Sonntag, 25. Juni 2017

Kulturschock

Wie schon im letzten Blogeintrag über Höflichkeit in Panama erklärt, gibt es in den verschiedenen Kulturen auch unterschiedliche Regeln. Auch wenn man sich vielleicht irgendwann daran gewöhnt, ständig Fehler zu machen, ist der Prozess der Anpassung anstrengend. Die Reaktion auf diese Konfrontierung mit der fremden Kultur nennt man Kulturschock.

Am Anfang ist man noch fasziniert von den ganzen Unterschieden, die man zwischen der eigenen und der fremden Kultur beobachtet. Ich weiß noch, wie spannend ich die kleinen bunt-gestrichenen Häuser und die laute Musik in den Bussen, wie bewundernswert die Herzlichkeit und Entspanntheit der Panameños, wie lecker das Essen war.

Bald fallen einem dann aber vor allem die Unterschiede auf, die man negativ findet. Der ganze Müll und das viele Fernsehen zum Bespiel. Und die Herzlichkeit wirkt vielleicht irgendwann oberflächlich, die Enspanntheit träge und faul. Und beim Essen ist mir irgendwann vor nur noch aufgefallen, wie ungesund es oft ist. Man beginnt Werte und Traditionen der fremden Kultur in Frage zu stellen und zu kritisieren. 

Das wirklich Anstrengende ist allerdings dass man irgendwann nicht mehr durchsieht. Die ganzen neuen Regeln verwirren einen, man kann die Verhaltensweisen der anderen nicht einschätzen und weiß nicht, wie man sich selber verhalten soll. Dauernd tritt man in Fettnäpchen und macht Fehler, ohne zu verstehen warum das jetzt falsch war. Dadurch fühlt man sich sehr unsicher, gestresst und einsam. Oft kommen noch Sprachschwierigkeiten dazu. Es entstehen Missverständnisse und es ist schwieriger Freundschaften zu schließen. Man weiß nicht, ob das Verhalten einer Person typisch für die Kultur ist, oder speziell zu dem Charakter der Person gehört. Man weiß nicht, was man nachmachen soll und was lieber nicht. Meine Gastschwester zum Beispiel duzt fast alle Leute und am Anfang habe ich ihr das nachgemacht, bis mir aufgefallen ist, dass das eine Eigenheit von ihr ist und nicht zu mir passt.

Muster, die in der eigenen Kultur logisch waren, funktionieren in der neuen Kultur plötzlich nicht mehr. Aus beobachtetem Verhalten zieht man falsche Schlussfolgerungen. Zum Beispiel sollte man nicht daraus, dass man sich gegenseitig Spitznamen gibt, sich zu zehnt ins Auto quetscht, seine Hose schon vor dem Bad aufmacht und sich über seine Tage unterhält, folgern, dass die Beziehung eng genug ist, um sich bei einer kleinen Wasserschlacht etwas nass zu spritzen (eigene Erfahrung!). Oder wieso kann man dem anderen ins Gesicht sagen, dass er dick ist, aber in anderen Situationen muss man sich umständlich indirekt ausdrücken? 

Irgendwann beginnt man, die neuen Handlungsweisen nach und nach zu verstehen und sich sicherer zu fühlen. Nach einiger Zeit kann man sich etwas anpassen und es gefallen einem vielleicht einige neue Verhaltensweisen sogar besser als die der eigenen Kultur und man übernimmt sie. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl, wie ich finde.

Einem wird klar, wie verschieden die Welt in ihren verschiedenen Teilen ist, wie unterschiedlich Kulturen sein können. Alte Sichtweisen werden auf den Kopf gestellt, man lernt, noch so absurd erscheinende Sichtweisen ernst zu nehmen, sie zu akzeptieren, irgendwann zu verstehen und zu übernehmen. Ich finde z.B. rosa mit Glitzer inzwischen nicht mehr schrecklich; und ein Haus brauch nicht unbedingt eine Haustür und Fensterscheiben, da ist vielleicht schöner, das Geld stattdessen für ab und zu mal essen gehen auszugeben. Man muss wirklich an alles mit 0% Vorurteilen und Erwartungen rangehen und offen für alles sein.

Auch wenn dieser Prozess der Anpassung wirklich schwer und hart ist (das ist er wirklich!), bin ich froh, die Herausforderung angenommen zu haben. Zugegebenermaßen wusste ich vor Beginn des FSJ noch nicht, wie groß die Herausforderung tatsächlich ist, aber ich denke ich bin auf dem besten Wege, sie zu bestehen. Umso schöner ist es nämlich,  wenn man sich dann eingefunden hat und die Leute so unvoreingenommen kennen- und lieben gelernt hat.


¡Vorsicht Fettnäpfchen! - Höflichkeit in Panama

Wenn man in einer anderen Kultur ankommt, gibt es oft auch andere Regeln was Höflichkeit und Respekt angeht. Und man braucht lange, um diese Regeln zu verstehen, oder um sie überhaupt mitzubekommen. Ständig passieren einem Fehler, oft auch ohne dass man es merkt. Oder andersrum, man fühlt sich unhöflich behandelt, dabei ist das Verhalten vielleicht ganz normal in der fremden Kultur.

In Panama spielt Respekt eine sehr wichtige Rolle. Das merkt man auch schon allein in der Sprache, statt "Höflichkeit" sagt man eigentlich immer "Respekt" und statt "unhöflich" sagt man  "Respektlosigkeit". Will man höflich sein, behandelt man einen mit viel Respekt. Besonders älteren Leuten sollte man viel Respekt zeigen.


¿Tú o Usted? - Duzen oder Siezen?


