Freitag, 26. Mai 2017

Musik und Tanz

Musik

Man hört viel Folklore-Musik aus Panama (Típico) und Reggaeton. Außerdem noch Reggae, Salsa, Bachata, Merengue und manchmal die Charts aus den USA. Fast immer hört man Musik auf Spanisch, selten auch mal Englisch oder einen jamaikanischen Dialekt.

Típico
Kann mit Gesang und ohne Gesang sein, wird oft durch Akkordeon begleitet. Zwischendurch bellen die Sänger gerne mal. Der Típico wird gerne zu Festen, aber auch ganz normal im Alltag, im Radio und überall und immer gehört.

Eine Art des Típicos sind zum Beispiel die Tamboritos. Es gibt eine Vorsängerin und einen Nachsingchor. Außerdem sind immer Trommeln dabei.

Reggeton
Mindestens genauso beliebt wie der Típico ist der Reggaeton, vor allem bei jungen Leuten. Man hört das auch überall und immer und singt und tanzt gerne mit.

Bachata, Salsa, Reggae, Merengue
Ebenso oft gehört, und läuft sehr viel in Bussen.


Englische/Internationalere Musik
Neben der vor allem Lateinamerikanischen Musik wird auch ab und zu ein Englisches Lied gespielt. Das kommt allerdings weniger oft vor, auch weil die Panameños natürlich schwerer mitsingen können. Abgesehen davon gibt es noch einige Lieder mit jamaikanischem Einfluss. Die meiste Musik ist aber tatsächlich auf spanisch.



Hier mal ein Video, mit ein paar Musikeindrücken aus Panama. Wegen der Dateigröße musste ich es teilen und in drei Teilen hochladen.






Falls ihr die Videos auf meinem Blog nicht öffnen könnt, hier ein paar Links:

Típico:
Samy y Sandra Sandoval: "Vete Tu que Yo me Quedo"
Ulpiano Vergara: "Se Acorta mi Existir"
Tamborito: "El Tambor de la Alegría"

Reggaeton:
Luis Fonsi ft. Daddy Yankee: "Despacito"
Shakira ft. Maluma: "Chantaje"
CNCO: "Reggaeton Lento"

Bachata:
Prince Royce: Darte un Beso"
Romeo Santos: "Eres Mía"

Salsa:
Marka Registrada: "Perdóname"

Sonstiges:
Salty: "Tic Toc"
Maná: "Mariposa Traicionera"
Justin Biber: "What do You Mean"

Tanz

Schon ab dem Babyalter lernen die Kinder hier Musik hören und Tanzen. Mein kleiner Gastneffe konnte tatsächlich tanzen, bevor er laufen konnte. Das heißt, er hat angefangen, die Hände im Rhythmus in die Luft zu heben und von der Mama festhalten, zur Musik zu hüpfen. Sobald er dann laufen konnte, hat er angefangen, sich im Kreis zu drehen und mit den Füßen zu stampfen. Jetzt, mit eineinhalb Jahren läuft er zur Musikanlage und drückt auf den Knöpfen herum, damit die Musik angeht und bei jeder kleinsten Musik (einmal sogar in der Kirche als gesungen wurde), fängt er an, auf seine Weise zu tanzen. Natürlich sind nicht alle Panameño-Kinder so begeistert vom Tanzen, aber auf jeden Fall deutlich mehr als in Deutschland. Mit 5 Jahren ist es normal, zu wissen, wie man sich zur Musik bewegen kann. Und auch wenn es sehr verallgemeinert ist, kann es es schon so sagen: Panameños können super gut tanzen.

Zur Típico-Musik tanzt man Típico-Tanz. Klassisch haben Mann und Frau dann jeder seine typische Kleidung an (Blogeintrag zur Kleidung), aber das geht natürlich nicht immer.  Typische Elemente sind z. B. der Zapateo (eine Art Fußstampfen), die Vuelta (Drehung) oder der Peséo ("Spaziergang"). Generell werden beim Típico gerne Hahn und Henne nachgeahmt.

Ansonsten wird noch gern und gut Salsa, Bachata und Merengue getanzt. Viel Hüfte im Einsatz, wie selbstverständlich bewegen sie sich und scheinen irgendwie Gelenke zu haben, die Europäer gar nicht haben. Zu Reggaeton und den ganzen anderen Musikrichtungen weiß man sich auch immer zu bewegen, mit viel Hüfte und wenig Scham.´


Ein Video von meinem tanzendem Gastneffen:




Sonntag, 21. Mai 2017

Erlebnisse der letzten Zeit

Nach vielen Einträgen über Panama-Themen, wird es jetzt mal wieder Zeit, ein bisschen was über meine Erlebnisse und die Geschehen hier zu erzählen.


Arbeit

Seit Anfang März, also gut 2,5 Monaten, hat für die Schulkinder das Schuljahr wieder begonnen und sie bringen fleißig Hausaufgaben mit nach Valórate. Meine Hilfe ist fast ständig gefragt und so bin ich meistens in den Klassenzimmern und helfe bei Hausaufgaben, frage die Kinder ihr Wissen ab und denke mir Übungen zum trainieren aus. Meinen Englischkurs, den ich in den Sommerferien gegeben habe, konnte ich dadurch nicht weiterführen, weil sowohl ich, als auch die Kinder meistens beschäftigt sind. Dafür bin ich aber nach wie vor Erstansprechpartnerin, wenn es um Englischhausaufgaben geht. Und wenn ich mal Zeit und die Kinder keine Hausaufgaben haben, biete ich Basteln für die Kinder an, somit habe ich immer noch meine eigenen Projekte.




Die letzten 1,5 Wochen hatten die 3jährigen Kinder Prüfungen, und ich musste immer alleine auf diejenigen Kinder aufpassen, die gerade nicht dran waren. Wir haben gesungen, getanzt, Gemeinschaftsspiele gespielt und gebastelt.

Auch mit den größeren Kindern arbeite ich immer selbstständiger und öfters alleine und denke mir eigene Projekte aus. Zum Beispiel gab es letztens etwas 
Deutsch-Unterricht für die Erstklässler, es ging um deutsches Essen und wir haben eine Deutschland-Flagge gebastelt.

