am 28.11. in Boquete ist in Panama sehr bekannt und normalerweise kommen wohl sehr viele Leute aus dem ganzen Land nach Boquete um es sich anzuschauen. Dieses Jahr war der Präsident Panamas da, aber aufgrund des Regens kamen ansonsten vergleichsweise wenige Leute. Hannah und ich waren abgesehen von einer längeren Mittagspause den ganzen Tag dort. Vormittags, als auch noch das Wetter gut war und die Ohren noch nicht so abgenutzt, hat mir das Defilee eigentlich ganz gut gefallen. Am Abend hatte ich dann aber schon sehr viele in Uniform marschierende Menschen gesehen und  lautes Getrommele gehört, sodass es für mich eher langweilig war. Wir sind mit der Familie aber noch bis zum Ende dageblieben.




Am nächsten Morgen ging es für mich wieder zurück nach Pesé, wo noch ein halber Restarbeitstag auf mich gewartet hat.

Boquete liegt in der westlichen Region Chiriqui, in den Bergen. Bevor ich dorthin gefahren bin, wurde mir hier von vielen Leuten angekündigt, wie anders und besonders dieses Städtchen doch ist. Das erste was einem hier zu Boquete einfällt, ist dass es kalt ist. Dann noch, dass es Blumen und Erdbeeren gibt und Kaffe und andere Lebensmittel angebaut werden. Dementsprechend sind auch die touristischen Attraktionen, es gibt einen botanischen Garten mit Blumen, außerdem bekannt ist auch ein Café in dem man Erdbeeren essen kann. Für Europäer sind diese Stationen jetzt nicht so besonders, aber es war trotzdem total schön, sich diese Seite Panamas anzuschauen. Mich hat am meisten die Natur beeindruckt, die ist in und um Boquete echt wundervoll. Die Stadt selbst (inklusive dem Kunstmarkt 😊) hat mir auch sehr gefallen, auch weil es relativ viele Freizeitangebote gibt.

Hier sind ein paar Unterschiede, die mir an Boquete im Vergleich zu meiner Gegend aufgefallen sind:
- es ist etwas kälter (statt durchschnittlich 29°C sind es ca. 23°C). Auf die Handschuh-Empfehlungen, die man in Pesé für Boquete bekommen kann, muss man also nicht hören.
- nachmittags ist es sehr oft nebelig
- es gibt Felder, auf denen Lebensmittel angebaut werden
- es gibt Blumen
- es gibt viel mehr Ausländer
- es gibt viel mehr Indianer (Ngöbe-Bugle)
- Taxen sind innerhalb der Stadt nicht teurer als Busse
- der Ort ist mehr auf Touristen ausgelegt


Der November ist vorbei

meine Chefin beim Öffnen
des Adventskalenders
Inzwischen ist die blau-weiß-rote November-Dekoration gegen rot-weiß-grüne Weihnachts-Dekoration ausgetauscht. Ich habe meiner Familie und meinen Kolleginnen Adventskalender gebastelt und wir haben mit den Kindern in Valórate schon eine Weihnachtsfeier gefeiert. Ansonsten fühle ich mich gar nicht weihnachtlich oder adventlich. Ich habe den Eindruck, dass hier im Dezember viel von Faulheit geprägt wird. Das Jahr ist fast aufgebraucht und den Satz "Tengo pereza" (=ich habe Faulheit/ich habe keine Lust) hört man andauernd. Es kommen kaum noch Kinder nach Valórate und die, die kommen werden eine halbe Stunde früher wieder nach Hause geschickt. 
Weihnachten und der am 8.12. anstehende Muttertag bewirken, dass die Geschäfte und Straßen voller sind und mehr Polizei zu sehen ist (weil die Leute mit mehr Geld unterwegs sind). Man gibt gerne mehr Trinkgeld, weil Dezember die Zeit des Gebens ist. Die Valórate-Kinder bringen uns Erzieherinnen statt Hausaufgaben Geschenke mit. Ich habe das Gefühl, dass der Dezember für mich ein sehr fauler Monat mit viel Essen wird.
Für mich gibt während diesem Monats eine Veränderung in der Gastfamilie. Mein Gastbruder mit Frau und 1-jährigem Sohn wohnt noch mit im Haus, da die Babysitterin des Kindes im Dezember keine Zeit für das Kind hat. So wird er hier im Haus von meiner Gastschwester, und sobald ich Ferien habe auch von mir, beaufsichtigt.


