Samstag, 25. März 2017

Essen - Die Küche Panamas

In Panama wird meiner Meinung nach sehr lecker, aber auch sehr ungesund und mit wenig Abwechslung gegessen. Hauptbestandteil ist meist Reis oder Zubereitungen aus Mais und Kochbananen. Es wird viel frittiert, egal ob Fleisch, Mais, Kartoffeln, Bananen, Reis, etc. und insgesamt wird sehr fettig gegessen.


Typisches Gericht, vor allem für Feste: Reis mit Hühnchen, Tamal, Frikadellen, Kartoffelsalat, Kekse als Nachtisch. Zum Trinken Chicha.
Alles serviert in Wegwerf-Geschirr, was in Panama, speziell zu besonderen Anlässen, sehr beliebt ist.


Frühstück


Ein Frühstück kann sehr verschieden aussehen und hängt natürlich auch sehr von der Familie ab. Manche frühstücken fast gar nicht, trinken oft nur einen Kaffee (oft mit Weißkäse drin). Andere bereiten sich jeden Tag ein kleines Frühstück zu. Hier ein paar typische Frühstücksvarianten.


Tortillitas: frittierte Masse aus gemahlenem Mais in Kreisform, werden oft zusammen mit salchichas (Würstchen) gegessen.





Bollo: Maismasse wird in Zuckerrohrblättern gekocht.
Auf dem Foto ist das Bollo schon aus den Blättern ausgepackt.







Pastellitos: frittierte Maismasse








Empanadas: Frittierte Taschen aus gemahlenem Mais oder Mehl, gefüllt mit Fleisch, Käse oder Gemüse.








Carimañola, Hojaldra und süße Kochbananen
Hojaldras: frittierter Teig aus Mehl, Wasser und Salz

Carimañola: Masse aus Maniok wird mit mit Käse- oder Fleisch gefüllt und frittiert

Beliebt sind außerdem zum Beispiel Pancakes oder Rührei mit Toast.
Süß zu frühstücken ist eigentlich sehr ungewöhnlich, doch isst man manchmal verschiedene Cremas (Haferbrei, Kochbananenbrei, Maisbrei, Reisbrei).



Mittags und abends


Normalerweise wird 2 Mal täglich gekocht, mittags und abends. Eine Mahlzeit besteht in Panama eigentlich fast immer aus Reis mit Fleisch und etwas Gemüse oder Hülsenfrüchten. Manchmal gibt es statt Reis auch Nudeln, fritierte Kochbananen oder Pommes frites. Der Normalfall ist aber wirklich zweimal am Tag Reis.


Typische Gerichte


Arroz con Pollo: Gelber Reis gemischt mit verschiedenem Gemüse (oft Mais, Paprika, Oliven, Erbsen, Zwiebeln, Sellerie) und Hähnchenfleisch. Das ist eins der beliebtesten Gerichte hier und - serviert mit Kartoffelsalat und Frikadellen - auch das typische Essen für Feiern. 




Sancocho: Das Nationalgericht Panamas ist der Sancocho und wird auch sehr oft gekocht. Es ist eine Hühnersuppe mit Yamswurzel, Maniok und Maiskolben und wird mit Reis zusammen gegessen. 









Arroz con menestras y puerco frito: Reis mit Bohnen, Linsen oder Erbsen und fritiertem Schweinefleisch. Statt fritiertem Schweinefleisch isst man auch oft andere Fleischsorten. Diese Kombination esse ich im Regelfall mehr als 4 Mal pro Woche.








Chow Mein: Chinanudeln mit Huhn und Gemüse







Tamales: Sind  eher eine typische Beilage zu Mahlzeiten, vor allem an Weihnachten. Es wird Hühnchen, Mais und anderes Gemüse vermischt, in ein Bananenblatt gewickelt und anschließend gekocht. 




Maccarones: Spaghetti mit Tomatensoße und Würstchen. Oft gibt es auch eine Soße mit Thunfisch.






Zubereitungen aus Kochbananen


Es wird zwischen "Plátanos verdes" (grünen Kochbananen) und "Plátanos maduros" (reifen Kochbananen) unterschieden. Bananen wie man sie in Deutschland kennt, sind nochmal was anderes und heißen "banano", oder "guineo".