Hier mal ein paar Bilder verschiedener meiner Bastelprojekte:



Es gefällt mir inzwischen auch ziemlich gut, dass ich so ein bisschen "das Mädchen für alles" bin. Über das bisschen Putzen und Geschirr spülen kann ich hinwegsehen, es ist einfach toll so zwischen den Aufgaben hin- und herspringen zu können. Man arbeitet mit allen zusammen, weiß aus jedem Gebiet etwas und ist somit auch immer Ansprechpartner für Fragen aller Art ("Wo ist der Knoblauch, habt ihr diesen Monat Kaffee gekauft, wie macht sich Schüler X in Mathe, wo gibt es hier Pinsel, wie viele Tassen Reis muss man für alle Kinder machen, was heißt "Traube" auf Englisch?)

Mit meinen Kolleginnen verstehe ich mich nach wie vor super und insgesamt bin ich auch wirklich vollkommen zufrieden mit meiner Arbeit. Damit bin ich übrigens eine ziemliche Ausnahme von den IJFD- und weltwärts-Freiwilligen. Fast alle haben irgendetwas auszusetzen, haben nichts zu tun, kommen sich sinnlos oder ausgenutzt vor oder sind überfordert von zu vielen ungezogenen Kindern. Selbst die anderen Valórate-Freiwilligen aus anderen Städten sind unzufrieden. Ich denke, da habe ich echt riesiges Glück, wie gut meine Kolleginnen mir geholfen haben, mich zu integrieren, ich fühle mich wirklich wohl auf Arbeit und mag die arbeitslosen Wochenenden überhaupt nicht.


Gastfamilie

Mit der Gastfamilie hat es von den Freiwilligen auch kaum einer wirklich leicht. Ich wohne immer noch in meiner ersten Familie, womit ich auch zur Minderheit der Freiwilligen gehöre. Aber leicht war und ist es auch für mich nicht immer. 
Was die Konstellation hier im Haus angeht, hat sich seit Beginn meines Panama-Jahres ein bisschen was verändert. Mein Gastbruder hat sich im Februar von seiner Frau getrennt und wohnt nun wieder mit im Haus. Meine Gastschwester ist vor 2 Wochen "ausgezogen" um bei ihrer Tante in Chitré zu wohnen, allerdings war das kein wirklich ernst zu nehmender Umzug, am nächsten Tag war sie wieder mit all ihren Sachen hier.
Das zweimal wöchentliche Bingo-Spielen gibt es nach wie vor in meiner Gastfamilie und auch sonst kommen oft allerlei Tanten, Onkels, Cousinen und Neffen zu Besuch, ganz nach panamesischer Art, zum schwätzen in großer Runde auf der Terrasse. 


Freizeit

Was ich tatsächlich seit Anfang des Jahres durchgezogen habe, ist dass ich jeden Abend mit meiner Kollegin Marlenis Sport mache. Seitdem die Regenzeit wieder angefangen hat, gehen wir allerdings nicht mehr auf den Sportplatz, sondern treffen uns zu zweit bei ihr zu Hause und denken uns selber ein Trainingsprogramm aus. Außerdem gehe ich morgens ab und zu 20 Minuten joggen, was mir auch einen gewissen Ruf in Pesé eingehandelt hat. Da sich ja hier im Dorf alle irgendwie kennen, haben auch von mir alle schon mal was gesehen oder gehört. Neben "der Deutschen", "dem Teacher aus Valórate" und "der, die Magalis wohnt" bin ich vor allem als "die, die immer rennt" bekannt. Diesen Ruf konnte ich letztens sogar vertiefen, aber dazu nachher noch mehr...


Wochenend-Beschäftigungen

Dadurch, dass ich mich auf Arbeit im Gegensatz zu zu Hause so wohl fühle und man in Panama Samstag und Sonntag vor allem zum Nichts machen nutzt, mag ich hier die Wochenenden nicht so und langweile mich sehr oft. Wenn die ganze Familie auf der Terrasse schwätzt, habe ich aber auch oft ein schlechtes Gewissen, mich mit dem Computer zum Blog oder Uni-Bewerbung schreiben zurückzuziehen. So bin ich über jede Möglichkeit froh, die sich mir anbietet um aktiv etwas zu machen. Hier mal ein paar Aktionen, die es an den vergangenen Wochenenden so gab:


Festival Nacional De La Caña De Azucar

Pesé ist zweimal im Jahr am Feiern. Einmal im November, wie immer mit Umzugswägen, Tänzern, Polleras und Trompeten. Und einmal im März bzw. April, diesmal aber viel größer, aufwändiger und noch etwas vielfältiger. Gefeiert wird das Zuckerrohr, das rund um Pesé wächst, aus dem der Rum hergestellt wird und was für viel Arbeit sorgt. Es gab eine Königin, die am Anfang der 4 feierlichen Tage gekrönt wurde.
Jeden Abend gab es bis sehr spät Theaterstücke, Stierkämpfe, Tanzveranstaltungen, PH (ähnlich wie Disko im Freien) und natürlich auch Polleras und Umzugswägen und eine Menge Alkohol und Tanz. Ich muss zugeben, dass dieses Fest nicht so mein Ding war und leider nicht zu Verschönerung meines Wochenendes beigetragen hat.
Festival de La Caña de Azucar bei Tag und bei Nacht

Feria Internacional De Azuero

Eine "Feria" ist in Panama wie eine Art Rummel. Es gibt Anlagen wie Riesenräder und Geisterbahnen, Essensstände und es werden überall Pflanzen und Handarbeiten verkauft. Dafür gibt es ein extra Gelände, das im ganzen Jahr leer steht und nur zur Zeit der Feria (meist ca. 2 Wochen lang) genutzt wird. Hier auf der Halbinsel ist die Feria de Azuero, die in La Villa de Los Santos stattfindet, am berühmtesten. Ich war mit ein paar anderen Freiwilligen aus der weltwärts-Gruppe dort und es hat mir ziemlich gut gefallen.