Stark damit hängt auch das Duzen und Siezen zusammen. Je nach dem, wie sehr man den anderen als Respektperson sieht, duzt oder siezt man ihn. Das bedeutet keinesfalls, dass man Leute, die man duzt, nicht respektiert, mit denen fühlt man sich nur mehr auf einer Ebene. Und Leute, die man siezt, sind nicht unbedingt fremde Leute, das kann auch die eigene Mutter oder der Ehemann sein. Es hat wenig damit zu tun, wie gut man sein Gegenüber kennt, wirklich eher mit der Stellung der jeweiligen Person. Während es uns Deutschen unpersönlich vorkommen mag, seine eigene Großmutter zu siezen, ist das hier mehr oder weniger ein Muss. Alte Leute werden so gut wie immer gesiezt, sie sind große Respektpersonen, genauso wie Personen, die beruflich eine hohe Stellung haben. Ich sieze meine Gasteltern und alle Gasttanten und -onkels, die über 40 sind. Dafür duze ich, wie alle, den Verkäufer im Chino (Mini-Super). Fast alle spricht man mit seinem Vornamen (oder Spitznamen) an, aber heißt das nicht unbedingt, dass man mit allen vertraut genug für DU ist. Siezt man sein Gegenüber, hängt man oft einfach ein "Señor" oder "Señora" vor den Namen. Oft ist es so, dass zwischen zwei Erwachsenen der eine zum anderen Sie sagt, während der andere einen duzt.

Es wird noch komplizierter: Leute, zu denen man eigentlich Du sagt, siezt man in manchen Situationen auch. Besonders Kindern gegenüber wechselt man stark zwischen Du und Sie. Ja, auch Kinder und Babys (und sogar Hunde) werden hier oft gesiezt. Siez-Situationen sind zum Beispiel beim Schimpfen, Erklären von Regeln, sehr direkte Ansprache einer einzelnen Person aus einer Gruppe. Kinder gegenüber will man oft damit zeigen, dass man eine Respektperson ist und erwartet, gesiezt zu werden.



Was sollte man in Panama lieber nicht machen?


Respekt bedeutet auch, dass man dem anderen nicht zu viele Fragen stellt. Fragen kommen oft so an, als würde man sich in Privatangelegenheiten des Anderen einmischen wollen, den Anderen überwachen oder kontrollieren wollen. "Wohin gehst du, wann kommst du wieder, was hast du gemacht, wer war am Telefon, warum hast du das gemacht,..?" Solche Fragen kann man sich vor allem Respektpersonen gegenüber auf keinen Fall erlauben. Wenn der andere will, dass du es weißt, erzählt er es dir auch ohne dass du fragst, wenn nicht, dann nicht. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man nie Fragen stellen darf. Neutrale Dinge wie "Wo ist die Schere, hat der Laden heute offen, gibt es in Panama Mangos, Schneit es in Deutschland?" kann man natürlich trotzdem stellen. An persönlichen Fragen gelten Fragen wie "Wie geht es dir, wie war es in Panama Stadt, schmecken dir Linsen, gefällt dir Panama?" nicht als unhöflich.

Obwohl man hier ständig mit den Händen ist, ist es unmöglich, sich zu viel die Finger abzulecken. Sie bleiben dann halt dreckig, bis man sie sich wäscht oder abtrocknet. 

Wenn man Husten hat, und so husten muss, dass man den Schleim im Hals hört, sollte man dazu unbedingt auf´s Klo gehen und dort den Schleim ausspucken. 

Als Mädchen oder Frau sollte man sich nicht breitbeinig hinsetzen, oder die Beine zu sehr anwinkeln. 

Wenn man angerufen wird und gerade in einer Gruppe zusammen ist (z.B. auf Arbeit), ist es in Deutschland ja üblich, entweder den Anruf abzulehnen, oder zum Telefonieren aus dem Raum zu gehen, um die anderen nicht zu stören. In Panama würde das aber eher so ankommen, als wollte man etwas verbergen und nicht wollen, dass die anderen einem beim Telefonieren zuhören können.

Wenn einem jemand im Weg ist (z.B. wenn man durch eine Tür durch will, oder eine Schublade aufmachen will), sagt man "permiso" (Erlaubnis). Wenn nicht, kommt das unhöflich an.

Wenn man auf eine Frage mit "Nein" antwortet, gehört eine Begründung dazu, wieso "Nein".

Beim Händeschütteln nicht zu fest zudrücken.



Wann sollte man sich nicht wundern, wenn man das Gefühl hat, unhöflich behandelt zu werden?


Da es unhöflich ist, zu viele Fragen zu stellen, sollte man es nicht als Desinteresse deuten, wenn einen nichts gefragt wird und das Gegenüber stattdessen nur von sich selbst erzählt. Kommt man zum Beispiel von einer Reise zurück und es wird höchstens gefragt "Wie war´s?", ist das keineswegs Desinteresse, sondern Respekt. Es wird erwartet, dass man Einzelheiten von sich aus erzählt.

Bitten werden meist wie ein Befehl formuliert. "Bring mir Wasser!" statt "Kannst du mir bitte Wasser bringen?" Bitte und Danke wird oft weggelassen. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern einfach Teil der Sprache oder Kultur.

Wie schon im Eintrag über Essen beschrieben, ist es nicht unhöflich, nicht zusammen zu essen. Und sitzt man doch mal zusammen am Tisch, sollte man sich nicht wundern wenn die anderen anfangen zu Essen, bevor alle etwas auf dem Teller haben. Und man sollte sich auch nicht unhöflich behandelt fühlen, wenn alle aufstehen und einen allein am Tisch zurück lassen, wenn man selbst noch beim Essen ist.

Ist jemand scheinbar mehr in sein Handy interessiert, als in sein Gegenüber, sollte man auch nicht beleidigt sein. Das ist hier (leider) sehr normal und kann auch als Mittel benutzt werden, dass kein gezwungenes Gespräch oder eine peinliche Stille ensteht.

Ähnlich ist es mit dem Fernseher. Wird man zum Beispiel als Gast gefragt, welches Fernsehprogramm man sehen will, kommt einem das als Deutschem so vor, als würde man einfach vor dem Fernseher abgesetzt werden, statt dass man sich mit einem unterhält. Dabei möchte der Gastgeber nur, dass man sich entspannt und wohl, wie zu Hause fühlt.

Kommen Gäste eine Stunde zu spät, ist das nicht unhöflich, sondern normal und z.B. bei Feiern sogar üblich und erwartet.

Es ist relativ normal, dass Leute, die nicht im Haus wohnen, ohne anzuklopfen reinkommen und oft noch nicht mal "Hallo" sagen.

