Montag, 31. Oktober 2016

Portobelo, Spanischkurs und Defilee in Chitré

Diesmal erzähle ich ein bisschen von meinen Wochenenden. 

Verkauf von Instrumenten und Trinkbehältern
in Chitré
Seit letztem Samstag gibt es für uns AFS-Freiwillige in und um Chitré einen Spanischkurs. Dieser findet in Chitré statt und wird wohl in der in nächster Zeit meine Samstage dominieren. Das stört mich allerdings überhaupt nicht, im Gegenteil, ich freue mich eigentlich dass ich dadurch mal aus Pesé rauskomme. Außerdem war die erste Spanischstunde relativ viel versprechend, die 4 Stunden werden nur teilweise durch richtigen Unterricht beansprucht, es geht vor allem darum, dass wir mit anderen Panameños in Kontakt kommen. Letzten Samstag zum Beispiel, sind wir viel durch Chitré gelaufen, waren im Museum, in Geschäften, haben mit Händlern gesprochen und waren essen. Da wir mit drei Schülern eine kleine Gruppe sind, kommt man wirklich auch oft zum sprechen. 

Samstag ist außerdem der Tag, an dem mein 1-jähriger Gastneffe hier ist, um gehütet zu werden. So haben die Samstage einen mehr oder weniger regelmäßigen Ablauf.


Portobelo


Sonntag vor zwei Wochen bin ich sehr spontan mit einer Tante nach Portobelo gefahren. Das ist ein Dorf nördlich von Panama Stadt, an der Karibikküste. Hauptattraktionen sind die Kirche "Iglesia de San Felipe" 
und die Reste einer alten Festungsanlage. 

Bucht vor Portobelo

Da  es an diesem Tag ununterbrochen geregnet hat, haben wir uns vor allem der Kirche gewidmet. Diese ist (wie fast alle Kirchen hier) katholisch und beheimatet den "schwarzen Christus", eine Jesusfigur aus schwarzem Holz, die in Panama sehr bekannt ist und zu dessen Ehren jährlich am 21. Oktober ein großes Fest gefeiert wird. Dieses Fest lockt jedes Jahr viele Pilger an, ich war aber 6 Tage vor dem Fest dort, weswegen ich davon nicht so viel mitbekommen habe. 



Kirche von innen. Hinten links im "Schaufenster" sieht man den schwarzen Christus.


Trotz des Regens haben wir uns dann noch ein wenig die Festungsanlagen angeschaut. Portobelo (übersetzt "schöner Hafen") war während der spanischen Kolonialzeit ein wichtiger Hafen, an dem viel Gold und Silber verschifft wurde. Deswegen wurde er immer wieder von Piraten angegriffen. Um diese abzuwehren, gab es viele Kanonen und diese kann man sich auch heute noch anschauen.

Kanonen und Festungsanlage

Nach Portobelo ging es für uns noch nach Panama Stadt, wo wir die ganze Zeit in einem Einkaufszentrum, der Albrook Mall verbracht haben. 

Albrook Mall

Typisches Defilee


mit einem Cousin
Letzten Sonntag habe ich kennengelernt, wie ein typisches, panamesisches Defilee aussieht. Anlässlich der Gründung Chitrés sind viele Umzugswagen durch das Stadtzentrum gezogen und meine Gastfamilie und ich waren Teil der großen Zuschauermenge. Schon 3 Stunden bevor es los ging, waren wir da um mit unseren mitgebrachten Stühlen gute Plätze am Straßenrand zu ergattern. 


Es gab Wägen mit "Reinas" (=Königin), Frauen in Polleras, den typischen panamesischen Kleidern, Wägen mit Blasorchestern und zwischen den Wägen immer wieder Tanzpaare in typischer Kleidung, Trommler und als Teufel und Hexen verkleidete Tänzer. Die ganze Zeit gab es typische Musik und von den Wägen wurden Süßigkeiten geworfen. 