Neue Auffälligkeiten

- Mädchen- und Jungsklischees sind sehr stark ausgeprägt (z.B. rosa und blaues Spielzeug)
- Fremdgehen ist hier üblicher
- Schultaschen werden selten auf den Boden gestellt, eher auf Tische oder Stühle
- man nimmt wenn man krank ist, schnell starke Medikamente oder geht ins Krankenhaus
- Regen wird als etwas sehr gefährliches angesehen. Schon die kleinsten Tropfen könnten einen sofort krank machen
- "Danke" und "Bitte" sind nicht immer selbstverständlich, dafür sollte man immer "Permiso" (=Erlaubnis) sagen, wenn man irgendwo vorbei möchte und einem jemand im Weg steht.
- auf Schlaf wird oft weniger Rücksicht genommen (z.B. mit leise sein)
- in Pesé gibt es kaum Blumen
- statt Spülmittelflaschen wird hier oft festes Spülmittel in einem Töpfchen benutzt.

Montag, 14. November 2016

Familienausflug zum Strand und Folklore-Veranstaltung auf Arbeit

Ausflug zum Strand Pedasí 

Der 10. November ist in Panama ein Feiertag und normalerweiser fährt man hier in der Gegend an diesem Tag nach La Villa de Los Santos, wo es jedes Jahr ein großes Defilee gibt. Doch meine Gastfamilie hat dieses Jahr den freien Tag genutzt, um am den Strand zu fahren. Anfangs war ich ein bisschen enttäuscht, dass ich das Defilee in Los Santos verpasse, aber es war dann echt ein schöner Tag. 
Wir sind zu einem Strand in Pedasí gefahren und haben dort den Tag gefaulenzt. Unter Familienausflug muss man sich bei meiner Familie allerdings mehr Leute vorstellen, als wir drei, die hier im Haus wohnen. In sechs Autos sind insgesamt 22 Familienmitglieder nach Pedasí aufgebrochen. Der Weg zum Strand war ein Wechsel zwischen Um-die-Wette-Fahren und Um-die-Wette-hupen. 


meine Gast-Großfamilie

Angekommen haben wir die Hängematten aufgehängt und uns ausgebreitet, außer uns waren nämlich keine anderen Leute da. An sich war der Strand eigentlich echt schön, zwischen Sandfeldern gab es ab und zu Felsen und nah unserer Stelle ist ein Fluss ins Meer gemündet. Leider war der Strand auch ziemlich mit Müll übersät, und auch wir haben am Ende nicht all unseren Müll mitgenommen.


Strand und Fluss


Mañanita criolla

Letzten Samstag hatten die Kinder der kleinsten Gruppe aus Valórate ihren Abschluss. Dazu haben sie ein kleines Theaterstück und verschiedene typische Tänze aufgeführt, die wir seit einiger Zeit mit ihnen einstudiert haben. Sie haben sich typisch panamesische Kleidung angezogen (Blogeintrag zu Kleidung in Panama) und die Eltern kamen um sich die Aufführung anzuschauen.


Erzieherinnen, Mädchen und Jungs in typischer Kleidung auf der Bühne

Wir Kolleginnen haben uns auch typisch gekleidet und geschminkt. Die Blusen für dieses Event haben wir uns extra nähen lassen, nachdem wir Stoffe, Schleifen und Spitze gekauft haben. 