Patacones: Frittierte Scheiben grüner Kochbanane. Beim ersten Mal habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich gesehen habe, wie sich die anderen Ketchup auf Bananen getan haben. Aber grüne Kochbananen sind eher herzhaft und Patacones schmecken sehr ähnlich wie Pommes Frites.



Tajadas de Plátanos: Eine reife Kochbanane wird längs in Scheiben geschnitten und diese werden frittiert. Das Ergebnis ist süß und sehr lecker.










Plátano en tentación: Reife Kochbananen werden in einer Flüssigkeit aus Cola oder Limonade, Zimt und Zucker gekocht und mit Butter angebraten.




Snacks

Platanitos
Ceviche: Mix aus rohem Fisch, Zwiebeln und Limonensaft, wird oft mit salzigen Keksen zusammen gegessen.

Chigüi/Cheetos: Snack mit Käsegeschmack in der Form von Erdnussflips.

Platanitos: Chips aus grünen Kochbananen

Chicharónes: frittierte Schweineschwarte

Snack Brezeln: dieser deutsche Snack ist auch in Panama beliebt

ChorizoSpiralwürstchen am Spieß gegrillt
Chorizos

Orejitas: ähnlich zu Schweinsohren

Duro: so ähnlich wie Wassereis in der Tüte

Raspado: Eissplitter mit Fruchtsirup






Süßes


Stand mit panamesischen Süßigkeiten
Panama hat einige nationale Süßigkeiten, die typisch panamesisch oder typisch für Lateinamerika sind. Außer diesen panamesischen Süßigkeiten werden aber auch Bonbons, Schokolade und Kekse genascht. 

Süßigkeiten
Dulce de leche/Manjar
Huevito de leche
Cocada
Cocadita
Raspadura
Suspiro



Kuchen 
Tres leches: Kuchen mit drei Milchsorten gesättigt - leche evaporada (wie Milchmädchen oder Kaffesahne), leche condensada (Kondensmilch), leche de carton (normale Milch)
Flan: im Wasserbad wird eine Masse aus Eiern, Zucker und Milch gestockt
Typischer Geburtstagskuchen: Rührkuchen mit einem sehr zuckerlastigem Topping, wird fast immer mit Eis serviert.


Getränke

Agua de Pipa
Agua: Wasser wird eigentlich immer ohne Sprudel getrunken. Ob man Wasser aus der Leitung trinken kann, ist nicht klar zu sagen. Die meisten Panameños trinken das Leitungswasser und auch ich trinke es immer und hatte noch nie Probleme. In manchen Gegenden sollte man es aber besser vorher abkochen, vor allem wenn man als Deutscher vielleicht noch nicht abgehärtet ist.

Chicha: können eigentlich alle mehr oder weniger selbstgemachten Getränke sein. Von Fruchtshakes über Geschmackspulver-Zubereitungen bis hin zu gemixtem Reis mit Ananas und Wasser. Hauptsache viel Zucker. Chichas werden oft auf Feiern aber auch mal so im Alltag getrunken.

Chicheme: eines der typischen Getränke Panamas ist der Chicheme. Es ist eine Chicha mit Mais und Milch

Soda: als Soda werden alle Softdrinks, also z.B. Cola, Sprite, Gingerale, etc. bezeichnet. Diese Getränke werden hier sehr, sehr oft getrunken.

Kaffee: Hergestellt in Panama und auch sehr gern getrunken in Panama ist der Kaffee.
im Supermarkt in
Panama Stadt:
Verkaufsregal vom in Pesé
hergestellten
Seco Herrerano

Agua de Pipa: Kokoswasser, wird normalerweise direkt mit einem Strohhalm aus der noch unreifen Kokosnuss getrunken

Alkohol: Insgesamt habe ich das Gefühl, dass in Panama weniger Alkohol getrunken wird als in Deutschland, vor allem bei Jugendlichen ist es weniger verbreitet. Aber natürlich wird auch hier ab und zu Alkohol getrunken und es gibt auch panamesische Marken.
Die beliebtesten Panama eigenen Biere sind Atlas, Balboa und Panamá. Über den Geschmack kann ich nichts sagen. Außer Bier wird gerne Sangria, Ron Abuelo oder Seco Herrerano (hergestellt in Pesé) getrunken. 