Maratón Hacienda San Isidro

Jedes Jahr veranstaltet der Präsident von Panama in Pesé (seinem Herkunftsort) einen Halbmarathon. Hier kommen auf Grund des hohen Preisgelds (1400 USD) Leute aus allen Ländern hin und laufen 21 Kilometer um die Wette. Außerdem gibt es noch eine kleinere Variante von 5 Kilometern, an der dann mehr Leute aus Panama teilnehmen. Insgesamt waren dieses Jahr 1700 Teilnehmer dabei und auch ich hatte mir auch schon eine ganze Weile vorgenommen, mitzumachen. Und mit Erfolg! Ich bin 2. Platz der Frauen geworden! Ein Preisgeld gab es zwar nicht, aber wenigstens einen Pokal und naja, jetzt bin ich noch ein bisschen bekannter in Pesé und meinen Ruf als die Rennerin werde ich jetzt jedenfalls nicht mehr los :)

Der Präsident höchstpersönlich ist übrigens auch mitgelaufen und ich muss ganz stolz verkünden, dass ich sogar vor und nach dem Lauf jeweils ein kleines Gespräch mit ihm hatte!
Der Präsident, die beiden Freunde, mit denen
 zusammen ich teilgenommen habe und Ich


Geburtstagsfeiern

Kleinere Aktionen, wie spontane Einladungen zu Geburtstagen retten mich hier auch öfters vor ein paar Stunden Langeweile. Geburtstage sind hier zwar auch nie wirklich spannend, aber wenigstens komme ich mal raus. Besonders riesig wird hier der 1. und der 15. Geburtstag gefeiert. Gestern habe ich zum Beispiel bei der Organisation eines ersten Geburtstags mit 200 Gästen mitgeholfen.


Kuchen backen

Ich habe es letztens tatsächlich geschafft, mich mit einer Panameña zu etwas Aktivem zu verabreden, was nicht abgesagt wurde. Meine Kollegin Jacky hatte im Internet ein Erdbeerkuchen-Rezept gefunden und wir haben es sehr erfolgreich nachgebacken :)


Strand

Seit Längerem war ich heute auch endlich mal wieder am Strand! Ein sehr, sehr spontaner und sehr, sehr schöner Ausflug mit meiner Kollegin Marlenis und ihrer Familie.


Deutsches Essen


Letztens habe ich mal deutsch gekocht, für Kollegen und Gastfamilie. Kartoffelklöße mit Gulasch und Rotkraut und außerdem ein Vollkornbrot gebacken. Die Panameños fanden das Essen auf jeden Fall interessant, auch wenn ich mir sicher bin, dass sie ihren Reis bevorzugen.

Mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meinem Gastneffen AM TISCH

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Solche Ereignisse helfen mir, mich durch die ansonsten eher langweiligen Wochenenden zu hangeln. Die Wochenenden, die noch kommen werden immer weniger und ich merke, wie die verbleibende Zeit hier immer schneller vergeht. In 2,5 Monaten fliege ich wieder nach Deutschland zurück. Würde es nach meiner Arbeit und der gemeinsamen Zeit mit meinen Kollegen gehen, sollte das Jahr sehr gerne noch länger sein, da fühle ich mich wohl, da genieße ich, da lebe ich, da werde ich viel vermissen. Dadurch dass das Jahr langsam vorbeizugehen droht, merke ich nämlich, wie schön hier in Panama auch vieles ist, auch wenn ich mich, was Familie und Kultur angeht, auch schon auf einiges in Deutschland freue. Aber die Zeit auf Arbeit und mit meinen Kolleginnen ist wirklich unbezahlbar!

Sonntag, 30. April 2017

Telefon, Internet, Post & Co

Wie funktioniert Kommunikation über Entfernung in Panama? Wie zuverlässig ist die Post, wie üblich ist telefonieren und wo gibt es Internet?

Ich habe ja schon einige Male geschrieben, dass die Panameños sehr an ihren Smartphones hängen. Auch wenn das Geld vielleicht sonst knapp ist, für ein Smartphone reicht es eigentlich fast immer und somit sind Handys die wichtigsten Kommunikationsmittel.


Telefon


Festnetztelefone gibt es nur äußerst selten, stattdessen benutzt man halt immer sein Handy. Fast alle haben hier übrigens Samsung-Handys.
Es gibt 3 Handy-Anbieter "Claro". "Más Movil" und "Movistar". Welcher jetzt davon der günstigste ist, kann ich nicht sagen und das hängt auch von der Gegend und natürlich von der Benutzung ab. Es gibt verschiedene Vorteile, was Gratis-Minuten und Internet angeht, aber damit kenne ich mich sehr wenig aus. Alle aus meiner AFS-Gruppe haben am Anfang eine SIM-Karte von Más Movil bekommen. Bei jedem Aufladen bekommt man einen kleinen Gutschein, wie zum Beispiel Gratis-Minuten. Das Guthaben kann man zum Telefonieren, zum SMS schreiben und auch für Internet benutzen; oder kleine Verträge kaufen.
Zwar weniger üblich als Handys, aber trotzdem manchmal benutzt, sind öffentliche Münztelefone. 


Die drei Handy-Anbieter

öffentliche Telefone


Internet


Mit dem Handy Internet zu benutzen, funktioniert relativ unkompliziert. Wenn man kein WiFi hat, verbraucht man einfach etwas von seinem ganz normalem Guthaben. Entweder man benutzt Prepaid Internet (also jedes Mal wenn man es braucht, bezahlt man) oder man bezahlt für einen bestimmten Zeitraum. 
Allerdings gibt es auch an ganz vielen öffentlichen Plätzen (eigentlich in allen Parks, an allen Busbahnhöfen) kostenloses WiFi. Selbst Pesé ist voller solcher Orte mit Internet, ohne dass man extra ins Internetcafé gehen müsste. Privates WiFi zu Hause ist auch üblich, allerdings haben es nicht alle, sondern vielleicht ungefähr die Hälfte der Haushalte. Wir haben zu Hause zum Glück WiFi, so kann ich auch leichter an meinem Laptop Blogs schreiben. Das Internet muss man monatlich bezahlen und es kommt nicht selten vor, dass es einem geschnitten wird, wenn man vergisst es zu bezahlen, oder gerade kein Geld hat. Genauso ist es übrigens mit dem Fernsehn, das gibt es am Anfang des Monats oft mit Unterbrechungen, weil noch nicht bezahlt wurde.


Empfang


Ob Telefon- oder Internetempfang, nicht überall in Panama ist das gegeben. In sehr kleinen Dörfern gibt es nicht unbedingt Empfang und wenn kein Dorf in der Nähe ist, oder eine Siedlung nur aus 3 Häusern besteht, gibt es sehr oft keinen Empfang. In den Bergen, also zum Beispiel in der Gegend von Santa Fé, ist es nochmal schwieriger und es gibt oft auf großer Fläche gar keinen Empfang, weder für Más Movil, noch für Claro oder Movistar. 