Ich in typischer Bluse, mit typischem Schmuck und der panamesischen Menge an Schminke



























Die Aktion hat sich "Mañanita criolla", also typischer Morgen genannt. Wieso genau die Kinder jetzt, einen Monat vor Ende des Schuljahres, Abschluss hatten, und was genau sie abgeschlossen haben, habe ich allerdings noch nicht verstanden. Heute haben sie dann Fotos in Graduationsgewand und -hut gemacht, mit Diplom in der Hand.


Kapellen-Defilee in Chitré

Nach diesem Event in Valórate bin ich dann noch mit zwei Kolleginnen nach Chitré gefahren, um ein weiteres Defilee anzuschauen. Diesmal allerdings kein "desfile típico", sondern ein "desfile de bandas", also mit Kapellen, Trommelumzügen und insgesamt eher wie ein Marsch. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, weil am Wochenende weniger Busse von Chitré nach Pesé fahren und ich so relativ früh wieder zurück musste. Der Tag war aber ein richtig schöner Tag, vormittags die tanzenden Kinder und nachmittags Zeit mit meinen Kolleginnen.


desfile de bandas


Heute habe ich eine neue Kollegin kennengelernt. Sie war zuvor in Babyzeit und hatte heute wieder ihren ersten Arbeitstag. Sie kam mir sehr nett und fröhlich vor, auch wenn ich echt traurig bin, dass ihre Vertretung nun nicht mehr da ist.


Neue Auffälligkeiten

- viel weniger Leute rauchen, auch Alkohol wird ein bisschen seltener getrunken als in Deutschland
- man organisiert hier sehr gerne Überraschungsfeiern
- wenn man mit den Fingern zählt, fängt man nicht mit dem Daumen, sondern mit dem kleinen Finger an
- statt mit dem Finger auf etwas zu zeigen, zeigt man oft mit dem Mund, indem man die Lippen spitz macht
- Profilbilder bei WhattsApp erfüllen hier nicht den Zweck, dass man einen Kontakt anhand des Fotos erkennen kann, sondern werden eher dazu genutzt, sich seiner Umgebung mitzuteilen. Beliebt sind Sprüche oder Gebete die die Stimmung wiedergeben, oder beispielsweise am Geburtstag einer Schwester ein Foto der jeweiligen Schwester mit dem Schriftzug "Feliz cumpleaños, hermanita". Das Profilbild wechselt dementsprechend 1-2 Mal täglich.
- WhattsApp-Nachrichten werden selten an einem Stück verschickt, sondern oft zerstückelt als mehrere Nachrichten, ein Bruch nach jedem halben Satz


Montag, 7. November 2016

Kurzurlaub am Playa Venao

Nachdem ich im September schon mal ganz kurz an dem Surfstrand Playa Venao war, hatte ich mir ja vorgenommen, hier in Panama surfen zu gehen. Und dieses Vorhaben konnte ich in den letzten Tagen in die Tat umsetzen. Da es Anfang November hier viele Feiertage gibt, hatte ich Mittwoch bis Freitag frei und bin mit Johanna und Bine (zwei anderen deutschen Freiwilligen) für vier Tage nochmals zum Playa Venao gefahren.

Playa Venao

Mittwoch morgen ging es los, Treffpunkt war ein Supermarkt in Chitré zum Essen einkaufen. Schließlich ging es mit einem Bus nach Las Tablas, wo wir uns ein sehr leckeres panamesisches Frühstück gegönnt haben, bevor wir in nächsten Bus gestiegen sind. Das Gepäck aufs Dach geschnallt und mit immer steigender Vorfreude ging es also weiter, bis direkt vor die Rezeption des "Venao Cove" Hostels. Dieses hat uns Zelte ausgeliehen und uns Küche und Geschirr zur Verfügung gestellt. Das Hostel kann ich nur weiterempfehlen, es war sauber, die Leute nett und hatte eine echt schöne Atmosphäre. Außer uns dreien kamen noch ein paar andere Deutsche, Schweizer, Dänen, US-Amerikaner, Australier, Venezolaner, Mexikaner, Iraner und Paname
ños unter, was dazu geführt hat, dass in der Küche schönerweise Essen aus aller Welt gekocht wurde und dass wir wir mit den verschiedenen Sprachen total durcheinander gekommen sind. 