Umzugswagen mit Reinas

Tänzer in typischer Kleidung


Hexen und Teufel
Frauen in Polleras

Alles in allem hat mich dieses Defilee sehr an Karneval erinnert und ich bin echt gespannt, was mich am wirklichen Karneval erwartet, wenn schon so ein vergleichsweise kleines Defilee so groß und aufwendig auf mich gewirkt hat. Im nächsten Monat werde ich aber sicher noch mehr Feste dieser Art erleben, November ist nämlich der Monat Panamas, mit vielen Festen und Feiertagen.

Blaskapelle und Palmenwagen
Diesen Sonntag war ich mit meiner Familie in Chitré einkaufen, essen und meinen Gastbruder besuchen. So sind die Sonntage hier jedes Mal anders und sehr abwechslungsreich.



Weitere Auffälligkeiten

- statt mit "Hallo Anna" grüßt man oft auch einfach nur mit "Anna"
- wenn man sich die Hände schüttelt, macht man das mit ganz schwachem Händedruck (zumindest Frauen gegenüber)
- Viele Männer bellen als Ausdruck von Freude (auch zum Beispiel Radiosprecher)
- die Leute sind oft krank. Schuld daran ist laut ihnen der Regen.
- Es gibt viele Polizeikontrollen auf den Straßen

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Zufriedenheit mit Projekt, Verschiedene Feste und AFS-Camp

Jetzt bin ich schon sieben Wochen in Panama und arbeite die siebte Woche in meinem Projekt. Und ich habe das Gefühl, dass meine Zeit hier noch echt toll werden kann. Noch ist natürlich nicht alles ideal, ich hätte mir mehr Arbeit und Aufgaben im Projekt erhofft  und schnellere Fortschritte mit dem Spanisch. Gespräche zu zweit, wenn ich ab und zu nachfragen kann, kriege ich inzwischen ziemlich gut hin, es ist aber immer noch hauptsächlich so, dass ich bei Unterhaltungen zwischen anderen nur dabei sitze und grob das Thema verstehe. Wenn ich mal sehr ausgeschlafen bin, kann ich auch ein bisschen mitreden.

Aber die Stimmung zwischen meinen Arbeitskolleginnen ist so toll, dass ich mir sicher bin, wenn ich dann mal ausreichend verstehe, werde ich viel Spaß haben. Ich gehe jetzt schon total gern zur Arbeit, einfach weil meine Kolleginnen so viel lachen. Kleinigkeiten, wie zusammen kochen und backen, wöchentliches Wichteln und viel Musik, machen es noch zusätzlich schön. Ich kann es wirklich kaum erwarten, noch mehr von den Späßen zu verstehen. Langsam fange ich an, selber Scherze zu machen und werde in die Witze von den anderen mit eingebunden und mich stört es so sehr, dass ich nicht noch mehr mitmachen kann, weil halt alles auf Spanisch ist. Es ist also wie gesagt noch nicht ideal, aber die Hoffnung, dass es ein tolles Jahr wird, ist so groß, dass ich zurzeit trotzdem ganz glücklich bin.

Kinder der kleinsten Gruppe beim Kneten und basteln


An den letzten Wochenenden habe ich mich über jede Unternehmung gefreut. Es gab mehrere Feste, zu denen ich eingeladen war. Ich war auf einer Taufe, einer Babyshower-Party und zwei Geburtstagen. Einer der Geburtstage war von meinem Gastneffen und wurde von uns schon Wochen im Voraus geplant. Nachdem jeder einzelne Lebensmonat gefeiert wurde, ist der erste Geburtstag hier etwas Besonderes. 160 Gäste waren eingeladen, wir haben für jedes Kind einen Geschenkebeutel befüllt, es gab eine riesengroße Tafel mit Kuchen und Süßigkeiten, alles mit Käpt´n Jake, der Lieblings-Zeichentrickfigur des Geburtstagskindes. 

Geburtstagstafel meines Gastneffen

Der andere Geburtstag den ich besucht habe, war der  9. Geburtstag eines Verwandten und zwar viel kleiner als der erste, aber verglichen zu einem Kindergeburtstag in Deutschland, trotzdem sehr aufwändig und mit vielen Gästen. Eine bekannte lateinamerikanische Tradition, die hier tatsächlich viel ausgeübt wird, ist das Schlagen einer Piñata. Eine mit Süßigkeiten gefüllte Pappmachéfigur wird mit einem Seil aufgehängt und alle Kinder schlagen nacheinander mit einem Stock dagegen, bis die Süßigkeiten herausfallen. Damit es schwieriger ist, wird ab und zu an dem Seil gezogen, sodass die Piñata mal höher mal tiefer hängt. Schließlich stürzen sich alle auf die Süßigkeiten und es gibt ein großes Durcheinander.