Soziale Netzwerke


WhattsApp hat hier eigentlich jeder und dies ist auch der beliebteste Weise, sich zu verständigen. Ob Chat, Anruf oder Videoanruf, man benutzt WhattsApp.
Auch Facebook, Instagram und Snapchat sind sehr beliebt, allerdings kann man auch Leute finden, die etwas davon nicht benutzen. Auch die anderen der beliebten Sozialen Netzwerke, sind hier bekannt.


Email


Für private Kommunikation werden kaum Emails geschrieben, sondern eher für geschäftliche Zwecke. Valórate schreibt zum Beispiel Emails; aber um sich privat über weite Entfernungen auszutauschen, benutzt man eigentlich nie Emails, sondern immer WhattsApp. Ich kenne von keinem einzigen Panameño die Email-Adresse.




Computer


In Büros sind Computer mit Zubehör (Drucker, Scanner, etc.) schon fast immer vorhanden. In privaten Haushalten gibt es allerdings nicht unbedingt einen Computer. Einige haben einen Laptop zu Hause, aber wirklich nicht alle.



Post


Irgendwie verschicken Panameños privat kaum Päckchen oder Briefe. Und wenn, dann meistens über jemand Bekannten, der zufällig gerade in die Richtung fährt. Man kann auch Busfahrer fragen, ob sie etwas gegen einen bestimmten Betrag mitnehmen und dann am Busbahnhof der Zielstadt in einem extra dafür eingerichteten Büro abgeben können. 

Mit "Express" (so ähnlich wie Post) kann man gut größere Sachen, wie z.B. einen Herd, verschicken, aber auch normale Briefe. Die verschiedenen Valórate-Stellen in Panama lassen sich so z.B. Wandfarbe zukommen.
Die wirkliche Post ist die "Correo" und davon gibt es auch in kleineren Dörfern (wie Pesé) Poststellen. Allerdings wird die Post in Panama längst nicht so sehr genutzt wie in Deutschland. Es gibt zum Beispiel keine Briefkästen (weder öffentliche zum Briefe abgeben, noch private an den Häusern zum empfangen). Will man einen Brief aufgeben, geht man normal zur Post und dort bezahlt man auch direkt.

Adressen (Name, Straße, Hausnummer,...) gibt es keine richtigen, stattdessen werden immer Orientierungspunkte zum Beschreiben genutzt. So wohne ich "in Pesé gegenüber der Bank, im grünen Haus, bei Magalis Lopez". Hier im Dorf ist das noch relativ unkompliziert, weil es nur eine Bank gibt und alle meine Gastmutter kennen, aber in der Stadt kann das alles etwas komplizierter werden. 
Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Post Briefe und Pakete immer nur in den jeweiligen Bezirk zustellt. Pesé hat zum Beispiel ein Postamt und da kommt ALLES an, was an Leute in Pesé gesendet wird. Wenn man mir einen Brief schreiben will, hat man verschieden Möglichkeiten, die Adresse draufzuschreiben:


verschieden genaue Anschriften,
der Brief kommt aber immer an der gleichen Stelle an: im Postamt

Auf dem Postamt muss man seine Post dann abholen. Leider ist es nicht so, dass die Postämter einem mitteilen, wenn für einen Post angekommen ist. Und da das sowieso nicht so oft vorkommt, fragt man auch fast nie nach. So muss man also als Absender dem Empfänger ankündigen, dass man etwas auf den Weg gebracht hat, damit der Empfänger mal auf der Post nachschauen geht. Dort kann es sein, es ist noch nichts angekommen und man muss in den nächsten Tagen wiederkommen und hoffen, dass man diesmal mehr Glück hat. Man kann versuchen, die Handynummer des Empfängers mit auf den Brief zu schreiben, dann kann es sein, dass der Empfänger eine Nachricht bekommt, aber man sollte sich keine zu großen Hoffnungen machen.


Postamt von Pesé
Kaum zu glauben, aber in diesem kleinen Häuschen kommt die Post für ganz Pesé an

Was diese Sache angeht, habe ich mit meinem Wohnort auf dem Dorf mal Glück. Man kennt sich und so können die Postangestellten den jeweiligen Empfängern Bescheid sagen, wenn etwas für sie angekommen ist. Noch dazu arbeitet meine Gasttante in der Post und die kann ich regelmäßig fragen, ohne extra zur Post gehen zu müssen.

Die Zustelldauer und der Preis ist nach meinem Eindruck immer etwas zufällig. Ein normalgroßer Brief innerhalb Panamas dauert theoretisch 8 Tage und kostet ca. 35 cent. Kann aber auch mal viel länger dauern und ich glaube auch nicht, dass es immer 35 cent sind. Das Postamt in Boquete scheint zum Beispiel generell billigere Preise zu haben, als das in Pesé.

Post nach und aus Deutschland dauert mindestens 3 Wochen, nach oben hin gibt es keine Grenze. Das heißt man kann auch oft 3 Monate auf seine Post warten, wenn sie überhaupt ankommt. Im Normalfall kommt Post schon an, aber auch ab und zu auch mal nicht. Alles was ich bisher gesendet und erwartet habe, ist ein Glück angekommen. Nach Deutschland habe ich bisher erfolgreich 2 Postkarten für je 65 cent versendet. Auf dem Postweg empfangen habe ich aus Deutschland allerdings noch nichts. Ich konnte immer jemanden finden, der selbst gerade nach Panama bzw. Deutschland geflogen ist und etwas mitnehmen konnte. 

Also wer mir schreiben will, nur zu, meine Adresse wisst ihr ja jetzt 😉 Ich freue mich riesig über Post und noch mehr natürlich, wenn man sie tatsächlich in der Hand halten kann. Ich bin noch knapp 3 Monate in Pesé, also haltet euch ran 😜

Sonntag, 23. April 2017

Panameños und Deutschland

Deutschland - ein Land, wo die Äpfel an den Bäumen wachsen!
Wissensstand der Panameños über Deutschland, Klischees, Reaktionen auf Weiße, Meinungen und häufigst gestellte Fragen.