Unser Hostel und die beiden Zelte
Den Nachmittag haben wir dazu genutzt, die Zelte aufzubauen, uns den Strand anzuschauen und uns nach einem Surfkurs zu erkundigen.

Am Donnerstag morgen haben wir den Surfkurs gemacht, der aus einer halben Stunde Theorie und einer Stunde Praxis bestand. Danach haben wir uns noch bis mittags mit dem Surfen versucht und schon erste Erfolge gehabt. Freitag vormittag liehen wir uns nochmal Bretter aus und nach diesem Tag hatte ich kaum noch Probleme, eine Welle zu nehmen und im Stehen zu fahren. Surfen ist ein Sport, der mir richtig viel Spaß macht und ich fände es schön, noch mehr zu lernen.




Surfboard ausrichten und paddeln...

...aufstehen und surfen...
...und irgendwann fängt man dann mit Experienten an :)


Freitag nachmittag wurden wir von einem Pick-Up abgeholt, auf dessen Ladefläche wir in Richtung Isla Cañas gefahren sind.

Fahrt auf der Ladefläche
Im Dschungel nahe dieser Halbinsel kann man mit einer Seilbahn durch die Bäume fliegen. Johanna und Bine haben mitgemacht, ich allerdings nicht, weil ich mir das für Boquete mit meiner Freundin zusammen vorgenommen hatte und das Geld nicht doppelt ausgeben wollte. Trotzdem hat sich der Ausflug für mich gelohnt, ich habe eine tolle Aussicht über die Isla Cañas gesehen und während die anderen Seilbahn gefahren sind, habe ich in einem Naturpool mit Wasserfall gebadet. 


Außerdem saßen in den Bäumen ganz viele Affen. Beim Hostel konnte man zwar viel Affengebrüll hören, aber gesehen hatte ich bis dahin noch keinen freien Affen.

Affen
Den Samstag Morgen haben wir wieder dem Surfen gewidmet, haben dann Essen gekocht und die Zelte abgebaut. Mit Bussen sind wir schließlich in Richtung nach Hause gefahren. Allerdings sind wir nur bis nach Las Tablas gekommen, als wir dort umsteigen wollten, war der letzte Bus schon abgefahren. Nachdem wir ein bisschen hin und herüberlegt hatten, beschlossen wir schließlich, eine Nacht im Hotel zu verbringen und erst am Sonntag weiterzufahren. Nachdem wir drei Nächte in sehr, sehr kleinen, einwändigen Zelten ohne Matratze geschlafen hatten, war ein Bett ein Luxus für mich.

Las Tablas ist echt eine schöne Stadt, im Zentrum gibt es hunderte kleine Lädchen in denen man Panama-typische Sachen kaufen kann. Zu Abend gegessen und gefrühstückt haben wir wieder in dem am Anfang der Reise schon getesteten Lokal. 

Johanna, Bine und ich in Las Tablas. Im Hintergrund kann man unser Lieblingslokal sehen.
Mit heftigem Sonnenbrand und trotzdem sehr erholt und glücklich ging es dann am Sonntag für mich wieder mit dem Bus nach Chitré und schließlich nach Pesé. 

Montag, 31. Oktober 2016

Portobelo, Spanischkurs und Defilee in Chitré

Diesmal erzähle ich ein bisschen von meinen Wochenenden. 