Bei allen Festen gab es laute Musik und viel Essen. Als Gast hat man zuerst den Gastgeber begrüßt und eventuell sein Geschenk abgegeben. Dann hat man ziemlich schnell einen Stuhl untergeschoben bekommen und es gab etwas zu Essen. Der Gastgeber selbst hat die ganze Zeit organisiert, Essen und Stühle gebracht und Wünsche von Gästen erfüllt. Bei der Babyshower-Party, die 1-2 Monate vor der Geburt eines Kindes gefeiert wird, wurden Spiele gespielt, genauso auf dem 1. Geburtstag meines Gastneffen.

Einmal habe ich in Chitré bei „FANLYC“ mitgemacht, einem Lauf für Kinder mit Krebs. Man bezahlt 5 Dollar und rennt dann theoretisch 3 Kilometer. Allerdings sind fast alle Teilnehmer die Strecke gegangen, weswegen das auch für mich keine besonders sportliche Aktion war.

FANLYC-Lauf in Chitré

Letztes Wochenende haben sich alle AFS-Freiwilligen, die mit dem „Internationalen Jugendfreiwilligendienst“ in Panama sind, einem Hostel nahe Penonomé getroffen. Wir haben über Probleme gesprochen, die eventuell in Familie und Projekt bis jetzt schon aufgetreten sind. Außerdem haben wir einen Ausflug gemacht, der genau nach meinem Geschmack war. Erst einen Fluss durchqueren, dann am felsigen Ufer entlang klettern und schließlich in einem Wasserfall baden und von Felsen ins strömende Wasser springen. Abgesehen von dem guten Programm, hat es echt gut getan, mal wieder alles zu verstehen und von anderen über deren Situation zu hören. Nachdem ich jetzt so einen Vergleich habe, weiß ich, dass ich mit allem echt Glück habe.

mit anderen Freiwilligen bei einer Flussdurchquerung und das felsige Ufer, an dem wir später entlang geklettert sind

Weitere Auffälligkeiten aus der letzten Zeit:

- statt Tauben gibt es hier überall Rabengeier.
- Quintero ist hier in der Gegend ein echt beliebter Nachname. Zum Beispiel in einer meiner Gruppen in Valórate heißen 4 der 25 Kinder Quintero und sind nicht miteinander verwandt. Auch eine Kollegin, meine Nachbarn und meine Cousinen heißen Quintero.
- viele sind verrückt nach Babies und sprechen gern in Babysprache.
- Ein Stromausfall ist nicht so besonders. In meinen knapp 7 Wochen in Pesé ist schon 4 Mal der Strom ausgefallen, einmal davon für einen ganzen Tag.
- Beim sprechen werden die Leute schamlos in dick und dünn und in hell- und dunkelhäutig aufgeteilt. So ist es ganz normal und überhaupt keine Beleidigung, von "dem Dicken" zu reden und manche werden "Schwarzer" oder "Blasser" genannt. Auch "Danke, Chinese" wird gesagt.
- die Mimik um wütend auszudrücken, ist Backen aufblasen
die Geste um jemanden zu sich zu winken, kann auch andersrum gemacht werden, also mit der Handfläche nach unten
- Größen und Längen werden nicht dadurch gezeigt, dass man beide Hände auseinander hält, sondern eine Hand misst die Länge am anderen Arm ab
- es wird oft eingeklatscht
- viele Frauen haben keinen Führerschein
- bevor man in eine Bank reingeht, wird man mit einem Metalldetektor geprüft
- statt Mülltonnen gibt es Metallkörbe auf Stelzen