Wenn man als Weißer durch Panama (und besonders durch Pesé) läuft, fällt man auf. Mit heller Haut, hellen Haaren und hellen Augen und einfach dem fremden Aussehen, erweckt man natürlich Aufmerksamkeit und gefällt auch vielen. Alle denken automatisch, dass man viel Geld hat. Viele sind interessiert an einem, an dem Heimatsland, der Heimatskultur und man wird immer besonders gastfreundlich und mit positivem Neugier behandelt.

Die meisten Panameños denken beim Anblick eines Weißen sofort, dass man ein "Gringo", also ein US-Amerikaner ist und hauen sofort alle ihre Englischkenntnisse raus. Man gewöhnt sich schnell daran, dass einem "Good Morning", "Hello baby", "You´re beautiful", "I love you" nachgerufen wird. Wenn man sagt, dass man kein Gringo ist, raten die meisten als nächstes Kanadier oder Deutscher. Viele kennen auch irgendwie AFS und alle interessieren sich sehr dafür, was man hier so macht, und interessieren sich auch sehr für Deutschland. Die meisten wissen zwar nicht viel, aber doch irgendetwas über Deutschland.

Ganz viele haben hier
Deutschland-Trikots


Deutschland ist Fußball und Bier


So wie in Deutschland alle von Panama nur Janosch, Briefkastenfirmen, den Panamakanal und höchstens noch den Panamahut kennen, ist in Panama vor allem das Oktoberfest und das deutsche Fußball bekannt. Viele kennen Bayern-München und noch mehr Fußballvereine und ganz viele Spielernamen, mehr als ich kenne. 

Die Städtenamen, die man hier kennt, sind Berlin, München und Frankfurt. Vom Oktoberfest weiß man, dass es nicht nur im Oktober gefeiert wird und dass Bier getrunken wird. Dass Deutschland für Bier bekannt ist, weiß man hier auch.

Ich dachte vorher, dass man hier ganz oft auf Hitler und den Nationalsozialismus angesprochen wird. Tatsächlich habe ich mich hier aber bisher kaum darüber unterhalten, vielleicht 2 bis 3 Mal. Die Leute wollten wissen, ob es in Deutschland immer noch viel Rassismus gibt und einer hat gefragt, ob Hitler noch lebt.

Interessant ist auch, was die Leute über Deutschland NICHT wissen, oder was sie falsch wissen. Die meisten wissen zwar, dass Deutschland in Europa liegt, dann allerdings Europa, geschweige denn Deutschland auf der Karte zu finden, ist für viele unschaffbar. Viele denken, dass Deutschland in der Nähe von Mexiko ist, oder sind überrascht, dass man da nicht mit dem Auto hinfahren kann. Mir wurden auch schon interessante Geschichten von vor Kälte erstarrten Rehen im deutschen Winter erzählt.


Deutsche Produkte in Panama

Es gibt hier einige deutsche Produkte, wie Brezeln, Heinz-Ketchup und Milka-Schokolade, aber von den meisten Produkten wissen die Panameños gar nicht, dass sie aus Deutschland kommen. Ebenso ist es zum Beispiel mit den Märchen der Gebrüder Grimm, mit dem Volkswagen oder dem Kindergarten der "Kinder" genannt wird. 

Einblicke ins Supermarkt-Regal


Großes Interesse am fernen Deutschland

Das Interesse an Deutschland kann man natürlich an der großen Menge von Fragen erkennen. Hier kommen mal ein paar Beispiele der häufigst gestellten Fragen, aber es werden noch viel mehr Fragen gestellt. Ein normales Gespräch mit einer Person, die man zum ersten Mal trifft, enthält aber fast immer folgende Fragen:

Häufigst gestellte Fragen:

  • Ist es in deinem Land kalt? Gibt es in deinem Land Schnee?
  • Was für Essen isst man in deinem Land?
  • Was für Früchte wachsen in Deutschland?
  • Wie tanzt man in deinem Land? Wie ist die typische Musik?
  • Gefällt dir Panama? Wie lange bist du schon hier?
  • Was heißt "Ich habe Hunger" auf deutsch? Was heißt "Ich liebe dich"?
  • Wie lange fliegt man bis nach Deutschland?
  • In welchem Teil von Deutschland wohnst du?
  • Gibt es in deinem Land schöne Strände?
  • Hast du schon mal einen Schneeengel gemacht?

Ganz große Augen und Ohren machen die Panemeños immer, wenn man vom Klima in Deutschland erzählt. Sie wollen wissen, welche Jahreszeit nach dem Frühling kommt, und wie der Herbst so ist. Wenn sie hören, dass es Apfelbäume, Birnbäume und Trauben gibt, wo man "einfach so vom Baum die Frucht pflücken kann", werden sie ganz sehnsüchtig; es ist genauso wie für Deutsche mit Mangos, Orangen und Kokosnüssen. Kälte ist für viele, die ihr ganzes Leben in Panama waren, unvorstellbar. Ich wurde schon gefragt, ob es im Winter, wenn Schnee liegt, so kalt ist wie die Klimaanlage im Kino, oder noch schlimmer, wie die Klimaanlage im Nachtbus (Nachtbusse haben die Klimaanlage ca. auf 16°C).


Deutschland ist ganz schön anders

Panama lebt ja, wie man vielleicht durch meine bisherigen Blogeinträge schon gemerkt hat, sehr seine Traditionen und Folklore aus. Dadurch nehmen sie an, dass das in Deutschland ähnlich ist, es die typischen Gerichte gibt, die man immer isst, die typische Kleidung, die man ab und zu trägt, die typische Musik, die man gerne und oft hört. Es ist meist schwer zu erklären, dass man öfters die italienischen Spaghetti isst, als Bratwurst mit Sauerkraut und dass ich nie ganz genau sagen kann, was die typische Musik von Deutschland ist.
Man ist sich aber meist bewusst, dass in Europa der Lebensstil etwas liberaler ist, Rauchen z.B. normaler ist, Lesben und Schwule mehr anerkannt sind und es nicht so schlimm ist, viel in kurzen Hosen herumzulaufen.