Verkauf von Instrumenten und Trinkbehältern
in Chitré
Seit letztem Samstag gibt es für uns AFS-Freiwillige in und um Chitré einen Spanischkurs. Dieser findet in Chitré statt und wird wohl in der in nächster Zeit meine Samstage dominieren. Das stört mich allerdings überhaupt nicht, im Gegenteil, ich freue mich eigentlich dass ich dadurch mal aus Pesé rauskomme. Außerdem war die erste Spanischstunde relativ viel versprechend, die 4 Stunden werden nur teilweise durch richtigen Unterricht beansprucht, es geht vor allem darum, dass wir mit anderen Panameños in Kontakt kommen. Letzten Samstag zum Beispiel, sind wir viel durch Chitré gelaufen, waren im Museum, in Geschäften, haben mit Händlern gesprochen und waren essen. Da wir mit drei Schülern eine kleine Gruppe sind, kommt man wirklich auch oft zum sprechen. 

Samstag ist außerdem der Tag, an dem mein 1-jähriger Gastneffe hier ist, um gehütet zu werden. So haben die Samstage einen mehr oder weniger regelmäßigen Ablauf.


Portobelo


Sonntag vor zwei Wochen bin ich sehr spontan mit einer Tante nach Portobelo gefahren. Das ist ein Dorf nördlich von Panama Stadt, an der Karibikküste. Hauptattraktionen sind die Kirche "Iglesia de San Felipe" 
und die Reste einer alten Festungsanlage. 

Bucht vor Portobelo

Da  es an diesem Tag ununterbrochen geregnet hat, haben wir uns vor allem der Kirche gewidmet. Diese ist (wie fast alle Kirchen hier) katholisch und beheimatet den "schwarzen Christus", eine Jesusfigur aus schwarzem Holz, die in Panama sehr bekannt ist und zu dessen Ehren jährlich am 21. Oktober ein großes Fest gefeiert wird. Dieses Fest lockt jedes Jahr viele Pilger an, ich war aber 6 Tage vor dem Fest dort, weswegen ich davon nicht so viel mitbekommen habe. 



Kirche von innen. Hinten links im "Schaufenster" sieht man den schwarzen Christus.


Trotz des Regens haben wir uns dann noch ein wenig die Festungsanlagen angeschaut. Portobelo (übersetzt "schöner Hafen") war während der spanischen Kolonialzeit ein wichtiger Hafen, an dem viel Gold und Silber verschifft wurde. Deswegen wurde er immer wieder von Piraten angegriffen. Um diese abzuwehren, gab es viele Kanonen und diese kann man sich auch heute noch anschauen.

Kanonen und Festungsanlage

Nach Portobelo ging es für uns noch nach Panama Stadt, wo wir die ganze Zeit in einem Einkaufszentrum, der Albrook Mall verbracht haben. 

Albrook Mall

Typisches Defilee


mit einem Cousin
Letzten Sonntag habe ich kennengelernt, wie ein typisches, panamesisches Defilee aussieht. Anlässlich der Gründung Chitrés sind viele Umzugswagen durch das Stadtzentrum gezogen und meine Gastfamilie und ich waren Teil der großen Zuschauermenge. Schon 3 Stunden bevor es los ging, waren wir da um mit unseren mitgebrachten Stühlen gute Plätze am Straßenrand zu ergattern. 


Es gab Wägen mit "Reinas" (=Königin), Frauen in Polleras, den typischen panamesischen Kleidern, Wägen mit Blasorchestern und zwischen den Wägen immer wieder Tanzpaare in typischer Kleidung, Trommler und als Teufel und Hexen verkleidete Tänzer. Die ganze Zeit gab es typische Musik und von den Wägen wurden Süßigkeiten geworfen. 





Umzugswagen mit Reinas

Tänzer in typischer Kleidung


Hexen und Teufel
Frauen in Polleras

Alles in allem hat mich dieses Defilee sehr an Karneval erinnert und ich bin echt gespannt, was mich am wirklichen Karneval erwartet, wenn schon so ein vergleichsweise kleines Defilee so groß und aufwendig auf mich gewirkt hat. Im nächsten Monat werde ich aber sicher noch mehr Feste dieser Art erleben, November ist nämlich der Monat Panamas, mit vielen Festen und Feiertagen.