Natur

Montag, 19. September 2016

Tagesausflug: Isla Iguana und Playa Venao

Diesen Sonntag hatte ich das Glück, mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland und deren Gastfamilie mehr von Panama kennen lernen zu können: Den Strand vor Pedasí, die Isla Iguana und den Strand Venao.
Gestartet sind wir morgens um 6 in Chitré. Mit dem Auto sind wir ca. 1,5 nach Pedasí gefahren, ein Dorf ganz im Südosten der Halbinsel Azuero, nahe einem schönen Strand. Dort haben wir auf unser kleines Motorboot gewartet, was uns zur Isla Iguana bringen sollte.
Strand vor Pedasí. Am Horizont kann man schon die Isla Iguana sehen.
Die Bootsfahrt hat echt Spaß gemacht! Es war total schnell und die Wellen waren wie Sprungschanzen. Als wir kurz vor der Insel waren, sind wir angehalten um das zu tun, wofür wir eigentlich bezahlt hatten: Wale anschauen. Allerdings sind auch nach kurzem Warten keine Wale aufgetaucht, was ein bisschen enttäuschend war. Dafür konnten wir aber ganz viele Pelikane entdecken.
Pelikane

Schließlich haben wir an der Insel angelegt, in einer Bucht mit feinem weißen Sand und Stücken von Korallen. Das war ein tolles Gefühl! Relativ bald habe ich dann auch verstanden, woher die Isla Iguana (deutsch: Insel Leguan) ihren Namen hat. Zwischen hunderten von Einsiedlerkrebsen sind ganz viele Leguane herumgelaufen und haben sich nicht von uns stören lassen.

Ich am Strand

Leguane und Krebse

Von der Reiseleiterin wurden wir nach einem kleinen Snack durch die Insel geführt. In dem dschungel-artigem Wald lagen die Kokosnüsse auf dem Boden, wie in Deutschland die Eicheln im Herbst. Es war sehr schwül.

Weg durch den Dschungel
Auf der anderen Seite der Insel gab es noch einen genauso schönen Strand, an dem wir auch gebadet haben. Auch schnorcheln konnte man, was ich natürlich ausgenutzt habe und was eine tolle Erfahrung war. Ich konnte Korallenriffe, Kugelfische, Flötenfische und vieles mehr sehen.

Ich, zwischen Korallen und bunten Fischen. Die Farben sind auf dem Foto leider ein bisschen milder.

Auf der Rückfahrt von der Insel zum Festland konnten wir dann doch noch die erhofften Wale sehen. Mich hat echt beeindruckt, wie groß so ein Wal ist. Ich dachte beim ersten Wal erst, dass dort ein riesiger Baumstamm im Wasser liegt. Ein wirklich gutes Foto konnte ich allerdings nicht machen, da sie nur kurz über Luft geholt haben und dann gleich wieder untergetaucht sind.


Zurück in Pedasí haben wir schließlich zu Mittag gegessen und sind weiter zum Playa Venao gefahren. Dieser Strand liegt in einer Bucht im Süden Azueros und ist bei Surfern sehr beliebt. Wir haben uns nach Preisen für Übernachtung und Surfkurse erkundigt und ich habe mir vorgenommen, während meines Jahres in Panama, dort Surfen zu lernen.

Playa Venao

Diesen Ausflug fand ich echt toll! Selbst Wolken und Erkältung konnten das nicht ändern. Ich denke, ich habe echt Glück, nach 3,5 Wochen schon so viel von Panama gesehen zu haben.


Samstag, 17. September 2016

Mein Heimatdorf Pesé

Pesé ist ein Dorf, was in dem gleichnamigen Distrikt liegt, und hat ungefähr 2500 Einwohner.
Pesé in Panama
In den letzten 3 Wochen konnte ich Pesé schon ein bisschen kennen lernen. Es kommt mir, als Großstädtlerin zwar schon sehr klein vor, aber es hat auf jeden Fall etwas zu bieten. Bisher habe ich eine Schulanlage (Kinder von 6-18 Jahre), eine Kirche, einen Park, einen Basketballplatz, ein Fitnessstudio, eine Tankstelle, eine Bank, mehrere Handyläden, ein paar Imbissstände und ganz viele Chinos (Mini-Supermärkte) gesehen. Außerdem wird gerade eine Polizeistation und eine zweite Tankstelle gebaut.
Etwas außerhalb liegt eine Rumfabrik, die ich auch schon besichtigt habe. Hier wird das ganze Zuckerrohr, was rund um Pesé wächst, zu Alkohol verarbeitet. Sie gehört dem jetzigen Präsidenten von Panama, der hier aus Pesé kommt.