"Du bist aber dick geworden" ist nicht als Beleidigung zu verstehen, sondern als selbstverständliche Ehrlichkeit.

Schlaf wird hier weniger respektiert als in Deutschland, man sollte sich also nicht wundern, wenn sich laut unterhalten wird oder es laute Musik gibt, wenn man schläft oder schlafen will.

Lautes Rülpsen ist nicht unhöflich, soweit  ein "Perdón"  folgt.


Das waren ein paar Regeln, die mir in den 10 Monaten, die ich hier bin, aufgefallen sind. Sicher gibt es noch einiges mehr, was ich hier noch nicht mitbekommen habe und vielleicht die ganze Zeit falsch mache.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Hygiene, Pflege, Krankheit

Es ist das ganze Jahr über schwül-heiß, man schwitzt also viel. Deswegen ist es üblich und selbstverständlich, sich jeden Tag mindestens zwei Mal zu duschen. Auch gerne drei Mal, aber weniger als zweimal gilt als unhygienisch. Statt Duschgel wird übrigens Kernseife benutzt.

Klamotten
Oberteile werden täglich gewechselt. Auch Hosen wechseln viele jeden Tag. Oft hat man sogar an einem Tag mehrere Outfits an.

Haare
Haare sind im Optimalfall glatt und gekämmt. Lockere Frisuren oder Locken passen nicht in das Schönheitsbild der Panameños, ebenso wenig wie kurze Haare bei Mädchen und Frauen oder längere bei Jungs und Männern. Fettige Haare sind nicht so schlimm. Es ist sehr beliebt, sich die Haare zu färben, zu glätten, Strähnen machen zu lassen oder eine langanhaltende Rundum-Behandlung, die die Haare glatt macht. Männer sind eigentlich fast immer rasiert und haben nur selten einen Bart.

Gesicht
hier wurde ich mal
geschminkt
Gilt für Frauen: Schminke wird im Normalfall sehr viel benutzt. Es geht meist nicht darum, unauffällig etwas hervorzuheben, sondern darum, möglichst viel Farbe ins Gesicht zu bringen. Am Anfang habe ich oft nicht geglaubt, dass die Portion Schminke ernst gemeint war, aber inzwischen habe ich mich an die knallroten Lippen und den intensiven Lidschatten gewöhnt. Auch kleine Mädchen werden zu besonderen Anlässen mal geschminkt. Ansonsten werden auch gerne Sachen im Gesicht längerfristig verändert. Augenbrauen zupfen ist ganz normal, aber auch Wimpern pflanzen oder Pigmentierung der Haut unter den Augenbrauen ist nichts Besonderes.


Aktion in Valórate am "Tag der Mädchen"
Die Mädchen wurden frisiert, geschminkt und haben lackierte Nägel bekommen. Und alle mussten rosa tragen.

Häusliche Hygiene
Hängt natürlich ganz schön vom Haushalt ab, oft ist es aber generell dreckiger in den hiesigen Häusern als in Deutschland. Es wird zwar sehr häufig geputzt, aber man geht zum Beispiel auch immer mit Schuhen durchs ganze Haus, wodurch auch alles schneller wieder dreckig wird. Schimmel im Bad, Ameisenstraßen an der Wand, sowie Geckos im Küchenschrank sind ganz normal und manchmal läuft einem die ein oder andere Kakerlake über den Weg. Insgesamt fühlt sich alles sehr wie Camping an, man muss Essensreste zum Beispiel immer gut verpacken und kann nichts offen stehen lassen.

Fitness
Man kann es schon so einfach sagen: Der durchschnittliche Panameño ist dicker als der durchschnittliche Deutsche. Das liegt einerseits natürlich an der ungesünderen Ernährung und andererseits daran, dass Sport weniger beliebt ist. 
Allerdings ist schlank-sein auch nicht unbedingt das Ziel aller Panameños. Zwar wollen die meisten auch nicht dick sein, und wollen ihren Bauchspeck loswerden, aber das lange und dünne Schönheitsideal wie es in Deutschland gilt, herrscht hier auch nicht. Frauen wünscht man sich möglichst kurvig und "mit ein bisschen was dran".

Gesundheit
Das Schreckgespenst der Panameños ist eindeutig der Regen. Wenn man krank ist, ist der Regen dran Schuld und die übliche Reaktion ist, so viel Medizin wie möglich zu nehmen. Antibiotika sind hier ganz normale Mittel, die auch für kleine Erkältungen selbstverständlich verschrieben werden. Außerdem noch jede Menge Tabletten; hingegen Hausmittel wie z.B. Inhalieren, sind nicht besonders beliebt.

Krankheiten
Im Prinzip gibt es hier die gleichen Krankheiten wie in Europa auch, Schnupfen, Grippe, etc. Durchfall ist bei Ausländern etwas häufiger.
In Panama kommen auch ein paar tropische Krankheiten vor (Dengue-Fieber, Gelbfieber, Zika-Virus, sehr selten Malaria). Wirklich mitbekommen habe ich aber bisher nur einen Fall von Dengue-Fieber.

Arzt und Krankenhaus 
Es gibt verschiedene medizinische Einrichtungen, z.B. Kliniken, Krankenhäuser, Gesundheitszentren. Ich war ein Glück noch nie ernsthaft krank in Panama, weswegen mir der Einblick in die verschiedenen Einrichtungen fehlt. Ich glaube, sie unterscheiden sich vor allem darin, wie man versichert ist, wie teuer sie sind und wie lange man warten muss (manchmal bis zu 6 Stunden Wartezeit). Die Standards sind insgesamt niedriger als in Deutschland. Oft muss man auch weit fahren, um zum nächsten Arzt zu kommen, vor allem wenn es sich um eine kompliziertere Krankheit oder Verletzung handelt.