Genauso wie mit Äpfeln, passiert es öfter, dass den Panameños etwas als besonders auffällt, das für uns ganz alltäglich ist. Wenn man ihnen zum Beispiel ein Foto von jemandem zeigt, fällt ihnen irgendein Detail im Hintergrund auf. Zum Beispiel: 

  • Brunnen: "Boah, ist das ein echter Brunnen? Ist da auch Wasser drin? Ich habe noch nie einen echten Brunnen gesehen."
  • Osterglocke: "Solche Blumen wachsen einfach so in eurem Garten?"
  • Fotos aus der Sächsischen Schweiz: "Das sieht so toll aus, ich will da unbedingt hin. Die Basteibrücke sieht ja aus wie die chinesische Mauer"
  • Zimmerwand mit Holzverkleidung: "Oh, das sieht gemütlich aus. Sieht aus, wie von früher"
  • Teppich: "Und wird der nicht ganz schnell dreckig?"
  • Heizung: "Was ist denn das Weiße an der Wand?"
  • Kamin: "Oah, und macht ihr da auch manchmal Feuer drin und dann kommt Rauch aus dem Schornstein?"
  • Waldlichtung: "Das sieht ja aus wie bei Narnia im Film!"
  • Straße: "Da müssen ja alle ganz schön reich sein, jedes Haus ist mehrstöckig."
  • Bücherregal: "Sind das alles eure Bücher? Ist ja eine richtige Bibliothek"

Das waren nur ein paar Beispiele von speziellen Personen, heißt jetzt aber natürlich nicht, dass alle Panameños keine Brunnen kennen und nicht wissen was eine Heizung ist. Aber daran merkt man echt, wie unterschiedlich man alles wahrnimmt, je nach dem, wie sehr man an etwas gewöhnt ist. Genauso sind mir hier am Anfang die ganzen Palmen, bunten Häuser und Straßenhunde aufgefallen. 

All dieses große Interesse an Deutschland und die großen Unterschiede zwischen Panama und Deutschland bringen natürlich immer erstmal viel Gesprächsstoff. Das ist sehr schön und mir gefällt die Neugier, die hier alle an Deutschland haben. 
Und es erweckt auch einen Wunsch, ich würde so gerne meinen lieben Kolleginnen Deutschland zeigen: mit ihnen im zweiten Stock wohnen; ihnen Schnee und Kälte zeigen; sie in Jacke, Schal und Mütze sehen; ihnen zeigen, dass große Stadt nicht unbedingt lautes Durcheinander-Hupen bedeutet; mit ihnen zum ersten Mal im Leben Zug fahren, und, und, und!

Dienstag, 18. April 2017

Außergewöhnliche Ostern: Häuser bauen mit TECHO

Nachträglich noch schöne Ostern an alle! Ich hoffe, ihr habt die Tage gensossen und genießt auch den Frühling :)

Ich habe dieses Jahr Ostern mehr oder weniger weggelassen. Und zwar bin ich von Mittwoch bis Montag nach Chepo gefahren, um dort Häuser für arme Familien zu bauen. Das Projekt, an dem ich teilgenommen habe, heißt TECHO (übersetzt "Dach") und ist eine internationale Organisation aus Freiwilligen, die kostenlos Häuser, Sanitäranlagen, etc. für extrem arme Familien baut. 


Hauptsächlich panamesische Studenten und Schüler, die freiwillige Arbeitsstunden abarbeiten müssen, fassen mit an. Ich habe zwar über AFS-Freiwillige von TECHO erfahren, aber die beiden Organisationen sind völlig unabhängig voneinander und meine Teilnahme war auch völlig freiwillig.

Die Konstruktion, an der ich  teilgenommen habe, ging über 4 Tage und fand in Chepo,  ca. 30 km östlich von Panama Stadt entfernt, statt. Wir waren ca. 170 junge Freiwillige und haben in einer schon bestehenden Siedlung von indigenen Menschen insgesamt 21 Häuser dazu gebaut. Vor der Konstruktion hat TECHO sich informiert, welche Familien am dringendsten ein (neues) Dach über dem Kopf brauchen. Die Leute aus der Comunidad für die wir jetzt gebaut haben, hatten alle vorher schon eine Art Haus oder Dach zum wohnen, aber entweder zu kaputt oder zu eng oder undicht und ohne Wände. 

schon bestehende Häuser in der Comunidad (dem Dorf)
Es wurden also 21 Familien ausgewählt und denen jeweils ca. 8 Leute zugeteilt, die zusammen ein neues Haus für sie gebaut haben. Jede Gruppe hat mindestens 2 Leute, die schonmal an einer Konstruktion teilgenommen haben, also über Arbeitsschritte und -ablauf Bescheid wissen. Insgesamt haben übrigens (für mich überraschenderweise) viel mehr Mädchen als Jungs mitgemacht.

In meiner Gruppe waren wir zu siebt und zwischen 17 und 22 Jahre alt. Wir haben für eine Indianerfamilie gebaut, die vorher zu zehnt in einer kleinen Holzhütte gewohnt und auf bloßem Boden geschlafen haben. Zusammen mit den Nachbarn hatten sie einen Wasserhahn und einen Stromanschluss. Sie waren super nett und haben uns immer Frühstück und zu Trinken angeboten. Die Männer haben auch ziemlich viel beim Bauen mitgeholfen. Geredet haben sie aber alle fast gar nicht, dafür umso mehr gelächelt. Ein Teil der zehn Leute sollte am Ende in das fertige Haus einziehen. Es gab von der ganzen Comunidad eine Begrüßungs- und Abschlussveranstaltung und Mittags wurde für uns gekocht.