Abgesehen von den ganzen öffentlichen Plätzen gibt es natürlich noch die Privathäuser. So wirklich privat sind die aber meinem Gefühl nach auch nicht. Immer wenn jemand zu Hause ist, steht die Haustür offen und mehr oder weniger jeder geht ein und aus. Am Anfang war ich erstaunt, dass so viele Leute so eng mit der Familie befreundet sind, dass sie ohne anklopfen reinkommen und sich am Kühlschrank bedienen. Und ich habe mich gewundert, dass ich diesen Leuten nicht immer vorgestellt werde,  wo sie doch anscheinend so eng mit meiner Gastfamilie sind. Auch fand ich es komisch, wenn ich bei jemand anderem zu Besuch war, schnurstracks ins Schlafzimmer zu gehen um mich dort auf das Bett zu legen und mich dort mit den anderen zu unterhalten. Aber das scheint hier normal zu sein. Bekannte, übernächste Nachbarn und Verwandte x-ten Grades sind im Haus willkommen. Auch mir wurde schon von vielen nach 5 Minuten Bekanntschaft gesagt, ich solle wiederkommen, wann immer ich will. Das Schlafzimmer ist mit dem Wohnzimmer in Deutschland zu vergleichen.

Schätzungsweise 95% der Wohnhäuser in Pesé weisen folgende Merkmale auf:
- Einstöckig
- Buntgestrichen
- Terrasse
- Lochmuster in Außenwänden
- Ventilator oder Klimaanlage in vielen Räumen
- kein Warmwasser
- keine Türklingel



Außerdem normal ist, dass mehrere Generationen zusammen wohnen und dass Gitter vor den Fenstern sind. Festnetz Telefon gibt es sehr selten im Haus, aber meistens mehrere Fernseher.

Neues von meiner Seite

Seit meinem letzten Blogeintrag habe ich meine Umgebung natürlich noch besser kennengelernt. Sowohl mit meiner Gastfamilie, als auch mit meinem Projekt bin ich immer noch sehr zufrieden.

So richtig ein Alltag ist nach drei Wochen in Pesé natürlich noch nicht eingetreten, aber ich habe mich an viele Sachen schon ein bisschen gewöhnt. So zum Beispiel das klebrige Gefühl auf der Haut, was das tropische Klima verursacht. Das ständige nur-daneben-sitzen bei Gesprächen ist mir auch schon vertraut, genauso wie die viele Handybenutzung und das Fernsehen. Außerdem ist inzwischen noch ein bisschen mehr Besteck aufgetaucht und es gibt ein neues Klo, das man nicht vor jedem Spülen auseinanderbauen muss. Manche Sachen sind aber auch komisch für mich, zum Beispiel die Frage meiner Gastmutter, wie lange ich eigentlich bleibe, eher 2 Monate, 6 Monate oder eher 1 Jahr. Auch die feste Überzeugung, es gäbe Hexen und Kobolde in nahen den Hügeln, fand ich komisch.

Mit meiner Gastmutter verstehe ich mich nach wie vor super gut. Meine Schwester Male sehe ich unter der Woche kaum, da sie kurz bevor ich von der Arbeit komme, zur Spät-Uni nach Chitré fährt und erst wiederkommt wenn ich schon schlafe.  

an der Küste
Am Wochenende habe ich auch schon ein bisschen die Umgebung von Pesé kennengelernt. Ich war wieder in Chitré, im Schwimmbad, und an der Küste nahe Chitré (der Strand dort ist nicht so schön). Jeden Samstag passen wir auf den bald 1jährigen Neffen meiner Gastschwester auf und verbringen viel Zeit mit Verwandten. Ich habe außerdem angefangen, dreimal die Woche morgens joggen zu gehen.