Kleinigkeiten
  • Kontaktlinsen und Kontaktlinsenflüssigkeit kann man auch in Panama finden, es ist allerdings schwieriger als in Deutschland. Sie werden vor allem zur Veränderung der Augenfarbe benutzt.
  • In geschlossene Schuhe streut man sich hier Puder, damit die Füße nicht stinken.
  • An Straßenränden, in Gräben, im Garten und überall ist herumliegender Müll ein normaler Anblick.
  • In Panama findet man in den Läden nur sehr schwer Tampons.
  • Zum Putzen wird fast immer Chlor oder Alkohol verwendet.
  • Das Klopapier wird meist nicht ins Klo, sondern in einen Eimer daneben geworfen.
  • Läuse sind sehr viel stärker verbreitet als in Deutschland und Bettwanzen in Hostels gibt es leider auch ab und zu.


Sonntag, 4. Juni 2017

Lebensstandard und Geldangelegenheiten

Wie leben die Panameños, was ist hier Standard und was Luxus?

Diese Fragen kann man natürlich nicht allgemein beantworten, wie in jedem anderen Land auch, gibt es auch hier Unterschiede der Lebensstandards, des Einkommens und wie gut man damit hinkommt. Aber an ein paar Beispielen, kann man vielleicht ein klareres Bild herstellen.

Je näher man an der Zivilisation lebt, desto höher sind meistens die Standards. Leute, die auf dem Land leben sind oft ärmer, als die aus dem Dorf und diese ärmer als die aus der Stadt.  Am ärmsten sind meist die indigenen Völker, das kann man leider so einfach sagen. Oft gibt es Probleme mit ausreichender Ernährung und für Schulmaterialien oder Medizin reicht es auch oft nicht. In den Comarcas (Verwaltungsgebiet von indigenen Gruppen) gibt es oft weder Strom noch fließend Wasser. Häuser bestehen oft aus zusammengenagelten Brettern, Stoffen und einem Blechdach und Lehmboden.

Der "durchschnittliche" Panameño hat aber meist etwas mehr Geld. Es wird insgesamt viel offener mit Geldangelegenheiten umgegangen, zum Beispiel damit, wie viel man verdient. Meine Kolleginnen verdienen umgerechnet 440 Euro pro Monat - bei ähnlichem Preisniveau wie in Deutschland - und müssen davon noch Versicherung bezahlen. Übrig zum Leben bleibt nicht viel. Für das Nötigste reicht es, aber oft auch nicht für mehr.

Es ist dabei interessant zu sehen, wie Präferenzen gesetzt werden, für was Geld ausgegeben wird. Smartphone und Fernseher hat fast jeder, während aber z.B. das Haus nur halb verputzt ist, ein Blechdach hat und Haustür und Fensterscheiben fehlen, sodass es zu allen Seiten offen stehtReisen und große Familienausflüge sind eindeutig Luxus, ganz viel Geld gibt man dafür aber für Feiern aus. Während in Deutschland Schreib- und Essenstisch zu jeder Wohnung dazugehören, war ich hier schon in Häusern, wo es keinen einzigen Tisch gab, da ist z.B. ein Ventilator oder eine Klimaanlage wichtiger. Statt 10 Minuten zu laufen, bezahlt man lieber den Dollar für das Taxi, aber zum Beispiel für gesundes Essen will man kein extra Geld ausgeben.
Spülmaschinen gibt es kaum und die Waschmaschinen sind oft sehr brutal und bewirken nicht so viel, weswegen viel per Hand gewaschen wird. Was Autos angeht, gibt es viele Schrottkarren, aber auch viele große und teuere Autos.

Die beiden üblichen Währungen sind der US-Dollar und der panamesische Balboa, der vom Wert 1:1 zum US-Dollar ist.

Mit der Visa-Karte (z.B. der DKB) kann man am Bankautomaten für eine Gebühr von ca. 5$ Geld abheben und in größeren Läden kann man sie auch zum bezahlen benutzen.

Jeder kennt das Datum, an dem gezahlt wird und Ausflüge, Speiseplan und Einkäufe werden dementsprechend geplant. Ich habe das Gefühl, am Anfang jeder Zahlungseinheit wird immer ganz viel Geld ausgegeben (z.B. shoppen gehen) und gegen Ende wird es dann knapp und es zählt jeder Viertel-Dollar. So ist es schon einige Male passiert, dass ich Ende des Monats geschickt wurde, um einzelne Scheiben Käse zu kaufen, für mehr hat es gerade nicht gereicht. Oder man hat Probleme, den Bus zur Arbeit zu bezahlen oder das Geld fürs Frühstück aufzutreiben.

Schlange vor der Bank am Zahltag. Alle heben sofort Geld ab, weil sie es sofort brauchen.

Für mich ist so ein Jahr in einem ärmeren Land eine Erfahrung um die ich froh bin, sie zu machen. Für die Leute, die es ihr Leben lang betrifft, ist ein Zustand der ihnen das Leben schwer machen kann. Für mich ist es häufig unverständlich, wie hier Geld ausgegeben und wie gespart wird, hier gehört es zu der Kultur dazu.
Ich finde bewundernswert, wie gerne Panameños schenken und einladen, obwohl sie selbst oft so wenig haben. Auch an fast fremde Leute wird gegeben, wenn man merkt, dass sie es brauchen, oder auch einfach nur um eine Freude zu machen.



Drei kleine Ergänzungen was mir in letzter Zeit in Panama noch aufgefallen ist:


- es gibt ganz viele Tage oder Monate mit einem bestimmten Thema und das wird gerne durch Veranstaltungen und Verkleidungen gefeiert. Außer den typischen Tagen, wie Valentinstag, Muttertag, etc. zum Beispiel: Oktober = Monat des Brustkrebses, Mai = Monat der Schwarzen Ethnie. 22. April = Tag der Erde
- Kaufen bei Straßenhändlern ist viel beliebter und oft auch günstiger
- man bezeichnet sich sehr schnell als Freunde, auch wenn man sich nur durch ein kurzes Gespräch kennt und noch nicht mal den Namen des anderen weiß. 
PS: Schöne Pfingsten euch! Hier in Panama wird Pfingsten nicht groß gefeiert.

Freitag, 26. Mai 2017

Musik und Tanz

Musik

Man hört viel Folklore-Musik aus Panama (Típico) und Reggaeton. Außerdem noch Reggae, Salsa, Bachata, Merengue und manchmal die Charts aus den USA. Fast immer hört man Musik auf Spanisch, selten auch mal Englisch oder einen jamaikanischen Dialekt.