Sonstiges


  • Milchprodukte sind sehr teuer und werden weniger konsumiert. Es gibt auch nicht alles was man aus Deutschland kennt, ich habe noch nie Quark oder Crème Fraîche gesehen und die Käseauswahl ist auch sehr klein. Schokolade ist sehr teuer und die deutschen Sorten Milka und Rittersport gibt es hier in manchen Läden und sind eindeutig die leckersten Sorten.
  • an frischen Beilagen werden fast ausschließlich Sellerie, Möhren, Tomaten, Paprika, Gurke, Chayote und Zwieblen zum Kochen benutzt.
  • Wurzeln wie Maniok, Yamswurzel, Otoe und Kartoffeln werden außerdem als Gemüse angesehen und viel gegessen.
  • die beliebtesten Gewürze sind Salz, Knoblauch und Culantro
  • Obst wächst in Panama sehr viel und gibt es auch billig zu kaufen, auch Sorten von denen ich bisher noch nie erwas gehört hatte, wie Guanabana (Stachelannone), Guayaba (echte Guave), Níspero (Mispel), außerdem wachsen Mangos, Papayas, Ananass, Bananen, Orangen und, und, und. Dafür dass es so eine große Auswahl gibt, wird Obst allerdings kaum gegessen.
  • Fastfood wird zusätzlich zu den typisch panamesischen Gerichten oft gegessen, vor allem wenn man ausgeht. Bei McDonald essen gehen ist etwas ganz tolles und neben den amerikanischen Fastfoodketten, gibt es sogar die panamesische Kette "Pio Pio".

Für die, die Spanisch können: Der Essensplan von Valórate für März

Essgewohnheiten 


An meinem ersten Abend in Panama wollte ich mich hilfsbereit zeigen und habe gefragt ob ich den Tisch decken kann. Meine Gastschwester wusste gar nicht so richtig, wie ich das meine und inzwischen würde es auch mir absurd vorkommen, hier in unserer Küche Teller, Besteck, Getränke und Töpfe auf den Tisch zu stellen. Es ist inzwischen ein halbes Jahr her, dass ich einen Topf auf einem gedeckten Tisch stehen gesehen habe. Die Gewohnheiten sind hier nämlich sehr anders.

Das Essen bleibt, wenn es fertig gekocht ist, auf dem Herd stehen und jeder kann sich bedienen wann er Hunger hat. Wirklich zusammen gegessen wird nicht oft, weder zeitlich zusammen, noch räumlich zusammen. Gewartet wird nie aufeinander, weder mit dem Anfangen noch mit dem Aufhören; man fängt an sobald man einen Teller hat und steht auf wenn man fertig ist. Zu Hause kommt es auch sehr selten vor, dass man zusammen zum essen am Tisch sitzt, man isst überall im Haus verteilt, einer auf der Couch, manche vor dem Fernseher und andere auf der Terrasse. Auf Arbeit essen wir tatsächlich an einem Tisch, aber auch nicht gleichzeitig. 

Es ist übrigens auch sehr üblich, viel mit den Händen zu essen. Fleisch wird fast immer in die Hand genommen und mit den Fingern in kleinere Stücke gerissen oder direkt abgebissen. An Besteck wird eigentlich immer nur ein Teil benutzt, entweder Löffel oder Gabel. Man hat sozusagen eine Hand für das Besteck und die andere Hand zum mit den Fingern essen.



Bandeja de Frituras (Tablett mit Frittiertem)


Es gibt also doch einige Unterschiede zu Deutschland, was Gerichte und Gewohnheiten angeht. Insgesamt finde ich das Essen hier sehr lecker, aber auch ungesund und wenig abwechslungsreich. Was das gemeinsame Essen angeht, habe ich die deutsche Kultur sehr zu schätzen gelernt, allerdings finde ich es hier ziemlich praktisch, mit den Händen essen zu können.

Wundert euch deswegen nicht, wenn ich nach dem Jahr hier kugelrund und ohne deutsche Essmanieren wieder nach Deutschland zurückkomme!




Sonntag, 12. März 2017

Karneval und noch mehr Reisen

Die letzten 2 Wochen waren bei mir  ziemlich spontan und ganz schön chaotisch, aber doch echt toll.