Las Tablas
In Valórate mag ich meine Kolleginnen sehr! Vergangene Woche hatten die Kinder hier Ferien und sind nicht gekommen. Wir haben deswegen Papierkram gemacht, ein bisschen Bänke geputzt, Anstecker für ein Fest gebastelt und Spiele gespielt. Ich kann mich zwar nicht so gut mit ihnen unterhalten, aber ich habe gemerkt, dass ich mich unter meinen Kolleginnen echt wohl fühle. Einmal zum Beispiel sind wir zu acht mit dem PKW der Chefin 1 Stunde nach Las Tablas gefahren – 4 Leute auf der Rückbank und 2 im Kofferraum, zur Musik tanzend. In Las Tablas haben wir nur Stoff gekauft, haben zu Mittag gegessen und sind wieder zurück gefahren.  Total unnötig, dass alle acht mitgekommen sind, aber einfach nur cool!

Tanzen typischer Tänze in Valórate

Die Woche vor den Ferien kam ich mir sehr oft nutzlos vor, da die Kinder keine Hausaufgaben hatten, bei denen ich helfen konnte. Ich bin mal gespannt, wie es nächste Woche wird. Bis jetzt ist wirklich jeder Tag eine Herausforderung und jeder Tag anders. Gut fühlen und schlecht fühlen wechselt stündlich und hängt vor allem davon ab, wie viel Spanisch ich verstehe und ob ich was zu tun habe, oder mich langweile.




Neue Auffälligkeiten und was ich vorher vergessen hatte:

- das Leitungswasser ist gechlort
- man zeigt sich gerne auf dem Handy Fotos und sagt „que lindo“ (=wie schön)
- mehr Körperkontakt beim reden
- die Frauen haben oft Stifte im Haar
- man rülpst mehr
- es gibt viele hübsche Menschen
- es gibt mehr Erwachsene mit Zahnspange
- alle Mädchen bekommen direkt nach der Geburt Ohrlöcher
- beim Telefonieren gibt es oft kein richtiges „Hallo“ und „Tschüss“
- die Gehgeschwindigkeit ist langsamer
- Supermärkte in Chitré: oft Sicherheitskräfte + Leute, die einem den Einkauf in Tüten verpacken und bei großem Einkauf zu Auto tragen. Die Einkaufswägen lässt man nach dem Ausräumen einfach vor der Kasse stehen
- die Geschäfte haben sonntags geöffnet
- es gibt fast keine Bücher (ich habe seit meiner Ankunft in Panama noch keins gesehen)
- es ist normal, morgens mit nassen Haaren auf Arbeit zu kommen
- die Fußgänger haben im Verkehr weniger Rechte
- es gibt viele Taxen
- es wird viel gelästert
- es gibt fast nur fröhliche Musik
- viele Panameñas mögen Kitsch
- die Fahrräder haben Nummernschilder
- Schulgebäude sind immer weiß-blau

Freitag, 2. September 2016

Gastfamilie und Projekt

Meine Gastfamilie


Nach einer sehr chaotischen Busfahrt, bin ich Samstagnacht schließlich in Pesé angekommen und wurde irgendwann auch von meiner Gastfamilie abgeholt. 

Solche Busse gibt es in Panamá Stadt ganz viele. Ich bin aber mit einem anderen gefahren.


Meine Gastfamilie besteht aus:
- Gastmutter: Magalis, Krankenschwester
- Gastschwester: Marielys (Male genannt), 20 Jahre alt, studiert Psychologie

Ich verstehe mich mit beiden bisher echt gut! Sie sind richtig herzlich und haben mich richtig nett aufgenommen. Es gab zum Beispiel ein kleines Willkommens-Tischchen mit ganz vielen Süßigkeiten und sie haben auch extra für mich WiFi eingerichtet. Das versprochene typisch-panamaische Gericht gab es zwar nicht, aber das war dann auch nicht so schlimm. Ich schlafe mit Male in einem Zimmer und das gefällt mir eigentlich ganz gut. Der Vater (Miguel) wohnt nicht in Pesé und kommt nur am Wochenende. Es gibt auch noch einen Bruder, aber der ist schon ausgezogen und verheiratet.