Típico
Kann mit Gesang und ohne Gesang sein, wird oft durch Akkordeon begleitet. Zwischendurch bellen die Sänger gerne mal. Der Típico wird gerne zu Festen, aber auch ganz normal im Alltag, im Radio und überall und immer gehört.

Eine Art des Típicos sind zum Beispiel die Tamboritos. Es gibt eine Vorsängerin und einen Nachsingchor. Außerdem sind immer Trommeln dabei.

Reggeton
Mindestens genauso beliebt wie der Típico ist der Reggaeton, vor allem bei jungen Leuten. Man hört das auch überall und immer und singt und tanzt gerne mit.

Bachata, Salsa, Reggae, Merengue
Ebenso oft gehört, und läuft sehr viel in Bussen.


Englische/Internationalere Musik
Neben der vor allem Lateinamerikanischen Musik wird auch ab und zu ein Englisches Lied gespielt. Das kommt allerdings weniger oft vor, auch weil die Panameños natürlich schwerer mitsingen können. Abgesehen davon gibt es noch einige Lieder mit jamaikanischem Einfluss. Die meiste Musik ist aber tatsächlich auf spanisch.



Hier mal ein Video, mit ein paar Musikeindrücken aus Panama. Wegen der Dateigröße musste ich es teilen und in drei Teilen hochladen.






Falls ihr die Videos auf meinem Blog nicht öffnen könnt, hier ein paar Links:

Típico:
Samy y Sandra Sandoval: "Vete Tu que Yo me Quedo"
Ulpiano Vergara: "Se Acorta mi Existir"
Tamborito: "El Tambor de la Alegría"

Reggaeton:
Luis Fonsi ft. Daddy Yankee: "Despacito"
Shakira ft. Maluma: "Chantaje"
CNCO: "Reggaeton Lento"

Bachata:
Prince Royce: Darte un Beso"
Romeo Santos: "Eres Mía"

Salsa:
Marka Registrada: "Perdóname"

Sonstiges:
Salty: "Tic Toc"
Maná: "Mariposa Traicionera"
Justin Biber: "What do You Mean"

Tanz

Schon ab dem Babyalter lernen die Kinder hier Musik hören und Tanzen. Mein kleiner Gastneffe konnte tatsächlich tanzen, bevor er laufen konnte. Das heißt, er hat angefangen, die Hände im Rhythmus in die Luft zu heben und von der Mama festhalten, zur Musik zu hüpfen. Sobald er dann laufen konnte, hat er angefangen, sich im Kreis zu drehen und mit den Füßen zu stampfen. Jetzt, mit eineinhalb Jahren läuft er zur Musikanlage und drückt auf den Knöpfen herum, damit die Musik angeht und bei jeder kleinsten Musik (einmal sogar in der Kirche als gesungen wurde), fängt er an, auf seine Weise zu tanzen. Natürlich sind nicht alle Panameño-Kinder so begeistert vom Tanzen, aber auf jeden Fall deutlich mehr als in Deutschland. Mit 5 Jahren ist es normal, zu wissen, wie man sich zur Musik bewegen kann. Und auch wenn es sehr verallgemeinert ist, kann es es schon so sagen: Panameños können super gut tanzen.

Zur Típico-Musik tanzt man Típico-Tanz. Klassisch haben Mann und Frau dann jeder seine typische Kleidung an (Blogeintrag zur Kleidung), aber das geht natürlich nicht immer.  Typische Elemente sind z. B. der Zapateo (eine Art Fußstampfen), die Vuelta (Drehung) oder der Peséo ("Spaziergang"). Generell werden beim Típico gerne Hahn und Henne nachgeahmt.

Ansonsten wird noch gern und gut Salsa, Bachata und Merengue getanzt. Viel Hüfte im Einsatz, wie selbstverständlich bewegen sie sich und scheinen irgendwie Gelenke zu haben, die Europäer gar nicht haben. Zu Reggaeton und den ganzen anderen Musikrichtungen weiß man sich auch immer zu bewegen, mit viel Hüfte und wenig Scham.´


Ein Video von meinem tanzendem Gastneffen:




Sonntag, 21. Mai 2017

Erlebnisse der letzten Zeit

Nach vielen Einträgen über Panama-Themen, wird es jetzt mal wieder Zeit, ein bisschen was über meine Erlebnisse und die Geschehen hier zu erzählen.


Arbeit

Seit Anfang März, also gut 2,5 Monaten, hat für die Schulkinder das Schuljahr wieder begonnen und sie bringen fleißig Hausaufgaben mit nach Valórate. Meine Hilfe ist fast ständig gefragt und so bin ich meistens in den Klassenzimmern und helfe bei Hausaufgaben, frage die Kinder ihr Wissen ab und denke mir Übungen zum trainieren aus. Meinen Englischkurs, den ich in den Sommerferien gegeben habe, konnte ich dadurch nicht weiterführen, weil sowohl ich, als auch die Kinder meistens beschäftigt sind. Dafür bin ich aber nach wie vor Erstansprechpartnerin, wenn es um Englischhausaufgaben geht. Und wenn ich mal Zeit und die Kinder keine Hausaufgaben haben, biete ich Basteln für die Kinder an, somit habe ich immer noch meine eigenen Projekte.




Die letzten 1,5 Wochen hatten die 3jährigen Kinder Prüfungen, und ich musste immer alleine auf diejenigen Kinder aufpassen, die gerade nicht dran waren. Wir haben gesungen, getanzt, Gemeinschaftsspiele gespielt und gebastelt.

Auch mit den größeren Kindern arbeite ich immer selbstständiger und öfters alleine und denke mir eigene Projekte aus. Zum Beispiel gab es letztens etwas 
Deutsch-Unterricht für die Erstklässler, es ging um deutsches Essen und wir haben eine Deutschland-Flagge gebastelt.