Blaskapelle und Palmenwagen
Diesen Sonntag war ich mit meiner Familie in Chitré einkaufen, essen und meinen Gastbruder besuchen. So sind die Sonntage hier jedes Mal anders und sehr abwechslungsreich.



Weitere Auffälligkeiten

- statt mit "Hallo Anna" grüßt man oft auch einfach nur mit "Anna"
- wenn man sich die Hände schüttelt, macht man das mit ganz schwachem Händedruck (zumindest Frauen gegenüber)
- Viele Männer bellen als Ausdruck von Freude (auch zum Beispiel Radiosprecher)
- die Leute sind oft krank. Schuld daran ist laut ihnen der Regen.
- Es gibt viele Polizeikontrollen auf den Straßen

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Zufriedenheit mit Projekt, Verschiedene Feste und AFS-Camp

Jetzt bin ich schon sieben Wochen in Panama und arbeite die siebte Woche in meinem Projekt. Und ich habe das Gefühl, dass meine Zeit hier noch echt toll werden kann. Noch ist natürlich nicht alles ideal, ich hätte mir mehr Arbeit und Aufgaben im Projekt erhofft  und schnellere Fortschritte mit dem Spanisch. Gespräche zu zweit, wenn ich ab und zu nachfragen kann, kriege ich inzwischen ziemlich gut hin, es ist aber immer noch hauptsächlich so, dass ich bei Unterhaltungen zwischen anderen nur dabei sitze und grob das Thema verstehe. Wenn ich mal sehr ausgeschlafen bin, kann ich auch ein bisschen mitreden.

Aber die Stimmung zwischen meinen Arbeitskolleginnen ist so toll, dass ich mir sicher bin, wenn ich dann mal ausreichend verstehe, werde ich viel Spaß haben. Ich gehe jetzt schon total gern zur Arbeit, einfach weil meine Kolleginnen so viel lachen. Kleinigkeiten, wie zusammen kochen und backen, wöchentliches Wichteln und viel Musik, machen es noch zusätzlich schön. Ich kann es wirklich kaum erwarten, noch mehr von den Späßen zu verstehen. Langsam fange ich an, selber Scherze zu machen und werde in die Witze von den anderen mit eingebunden und mich stört es so sehr, dass ich nicht noch mehr mitmachen kann, weil halt alles auf Spanisch ist. Es ist also wie gesagt noch nicht ideal, aber die Hoffnung, dass es ein tolles Jahr wird, ist so groß, dass ich zurzeit trotzdem ganz glücklich bin.

Kinder der kleinsten Gruppe beim Kneten und basteln


An den letzten Wochenenden habe ich mich über jede Unternehmung gefreut. Es gab mehrere Feste, zu denen ich eingeladen war. Ich war auf einer Taufe, einer Babyshower-Party und zwei Geburtstagen. Einer der Geburtstage war von meinem Gastneffen und wurde von uns schon Wochen im Voraus geplant. Nachdem jeder einzelne Lebensmonat gefeiert wurde, ist der erste Geburtstag hier etwas Besonderes. 160 Gäste waren eingeladen, wir haben für jedes Kind einen Geschenkebeutel befüllt, es gab eine riesengroße Tafel mit Kuchen und Süßigkeiten, alles mit Käpt´n Jake, der Lieblings-Zeichentrickfigur des Geburtstagskindes. 

Geburtstagstafel meines Gastneffen

Der andere Geburtstag den ich besucht habe, war der  9. Geburtstag eines Verwandten und zwar viel kleiner als der erste, aber verglichen zu einem Kindergeburtstag in Deutschland, trotzdem sehr aufwändig und mit vielen Gästen. Eine bekannte lateinamerikanische Tradition, die hier tatsächlich viel ausgeübt wird, ist das Schlagen einer Piñata. Eine mit Süßigkeiten gefüllte Pappmachéfigur wird mit einem Seil aufgehängt und alle Kinder schlagen nacheinander mit einem Stock dagegen, bis die Süßigkeiten herausfallen. Damit es schwieriger ist, wird ab und zu an dem Seil gezogen, sodass die Piñata mal höher mal tiefer hängt. Schließlich stürzen sich alle auf die Süßigkeiten und es gibt ein großes Durcheinander.