vor einer Bananenstaude im Garten von Verwandten
Am Sonntag habe ich sämtliche Familienmitglieder kennengelernt. Wir sind nach Chitré gefahren, der nächsten Stadt, und haben alle möglichen Verwandten besucht. Der Neffe meiner Gastschwester wurde an dem Tag 11 Monate alt und deswegen sind wir mit ihm in ganz viele Geschäfte gegangen, damit er sich einen Kuchen aussuchen darf. Nach und nach sind immer mehr Verwandte dazu gekommen, sodass ich an dem Tag insgesamt 23 Leute kennengelernt habe. Um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich mir zu Hause einen Stammbaum gemalt, auf dem jetzt über 50 Leute stehen. Familie scheint hier richtig wichtig zu sein, mit Freunden macht meine Gastfamilie eher selten was. Dafür kommt immer mal irgendeine Schwester oder Cousine vorbei.

Was mir an meiner Familie nicht so gefällt, ist, dass wir sehr viel Fernsehen und viel Fastfood essen. Das Essen ist hier auch ein bisschen  ungeselliger. Als ich zum Beispiel den Tisch decken wollte, wurde ich ganz komisch angeguckt, weil wir hier eigentlich fast nie am Tisch essen, sondern immer im Zimmer. Jeder bereitet sich das vor, was er essen möchte, oder kauft sich was. Es gibt auch nicht wirklich Besteck, sondern nur 1 Löffel, 1 Brotmesser und 2 Gabeln.
Aber abgesehen davon, fühle ich mich hier echt wohl!



Mein Projekt: Fundación Valórate


Am Montag war ich zum ersten Mal in meinem Projekt.
Valórate ist eine Einrichtung für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen und Lernschwierigkeiten. Durch Spiele und Nachhilfe sollen Probleme in Alltag und Schule verringert werden.



Es gibt drei Gruppen, die nacheinander kommen: 2-4jährige, 5-8jährige und 9-12jährige. Jede Gruppe beginnt mit dem „magischen Moment“. Alle Kinder versammeln ich im Kreis, es wird gesungen und das Kind, was sich gut benommen, oder viel gesteigert hat, bekommt einen Stern auf die Stirn. Das gehört zur psychologischen Betreuung und soll sie motivieren. Nach diesem „Magischen Moment“ unterscheidet sich das Programm je nach Gruppe. Mit den Kleinen, die vormittags kommen, malen wir Tiere aus, spielen Lego, tanzen, kneten und spielen mit Luftballons. Was mir echt gut gefällt, ist dass die Erzieherinnen nicht so viel mit den Kindern schimpfen und sie sich richtig austoben lassen. 
Die beiden größeren Gruppen  kommen nach der Schule und machen in Valórate ihre Hausaufgaben, bekommen Nachhilfe und spielen Spiele. Ich bin die Hauptansprechpartnerin für Englisch. Das ist echt toll, weil ich an dieser Stelle wirklich helfen kann. Die anderen Erzieherinnen können nicht so gut englisch und dann kann ich mit den Kindern englisch üben. Abgesehen von der Zeit, die ich mit den Kindern verbringe, helfe ich auch beim putzen, Essen austeilen, Pflanzen gießen, usw.

mit Kindern aus der mittleren Gruppe beim Mensch-ärgere-dich-nicht spielen

Ansonsten komme ich mir manchmal überflüssig vor, weil Valórate schon ziemlich gut organisiert ist und man erstmal seinen Platz finden muss. Ich denke aber, dass das mit meinem Spanisch besser wird. Bisher verstehe ich nur, wenn sie etwas zu mir sagen und langsam reden. Wenn sich meine Kolleginnen oder Gastfamilie aber unter sich unterhalten, reden sie viel zu schnell, als dass ich sie verstehen könnte. Deswegen sitze ich bei den Gesprächen oft nur dabei und kann mich nicht so viel einbringen. Aber mich merke schon Fortschritte bei meinem Spanisch und habe auch keine Angst, zu reden.