Hier mal ein paar Bilder verschiedener meiner Bastelprojekte:



Es gefällt mir inzwischen auch ziemlich gut, dass ich so ein bisschen "das Mädchen für alles" bin. Über das bisschen Putzen und Geschirr spülen kann ich hinwegsehen, es ist einfach toll so zwischen den Aufgaben hin- und herspringen zu können. Man arbeitet mit allen zusammen, weiß aus jedem Gebiet etwas und ist somit auch immer Ansprechpartner für Fragen aller Art ("Wo ist der Knoblauch, habt ihr diesen Monat Kaffee gekauft, wie macht sich Schüler X in Mathe, wo gibt es hier Pinsel, wie viele Tassen Reis muss man für alle Kinder machen, was heißt "Traube" auf Englisch?)

Mit meinen Kolleginnen verstehe ich mich nach wie vor super und insgesamt bin ich auch wirklich vollkommen zufrieden mit meiner Arbeit. Damit bin ich übrigens eine ziemliche Ausnahme von den IJFD- und weltwärts-Freiwilligen. Fast alle haben irgendetwas auszusetzen, haben nichts zu tun, kommen sich sinnlos oder ausgenutzt vor oder sind überfordert von zu vielen ungezogenen Kindern. Selbst die anderen Valórate-Freiwilligen aus anderen Städten sind unzufrieden. Ich denke, da habe ich echt riesiges Glück, wie gut meine Kolleginnen mir geholfen haben, mich zu integrieren, ich fühle mich wirklich wohl auf Arbeit und mag die arbeitslosen Wochenenden überhaupt nicht.


Gastfamilie

Mit der Gastfamilie hat es von den Freiwilligen auch kaum einer wirklich leicht. Ich wohne immer noch in meiner ersten Familie, womit ich auch zur Minderheit der Freiwilligen gehöre. Aber leicht war und ist es auch für mich nicht immer. 
Was die Konstellation hier im Haus angeht, hat sich seit Beginn meines Panama-Jahres ein bisschen was verändert. Mein Gastbruder hat sich im Februar von seiner Frau getrennt und wohnt nun wieder mit im Haus. Meine Gastschwester ist vor 2 Wochen "ausgezogen" um bei ihrer Tante in Chitré zu wohnen, allerdings war das kein wirklich ernst zu nehmender Umzug, am nächsten Tag war sie wieder mit all ihren Sachen hier.
Das zweimal wöchentliche Bingo-Spielen gibt es nach wie vor in meiner Gastfamilie und auch sonst kommen oft allerlei Tanten, Onkels, Cousinen und Neffen zu Besuch, ganz nach panamesischer Art, zum schwätzen in großer Runde auf der Terrasse. 


Freizeit

Was ich tatsächlich seit Anfang des Jahres durchgezogen habe, ist dass ich jeden Abend mit meiner Kollegin Marlenis Sport mache. Seitdem die Regenzeit wieder angefangen hat, gehen wir allerdings nicht mehr auf den Sportplatz, sondern treffen uns zu zweit bei ihr zu Hause und denken uns selber ein Trainingsprogramm aus. Außerdem gehe ich morgens ab und zu 20 Minuten joggen, was mir auch einen gewissen Ruf in Pesé eingehandelt hat. Da sich ja hier im Dorf alle irgendwie kennen, haben auch von mir alle schon mal was gesehen oder gehört. Neben "der Deutschen", "dem Teacher aus Valórate" und "der, die Magalis wohnt" bin ich vor allem als "die, die immer rennt" bekannt. Diesen Ruf konnte ich letztens sogar vertiefen, aber dazu nachher noch mehr...


Wochenend-Beschäftigungen

Dadurch, dass ich mich auf Arbeit im Gegensatz zu zu Hause so wohl fühle und man in Panama Samstag und Sonntag vor allem zum Nichts machen nutzt, mag ich hier die Wochenenden nicht so und langweile mich sehr oft. Wenn die ganze Familie auf der Terrasse schwätzt, habe ich aber auch oft ein schlechtes Gewissen, mich mit dem Computer zum Blog oder Uni-Bewerbung schreiben zurückzuziehen. So bin ich über jede Möglichkeit froh, die sich mir anbietet um aktiv etwas zu machen. Hier mal ein paar Aktionen, die es an den vergangenen Wochenenden so gab:


Festival Nacional De La Caña De Azucar

Pesé ist zweimal im Jahr am Feiern. Einmal im November, wie immer mit Umzugswägen, Tänzern, Polleras und Trompeten. Und einmal im März bzw. April, diesmal aber viel größer, aufwändiger und noch etwas vielfältiger. Gefeiert wird das Zuckerrohr, das rund um Pesé wächst, aus dem der Rum hergestellt wird und was für viel Arbeit sorgt. Es gab eine Königin, die am Anfang der 4 feierlichen Tage gekrönt wurde.
Jeden Abend gab es bis sehr spät Theaterstücke, Stierkämpfe, Tanzveranstaltungen, PH (ähnlich wie Disko im Freien) und natürlich auch Polleras und Umzugswägen und eine Menge Alkohol und Tanz. Ich muss zugeben, dass dieses Fest nicht so mein Ding war und leider nicht zu Verschönerung meines Wochenendes beigetragen hat.
Festival de La Caña de Azucar bei Tag und bei Nacht

Feria Internacional De Azuero

Eine "Feria" ist in Panama wie eine Art Rummel. Es gibt Anlagen wie Riesenräder und Geisterbahnen, Essensstände und es werden überall Pflanzen und Handarbeiten verkauft. Dafür gibt es ein extra Gelände, das im ganzen Jahr leer steht und nur zur Zeit der Feria (meist ca. 2 Wochen lang) genutzt wird. Hier auf der Halbinsel ist die Feria de Azuero, die in La Villa de Los Santos stattfindet, am berühmtesten. Ich war mit ein paar anderen Freiwilligen aus der weltwärts-Gruppe dort und es hat mir ziemlich gut gefallen.