Bei allen Festen gab es laute Musik und viel Essen. Als Gast hat man zuerst den Gastgeber begrüßt und eventuell sein Geschenk abgegeben. Dann hat man ziemlich schnell einen Stuhl untergeschoben bekommen und es gab etwas zu Essen. Der Gastgeber selbst hat die ganze Zeit organisiert, Essen und Stühle gebracht und Wünsche von Gästen erfüllt. Bei der Babyshower-Party, die 1-2 Monate vor der Geburt eines Kindes gefeiert wird, wurden Spiele gespielt, genauso auf dem 1. Geburtstag meines Gastneffen.

Einmal habe ich in Chitré bei „FANLYC“ mitgemacht, einem Lauf für Kinder mit Krebs. Man bezahlt 5 Dollar und rennt dann theoretisch 3 Kilometer. Allerdings sind fast alle Teilnehmer die Strecke gegangen, weswegen das auch für mich keine besonders sportliche Aktion war.

FANLYC-Lauf in Chitré

Letztes Wochenende haben sich alle AFS-Freiwilligen, die mit dem „Internationalen Jugendfreiwilligendienst“ in Panama sind, einem Hostel nahe Penonomé getroffen. Wir haben über Probleme gesprochen, die eventuell in Familie und Projekt bis jetzt schon aufgetreten sind. Außerdem haben wir einen Ausflug gemacht, der genau nach meinem Geschmack war. Erst einen Fluss durchqueren, dann am felsigen Ufer entlang klettern und schließlich in einem Wasserfall baden und von Felsen ins strömende Wasser springen. Abgesehen von dem guten Programm, hat es echt gut getan, mal wieder alles zu verstehen und von anderen über deren Situation zu hören. Nachdem ich jetzt so einen Vergleich habe, weiß ich, dass ich mit allem echt Glück habe.

mit anderen Freiwilligen bei einer Flussdurchquerung und das felsige Ufer, an dem wir später entlang geklettert sind

Weitere Auffälligkeiten aus der letzten Zeit:

- statt Tauben gibt es hier überall Rabengeier.
- Quintero ist hier in der Gegend ein echt beliebter Nachname. Zum Beispiel in einer meiner Gruppen in Valórate heißen 4 der 25 Kinder Quintero und sind nicht miteinander verwandt. Auch eine Kollegin, meine Nachbarn und meine Cousinen heißen Quintero.
- viele sind verrückt nach Babies und sprechen gern in Babysprache.
- Ein Stromausfall ist nicht so besonders. In meinen knapp 7 Wochen in Pesé ist schon 4 Mal der Strom ausgefallen, einmal davon für einen ganzen Tag.
- Beim sprechen werden die Leute schamlos in dick und dünn und in hell- und dunkelhäutig aufgeteilt. So ist es ganz normal und überhaupt keine Beleidigung, von "dem Dicken" zu reden und manche werden "Schwarzer" oder "Blasser" genannt. Auch "Danke, Chinese" wird gesagt.
- die Mimik um wütend auszudrücken, ist Backen aufblasen
die Geste um jemanden zu sich zu winken, kann auch andersrum gemacht werden, also mit der Handfläche nach unten
- Größen und Längen werden nicht dadurch gezeigt, dass man beide Hände auseinander hält, sondern eine Hand misst die Länge am anderen Arm ab
- es wird oft eingeklatscht
- viele Frauen haben keinen Führerschein
- bevor man in eine Bank reingeht, wird man mit einem Metalldetektor geprüft
- statt Mülltonnen gibt es Metallkörbe auf Stelzen


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