Meine Arbeitszeiten sind von 9:00 Uhr bis 17:30 Uhr, was, verglichen zu anderen Projekten, eher lang ist. Dafür kann ich in 10 Minuten hinlaufen, das ist echt praktisch. Nachdem ich jetzt eine Woche bei Valórate gearbeitet habe, bin ich sehr, sehr zufrieden und bin mir auch echt sicher, dass ich mich bald gut integrieren kann. Meine Kolleginnen sind auch alle richtig nett! Und das Essen wird jeden Tag selber gekocht und ist total lecker!

Der Alltag ist für mich noch ziemlich anstrengend, sowohl zu Hause, als auch auf Arbeit. Alles ist neu, überall Spanisch und überall Kinder und man ist eigentlich immer in Gesellschaft. Und weil ich für die anderen natürlich auch neu bin und ich noch nicht so gut Spanisch kann, bin ich noch nicht wirklich integriert. Ich bin mir sicher, dass das sich bessert und hoffe nur, dass ich es bis dahin gut überstehe. Allen anderen Freiwilligen geht es genauso, deswegen mache ich mir darüber keine so großen Sorgen. Und ich denke, wenn es dann soweit ist, dass ich integriert bin, wird es mir echt richtig gut gehen, weil ich riesengroßes Glück mit meiner Familie und meinem Projekt habe.


Was mir bis jetzt so in Pesé aufgefallen ist:

- die beiden Fernseher laufen ständig (auch nachts, meine Gastschwester kann sonst nicht einschlafen)
- das Smartphone ist immer dabei und es wird viel nebenbei gechattet. Wenn ich meiner Gastmutter schreibe, kommt die Antwort innerhalb von 3 Minuten.
- es wird einem auf der Straße viel hinterher gepfiffen
- es gibt viele dicke Menschen
- im Haus gibt es richtig viele Geckos und Ameisen
- es gibt viele Straßenhunde
- alle lachen und lächeln viel mehr
- man wird immer mit „meine Liebe“, „mein Herz“, oder „Mami“ angesprochen
- die Anziehsachen und Schuhe, oder generell das Aussehen, wird ganz oft gelobt
- anschnallen im Auto ist nicht üblich
- die Leute reden viel, laut und schnell
- in der Freizeit kann man auch kurze Hosen und Tops anziehen


Freitag, 26. August 2016

Ankunft in Panama

Seit 2 Tagen bin ich jetzt schon in Panama und es gefällt mir echt gut hier! Nach ungefähr 12 Stunden Flug ist unsere Freiwilligen-Gruppe vorgestern in Panama Stadt gelandet. Schon aus dem Flugzeugfenster konnten wir die Skyline der Stadt sehen und ganz viele Schiffe, die wahrscheinlich vor dem Kanal Schlange standen. Es hat geregnet und war total heiß und schwül. Mit dem Bus sind wir dann zum Hostel (mit Pool!) gefahren,  wo wir seitdem sind. Hier haben wir ab und zu mal einen Programmpunkt,  zum Beispiel wird über Sicherheit in Panama gesprochen, SIM-Karten für Panama verteilt, und wir beantragen unser Visum. Heute soll auch noch ein Arzt kommen, unseren Blutdruck messen. Ansonsten sind wir noch zweimal durch die Stadt gelaufen und haben uns die Hochhäuser und die neue Metro angeschaut. Aber vor allem sind wir  im Pool oder in der Hängematte und machen eher wenig. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, weil man schon ein bisschen Zeit braucht, sich an das Klima und Zeitverschiebung zu gewöhnen.

Hochhäuser von Panama Stadt

Was mir an Panama Stadt bisher so aufgefallen ist:

- es gibt ganz viele weiße/helle Autos
- die Autos haben vorne kein Nummernschild
- es wird die ganze Zeit gehupt, der Verkehr wirkt durcheinander, alles ist laut
- die Leute haben wirklich fast alle lange Hosen an (bei 30°C)
- die Frauen schminken sich viel mehr als in Deutschland
- ein Leguan, der durch den Hostelgarten lauft, ist ganz normal

ein Leguan, den man hier jeden Tag sehen kann
Morgen werde ich dann mit dem Bus nach Pesé fahren, das Dorf wo meine Gastfamilie wohnt und ich arbeiten werde. Ich bin natürlich schon richtig aufgeregt...