Maratón Hacienda San Isidro

Jedes Jahr veranstaltet der Präsident von Panama in Pesé (seinem Herkunftsort) einen Halbmarathon. Hier kommen auf Grund des hohen Preisgelds (1400 USD) Leute aus allen Ländern hin und laufen 21 Kilometer um die Wette. Außerdem gibt es noch eine kleinere Variante von 5 Kilometern, an der dann mehr Leute aus Panama teilnehmen. Insgesamt waren dieses Jahr 1700 Teilnehmer dabei und auch ich hatte mir auch schon eine ganze Weile vorgenommen, mitzumachen. Und mit Erfolg! Ich bin 2. Platz der Frauen geworden! Ein Preisgeld gab es zwar nicht, aber wenigstens einen Pokal und naja, jetzt bin ich noch ein bisschen bekannter in Pesé und meinen Ruf als die Rennerin werde ich jetzt jedenfalls nicht mehr los :)

Der Präsident höchstpersönlich ist übrigens auch mitgelaufen und ich muss ganz stolz verkünden, dass ich sogar vor und nach dem Lauf jeweils ein kleines Gespräch mit ihm hatte!
Der Präsident, die beiden Freunde, mit denen
 zusammen ich teilgenommen habe und Ich


Geburtstagsfeiern

Kleinere Aktionen, wie spontane Einladungen zu Geburtstagen retten mich hier auch öfters vor ein paar Stunden Langeweile. Geburtstage sind hier zwar auch nie wirklich spannend, aber wenigstens komme ich mal raus. Besonders riesig wird hier der 1. und der 15. Geburtstag gefeiert. Gestern habe ich zum Beispiel bei der Organisation eines ersten Geburtstags mit 200 Gästen mitgeholfen.


Kuchen backen

Ich habe es letztens tatsächlich geschafft, mich mit einer Panameña zu etwas Aktivem zu verabreden, was nicht abgesagt wurde. Meine Kollegin Jacky hatte im Internet ein Erdbeerkuchen-Rezept gefunden und wir haben es sehr erfolgreich nachgebacken :)


Strand

Seit Längerem war ich heute auch endlich mal wieder am Strand! Ein sehr, sehr spontaner und sehr, sehr schöner Ausflug mit meiner Kollegin Marlenis und ihrer Familie.


Deutsches Essen


Letztens habe ich mal deutsch gekocht, für Kollegen und Gastfamilie. Kartoffelklöße mit Gulasch und Rotkraut und außerdem ein Vollkornbrot gebacken. Die Panameños fanden das Essen auf jeden Fall interessant, auch wenn ich mir sicher bin, dass sie ihren Reis bevorzugen.

Mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meinem Gastneffen AM TISCH

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Solche Ereignisse helfen mir, mich durch die ansonsten eher langweiligen Wochenenden zu hangeln. Die Wochenenden, die noch kommen werden immer weniger und ich merke, wie die verbleibende Zeit hier immer schneller vergeht. In 2,5 Monaten fliege ich wieder nach Deutschland zurück. Würde es nach meiner Arbeit und der gemeinsamen Zeit mit meinen Kollegen gehen, sollte das Jahr sehr gerne noch länger sein, da fühle ich mich wohl, da genieße ich, da lebe ich, da werde ich viel vermissen. Dadurch dass das Jahr langsam vorbeizugehen droht, merke ich nämlich, wie schön hier in Panama auch vieles ist, auch wenn ich mich, was Familie und Kultur angeht, auch schon auf einiges in Deutschland freue. Aber die Zeit auf Arbeit und mit meinen Kolleginnen ist wirklich unbezahlbar!

Sonntag, 30. April 2017

Telefon, Internet, Post & Co

Wie funktioniert Kommunikation über Entfernung in Panama? Wie zuverlässig ist die Post, wie üblich ist telefonieren und wo gibt es Internet?

Ich habe ja schon einige Male geschrieben, dass die Panameños sehr an ihren Smartphones hängen. Auch wenn das Geld vielleicht sonst knapp ist, für ein Smartphone reicht es eigentlich fast immer und somit sind Handys die wichtigsten Kommunikationsmittel.


Telefon


Festnetztelefone gibt es nur äußerst selten, stattdessen benutzt man halt immer sein Handy. Fast alle haben hier übrigens Samsung-Handys.
Es gibt 3 Handy-Anbieter "Claro". "Más Movil" und "Movistar". Welcher jetzt davon der günstigste ist, kann ich nicht sagen und das hängt auch von der Gegend und natürlich von der Benutzung ab. Es gibt verschiedene Vorteile, was Gratis-Minuten und Internet angeht, aber damit kenne ich mich sehr wenig aus. Alle aus meiner AFS-Gruppe haben am Anfang eine SIM-Karte von Más Movil bekommen. Bei jedem Aufladen bekommt man einen kleinen Gutschein, wie zum Beispiel Gratis-Minuten. Das Guthaben kann man zum Telefonieren, zum SMS schreiben und auch für Internet benutzen; oder kleine Verträge kaufen.
Zwar weniger üblich als Handys, aber trotzdem manchmal benutzt, sind öffentliche Münztelefone. 


Die drei Handy-Anbieter

öffentliche Telefone


Internet


Mit dem Handy Internet zu benutzen, funktioniert relativ unkompliziert. Wenn man kein WiFi hat, verbraucht man einfach etwas von seinem ganz normalem Guthaben. Entweder man benutzt Prepaid Internet (also jedes Mal wenn man es braucht, bezahlt man) oder man bezahlt für einen bestimmten Zeitraum. 
Allerdings gibt es auch an ganz vielen öffentlichen Plätzen (eigentlich in allen Parks, an allen Busbahnhöfen) kostenloses WiFi. Selbst Pesé ist voller solcher Orte mit Internet, ohne dass man extra ins Internetcafé gehen müsste. Privates WiFi zu Hause ist auch üblich, allerdings haben es nicht alle, sondern vielleicht ungefähr die Hälfte der Haushalte. Wir haben zu Hause zum Glück WiFi, so kann ich auch leichter an meinem Laptop Blogs schreiben. Das Internet muss man monatlich bezahlen und es kommt nicht selten vor, dass es einem geschnitten wird, wenn man vergisst es zu bezahlen, oder gerade kein Geld hat. Genauso ist es übrigens mit dem Fernsehn, das gibt es am Anfang des Monats oft mit Unterbrechungen, weil noch nicht bezahlt wurde.