Tanz zur Begrüßung und Kochen zum Mittagessen


Die vier Arbeitstage liefen wie folgt ab:

1. Tag: Descarga
Materialien (Wandteile, Fenster, Dachteile,...) vom LKW abladen und zum Zielort bringen. Die Plätze, wo die Häuser gebaut werden sollten, waren sehr verteilt und man musste oft ziemlich weit und immer ziemlich schwer schleppen. Mal durch einen Bach hindurch, mal steile Abhänge hoch und runter, mal zwischen Bäumen und Gestrüpp hindurch. Das war mit den oft sehr sperrigen Teilen echt anstrengend und ein ziemlich harter Tag. Man musste auch immer aufpassen, dass das richtige Teil zum richtigen Ort gebracht wird und ein Haus nicht auf einmal 2 Rückwände hat.

beim Abladen vom LKW


2. Tag:  Pflöcke in den Boden stecken
Erst am zweiten Tag haben wir tatsächlich in unserer kleineren Gruppe mit zugeteilter Familie gearbeitet und mit dem wirklichen Bauen angefangen. Nachdem geklärt war, wohin genau und mit welcher Ausrichtung das Haus gebaut werden sollte, haben wir den höchsten Eckpunkt gesucht und den ersten Eckpfosten eingegraben. Ab da wurde eigentlich fast nur noch gemessen. Mit Maßbändern, Wasserwaage, Wasserschläuchen und Schnüren haben wir Entfernungen und Höhen millimetergenau abgemessen und weitere Pfosten eingegraben. Mich hat erstaunt, wie viel man letztendlich mit Messen beschäftigt ist und dass Löcher graben im Vergleich eine Leichtigkeit ist. Wir hatten am Abend nach 8,5 Stunden Arbeit tatsächlich nur 7 Pfosten eingegraben.

Der noch freie Platz für das Haus                         Die Messarbeiten und ersten Pfosten


3. Tag: Boden und Wände
Vormittags waren wir erstmal damit beschäftigt,  die restlichen 8 Pfosten einzugraben. Das ging dann etwas schneller als am Vortag, da die vier Eckpfosten als Orientierung schonmal da waren. Danach die Bodenbalken und Bodenplatten aufgenagelt und begonnen, die verschiedenen Wandteile zusammenzunageln. 



4. Tag: restliche Wände, Dach und Streichen
An diesem Tag war der sichtbare Fortschritt am größten. Wir haben erst die restlichen Wandteile noch zusammengenagelt, sodass das Haus erstmal mehr oder weniger stand. Dann die Dachbalken und die Wellbläche die als Dach gedient haben drauf und Fenster und die Tür einsetzen. Zum Schluss noch anstreichen und schließlich die feierliche Übergabe an die Familie.



Die Häuser haben 4m x 7m gemessen und waren somit natürlich keineswegs luxuriös. Auf jeden Fall waren sie aber besser als die Hütten, in denen die Familien vorher gewohnt hatten, schon allein dadurch, dass sie einen erhöhten Boden statt Lehm als Untergrund hatten. Wände und Boden waren aus Zementfaserplatten und das Dach aus Blech. Ich denke, die Indianer haben sich riesig darüber gefreut, dass sie nun kostenlos ein neues Haus hat und sich so viele Leute freiwillig für sie engagieren und sich für sie interessieren. Allerdings war ich persönlich auch etwas von dem Endergebnis enttäuscht. Unsere Arbeit war ziemlich genau und sauber, aber einige Materialien wurden schon halb kaputt oder schief angeliefert. Natürlich wurde repariert wo es ging, aber am Ende gab es trotzdem noch Mängel (z.B. große Spalten zwischen Fenster und Rahmen). Auch finde ich es nicht so gut, dass wir fast nur genagelt und gar nicht geschraubt haben. Die neuen Häuser waren also zwar deutlich besser als die alten, aber keineswegs qualitativ hochwertig.

Bettenlager in einem der
Klassenzimmer der Grundschule,
wo wir geschlafen haben
Die vier Tage waren richtig anstrengend. Einmal natürlich wegen der harten körperlichen Arbeit, dann weil wir den ganzen Tag in der prallen Sonne gearbeitet haben und uns auch fast keine Pausen gegönnt haben. Geschlafen haben wir in einer Grundschule, von der wir 1 Stunde erstmal zum Bauort laufen mussten. Wenn man so viele Leute ist (und noch dazu fast nur Panameños), ist man ziemlich viel mit Warten beschäftigt, sodass die Tage immer erst frühestens  23 Uhr zu Ende waren und morgens um 5 begonnen. Schlafmangel und auch zu wenig Essen haben alles nochmal besonders anstrengend gemacht. 


Das Bauen und Werkeln selbst, das ganze Messen, Graben, Hämmern, Sägen, Meißeln, Streichen, etc. hat mir aber richtig viel Spaß gemacht. Und es macht auch irgendwie glücklich, wenn am Ende ein Haus da steht, das man wirklich selbst gebaut hat und das noch dazu für jemanden ist, der es wirklich braucht.
Ich fand es auch irgendwie schön, mit so vielen jungen Panameños zusammen zu sein, die sich für praktische Sachen interessieren und wo auch die Mädchen kein Problem haben, sich in den Dreck zu schmeißen und kräftig mit anzupacken.

Für mich war es auch interessant, mit "normalen" Panameños und indigenen Menschen gleichzeitig zusammen zu arbeiten. Normalerweise bin ich immer diejenige, die versucht, sich in die panamesische Kultur einzuleben und anzupassen. Dieses Wochenende bin ich ZUSAMMEN mit Panameños in eine für uns beide fremde Kultur (die der Indigenen) eingetreten. Das war auf jeden Fall ein sehr interessanter Perspektivenwechsel. Insgesamt finde ich auch trotz der Kritik, dass das Häuser-Bauen mit TECHO eine sehr schöne Erfahrung war.


Am Sonntag sehr spät abends sind wir wieder in Panama Stadt angekommen, wo ich noch eine Nacht geschlafen habe. Am Montag habe ich mich mit Hannah und ihren Eltern, die aus Deutschland zu Besuch sind, getroffen. Wir sind ein bisschen durch das Casco Viejo gebummel, ich habe mich riesig gefreut, sie zu sehen und es war ein echt schöner Tag. 

Abends bin ich schließlich wieder nach Pesé gefahren. Da hatte ich die sogenannte "Semana Santa" also die Woche vor Ostern wegen TECHO ziemlich verpasst.
Die Semana Santa ist in Panama eigentlich schon eine wichtige Woche. In Pesé gab es Schauspiele der Leidensgeschichte von Jesus. In den ersten Tagen konnte man bei der sogenannten "vejación" die Nacht über bei einer Jesusfigur sitzen, beten und singen und hat zwischendurch immer wieder Snacks angeboten bekommen. 
Am Gründonnerstag gab es das letzte Abendmahl und zum Karfreitag wurde tatsächlich jemand gekreuzigt. Davon kann ich aber nicht viel berichten, da ich ja selbst nicht dabei war. 