Empfang


Ob Telefon- oder Internetempfang, nicht überall in Panama ist das gegeben. In sehr kleinen Dörfern gibt es nicht unbedingt Empfang und wenn kein Dorf in der Nähe ist, oder eine Siedlung nur aus 3 Häusern besteht, gibt es sehr oft keinen Empfang. In den Bergen, also zum Beispiel in der Gegend von Santa Fé, ist es nochmal schwieriger und es gibt oft auf großer Fläche gar keinen Empfang, weder für Más Movil, noch für Claro oder Movistar. 


Soziale Netzwerke


WhattsApp hat hier eigentlich jeder und dies ist auch der beliebteste Weise, sich zu verständigen. Ob Chat, Anruf oder Videoanruf, man benutzt WhattsApp.
Auch Facebook, Instagram und Snapchat sind sehr beliebt, allerdings kann man auch Leute finden, die etwas davon nicht benutzen. Auch die anderen der beliebten Sozialen Netzwerke, sind hier bekannt.


Email


Für private Kommunikation werden kaum Emails geschrieben, sondern eher für geschäftliche Zwecke. Valórate schreibt zum Beispiel Emails; aber um sich privat über weite Entfernungen auszutauschen, benutzt man eigentlich nie Emails, sondern immer WhattsApp. Ich kenne von keinem einzigen Panameño die Email-Adresse.




Computer


In Büros sind Computer mit Zubehör (Drucker, Scanner, etc.) schon fast immer vorhanden. In privaten Haushalten gibt es allerdings nicht unbedingt einen Computer. Einige haben einen Laptop zu Hause, aber wirklich nicht alle.



Post


Irgendwie verschicken Panameños privat kaum Päckchen oder Briefe. Und wenn, dann meistens über jemand Bekannten, der zufällig gerade in die Richtung fährt. Man kann auch Busfahrer fragen, ob sie etwas gegen einen bestimmten Betrag mitnehmen und dann am Busbahnhof der Zielstadt in einem extra dafür eingerichteten Büro abgeben können. 

Mit "Express" (so ähnlich wie Post) kann man gut größere Sachen, wie z.B. einen Herd, verschicken, aber auch normale Briefe. Die verschiedenen Valórate-Stellen in Panama lassen sich so z.B. Wandfarbe zukommen.
Die wirkliche Post ist die "Correo" und davon gibt es auch in kleineren Dörfern (wie Pesé) Poststellen. Allerdings wird die Post in Panama längst nicht so sehr genutzt wie in Deutschland. Es gibt zum Beispiel keine Briefkästen (weder öffentliche zum Briefe abgeben, noch private an den Häusern zum empfangen). Will man einen Brief aufgeben, geht man normal zur Post und dort bezahlt man auch direkt.

Adressen (Name, Straße, Hausnummer,...) gibt es keine richtigen, stattdessen werden immer Orientierungspunkte zum Beschreiben genutzt. So wohne ich "in Pesé gegenüber der Bank, im grünen Haus, bei Magalis Lopez". Hier im Dorf ist das noch relativ unkompliziert, weil es nur eine Bank gibt und alle meine Gastmutter kennen, aber in der Stadt kann das alles etwas komplizierter werden. 
Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Post Briefe und Pakete immer nur in den jeweiligen Bezirk zustellt. Pesé hat zum Beispiel ein Postamt und da kommt ALLES an, was an Leute in Pesé gesendet wird. Wenn man mir einen Brief schreiben will, hat man verschieden Möglichkeiten, die Adresse draufzuschreiben:


verschieden genaue Anschriften,
der Brief kommt aber immer an der gleichen Stelle an: im Postamt

Auf dem Postamt muss man seine Post dann abholen. Leider ist es nicht so, dass die Postämter einem mitteilen, wenn für einen Post angekommen ist. Und da das sowieso nicht so oft vorkommt, fragt man auch fast nie nach. So muss man also als Absender dem Empfänger ankündigen, dass man etwas auf den Weg gebracht hat, damit der Empfänger mal auf der Post nachschauen geht. Dort kann es sein, es ist noch nichts angekommen und man muss in den nächsten Tagen wiederkommen und hoffen, dass man diesmal mehr Glück hat. Man kann versuchen, die Handynummer des Empfängers mit auf den Brief zu schreiben, dann kann es sein, dass der Empfänger eine Nachricht bekommt, aber man sollte sich keine zu großen Hoffnungen machen.


Postamt von Pesé
Kaum zu glauben, aber in diesem kleinen Häuschen kommt die Post für ganz Pesé an

Was diese Sache angeht, habe ich mit meinem Wohnort auf dem Dorf mal Glück. Man kennt sich und so können die Postangestellten den jeweiligen Empfängern Bescheid sagen, wenn etwas für sie angekommen ist. Noch dazu arbeitet meine Gasttante in der Post und die kann ich regelmäßig fragen, ohne extra zur Post gehen zu müssen.

Die Zustelldauer und der Preis ist nach meinem Eindruck immer etwas zufällig. Ein normalgroßer Brief innerhalb Panamas dauert theoretisch 8 Tage und kostet ca. 35 cent. Kann aber auch mal viel länger dauern und ich glaube auch nicht, dass es immer 35 cent sind. Das Postamt in Boquete scheint zum Beispiel generell billigere Preise zu haben, als das in Pesé.

Post nach und aus Deutschland dauert mindestens 3 Wochen, nach oben hin gibt es keine Grenze. Das heißt man kann auch oft 3 Monate auf seine Post warten, wenn sie überhaupt ankommt. Im Normalfall kommt Post schon an, aber auch ab und zu auch mal nicht. Alles was ich bisher gesendet und erwartet habe, ist ein Glück angekommen. Nach Deutschland habe ich bisher erfolgreich 2 Postkarten für je 65 cent versendet. Auf dem Postweg empfangen habe ich aus Deutschland allerdings noch nichts. Ich konnte immer jemanden finden, der selbst gerade nach Panama bzw. Deutschland geflogen ist und etwas mitnehmen konnte. 

Also wer mir schreiben will, nur zu, meine Adresse wisst ihr ja jetzt 😉 Ich freue mich riesig über Post und noch mehr natürlich, wenn man sie tatsächlich in der Hand halten kann. Ich bin noch knapp 3 Monate in Pesé, also haltet euch ran 😜