Fotos vom Karfreitag in Pesé, die ich mir geben lassen habe

Osterhasen und Ostereier gibt es in Panama nicht. Ich habe mit den Kindern in Valórate Eier bemalt und aufgehängt, was uns allen glaube ich viel Spaß gemacht hat. 
Meinen Kolleginnen habe ich aus Papier Ostereier mit einem kleinen Gruß und Schokolade drin gebastelt und in ihren Taschen versteckt. Ansonsten habe ich hier (auch dadurch dass ich nicht zu Hause in Pesé war) wirklich gar kein Ostergefühl gehabt.

Kinder beim Ostereier anmalen und dann die aufgehängten Eier

Die Ostereier für meine Kolleginnen

Dienstag, 11. April 2017

Umgang mit Kindern

Ich arbeite ja in Valórate sehr viel mit Kindern zusammen, aber auch in meiner Freizeit, durch Gastfamilie, Kollegen und Bekannte habe ich ständig mit Kindern zu tun.  

Anna mit Kindern


Hier mal ein paar Kleinigkeiten, die mir in Panama beim Umgang mit Kindern aufgefallen sind:
  • Kinder werden hier gerne wie kleine Prinzen und Prinzessinnen behandelt. Kosenamen wie "mein König", "mein Leben", "mein Herz", "meine Liebe", "mein Himmel" oder einfach nur "Mami" oder "Papi" sind sehr gebräuchlich. Wenn eine Gruppe von mehreren Erwachsenen und einem kleinem Kind zu Besuch kommt, wird das Kind ganz großartig begrüßt, jedes einzelne Küsschen wird groß beklatscht und jedes Hände-Einschlagen bestaunt. Die Erwachsenen werden normal begrüßt.
  • Mit Babys wird fast immer in übertrieben wirkender Babystimme geredet.
  • Es ist leider etwas ganz  normales, dass Kinder in der Familie geschlagen werden. Oft sind es zwar keine harten, schmerzvollen Schläge, sondern eher kleine Klapser mit der Hand oder z.B. Schuhen oder Heften. Aber bei größeren Kindern wird auch manchmal härter zugeschlagen, auch mal mit einem Gürtel. Viele meinen, ansonsten würden die Kinder nicht verstehen, wenn sie etwas falsch machen. Wie man allerdings Kindern durch Schläge beibringen will, dass man andere nicht schlägt, verstehe ich nicht. In Valórate werden die Kinder nicht geschlagen.
  • Die schlimmste Strafe in Valórate ist "tiempo fuera", man wird also vor die Tür geschickt. Entweder man muss einfach einige Minuten die Wand anschauen und darüber nachdenken, was man gemacht hat, oder die Psychologin führt ein Gespräch mit dem Kind.
  • Schon ab Babyalter werden Kinder an Fernsehen und Smartphones gewöhnt. Es gibt einen Baby-Kanal im Fernsehen und Handyspiele, mit denen Kleinkinder Zählen, Farben, Tiere, rechts und links, etc. lernen sollen. Einige Kleinkinder haben sogar ihr eigenes Tablet, was dann voller solcher Spiele und Videos ist. Ein 1 jähriges Kind mit Smartphone in der Hand beim Youtube-Video schauen, ist ein Anblick, an den ich mich hier leider schon gewöhnt habe. Manche Kinder wissen schon mit 2 Jahren, wie man das Handy der Mutter entsperrt und zu den Videos kommt. Selbst in Valórate gibt es einen Fernseher, auf dem die Kinder manchmal kleine Musikviedeos schauen. 
  • Gespielt wird meistens mit Platikspielzeug. Beschäftigungen wie malen, kneten, basteln, mit Bauklötzen spielen sind eher Sachen, die in Erziehungseinrichtungen, wie Valórate gemacht werden, zu Hause aber eher selten. Ich habe nur einmal jemanden gesehen, der Kindern aus einem Buch vorgelesen hat.
Kinder auf den Schößen von
Erzieherinnen sind ganz normal
  • Kinder werden von allen abgeknutscht. Ich habe am Anfang nie richtig verstanden, wer das Kind von wem ist, weil alle die Kinder geküsst haben, als wären sie die Mutter. Selbst die Erzieherinnen in Valórate küssen die Kinder (auf dem Mund jetzt nicht). Generell ist man hier sehr körperlich und herzlich zu den Kindern.
  • Mädchen-Jungs-Klischees sind sehr ausgeprägt. Mädchen mögen pink, Jungs mögen blau. Mädchen haben einen rosanen Rucksack mit Disney-Prinzessinnen und pinker Brotdose, Jungs mit Autos und Superhelden. Es gibt in der kleinsten Gruppe in Valórate bei den 38 Kindern tatsächlich keine einzige Ausnahme, was diese Ruckackregel angeht. Mädchen dürfen Lippenstift und Nagellack benutzen, wenn allerdings ein Junge mal mit Knete seine Nägel beklebt, damit es so aussieht wie Nagellack, wird das gar nicht gern gesehen.
  • Ich habe das Gefühl, dass Kinder hier leichter mal angeschrien werden als in Deutschland.
  • Kinder werden auch manchmal gesiezt, als Zeichen von Respekt und wenn man selber von den Kindern mit Sie angesprochen werden will. 
  • Generell wird von Kindern sehr viel Respekt gegenüber Erwachsenen erwartet.
  • Babies trinken wenn dann meistens nur ganz kurz an der Brust der Mutter. Spätestens ab dem 2. Monat wird die Brustmilch meistens ersetzt durch aus Milchpulver und Wasser zubereiteteter Milch, die mit Fläschchen gegeben wird.
  • Sobald die Kinder auch feste Nahrung zu sich nehmen, essen sie mindestens genauso ungesund wie die Erwachsenen. Vesper aus Marshmallows, Chips, Pommes Frites und Cola ist ganz normal.
  • Babies werden bei jedem Mal Windeln wechseln und auch so mal zwischendurch immer geduscht.

Ich persönlich bin natürlich die ganze Zeit am dazulernen, wie man mit Kindern umgeht, wie man eine Kindergruppe möglichst ruhig hält und sie zu etwas motiviert. Es ist super anstrengend und manchmal macht es richtig viel Spaß, manchmal ist man am verzweifeln. Das dazulernen und Erfolge merken ist aber auf jeden Fall toll!

Mein Gastneffe versucht seine Großcousine zu küssen