Angefangen hat alles mit Karneval. Karneval in Lateinamerika hat ja in Europa einen ganz großen Ruf und auch hier in Panama wird seit Januar nur noch von Karneval geredet. In meiner Sportgruppe war die Motivation zum Anstrengen immer "es kommt Karneval, es kommt Karneval", alle wollten bis zum heißersehnten Zeitpunkt einen tollen Körper präsentieren können. Schon in meiner Anfangszeit hier in Panama haben die Leute, nachdem sie gehört haben, dass ich ein ganzes Jahr bleibe, gesagt wie schön das doch wäre, dann bin ich ja auch zu Karneval da. Und den ganzen Februar über war Karneval das Gesprächsthema Nummer 1, Klamotten kaufen für Karneval, Karneval im Radio, Karneval überall. Mit wurde erklärt, dass während der vier Karnevalstage alle verrückt sind, man lernt ganz andere Seiten der Personen kennen und alles ist anders als sonst, alles ist eine einzige "locura" (=Verrücktheit).

In ganz Panama sind die Zentralprovinzen die Gegend, wo Karneval am größten gefeiert wird, also vor allem die Halbinsel Azuero, auf der ich auch wohne. Deshalb ist auch Hannah aus Westpanama für die Tage zu mir nach Pesé gekommen. Da es meiner Gastfamilie zu dieser chaotischen Zeit nicht so recht war, wenn Hannah bei uns schläft, haben wir die Tage bei meiner Kollegin Marlenis in Pesé gewohnt. 

Karnevalskönigin in Las Tablas
Was so richtig an Karneval gemacht wird und was es für Aktionen gibt, hatte ich  nie wirklich verstanden und war nach den  ganzen Ankündigungen schon echt ganz schön gespannt. Ich wusste, dass Wasser, Alkohol und Königinnen und eine ganze Menge Menschen eine Rolle spielen.
Jetzt im Nachhinein, würde ich die 4 Tage als eine Mischung aus Riesen-Wasserschlacht, Riesen-Party und Defilee beschreiben. Tagsüber (ca. 10 bis 17 Uhr) gibt es immer die sogenannten Culecos. Auf dem zentralen Platz der jeweiligen Stadt oder des Dorfes versammeln sich viele Menschen und erfreuen sich an den verschiedenen Attraktionen. Diese sind: Essensstände, Bühnen von denen aus Wasser, Schaum und Werbegeschenke in die Menge geworfen werden, laute Musik und vorbeifahrenden Wägen mit den Karnevalsköniginnen darauf. Es gibt pro Städtchen immer zwei Königinnen, "calle arriba" und "calle abajo", die jeweils Konkurrentinnen sind. Es gibt zwar keinen wirklichen Sieger am Ende, aber man versucht immer schönere und aufwendigere Wägen, Kostüme, Schminke, etc. zu haben als die andere Königin.

Freitag Nacht werden die Königinnen "gekrönt", das heißt die Königin des vergangenen Jahres weiht die neue Königin ein und setzt ihr die Krone auf. Zusammen mit zwei Kolleginnen habe ich mir die Krönungen in Parita und La Villa de Los Santos angeschaut. In Parita war es echt ganz nett, allerdings dachte ich danach, dass wir wieder nach Pesé fahren und habe meine schon den ganzen Tag über störenden Kontaktlinsen weggeworfen. Dann ging es aber noch weiter nach Los Santos, wo ich dann wegen meine großen Sehschwäche fast blind die Nacht verbracht habe, immer an der Hand meiner Kollegin, damit ich sie zwischen den ganzen Menschen nicht verliere. Naja, ein bisschen peinlich und von den Königinnen habe ich so auch nichts gesehen.

Samstag bis Dienstag, die vier Karnevalstage, haben verschiedene Motti, zB. Gala, oder Fantasie oder Typisch (Pollera), zu denen dann die Aufmachung passen muss. Die Wägen fahren also ihre Runde, die Königinnen tanzen, winken und werfen Küsse, und die Wägen mit Trommel- und Blasorchester fahren hinterher. 
Karnevalswagen in Las Tablas




Wenn gerade kein Wagen vorbeifährt, lässt man sich von Wasserschläuchen nassspritzen, tanzt und trinkt. Wenn man es darauf ankommen lässt, landet man völlig durchnässt, eingequetscht zwischen ganz vielen betrunkenen Menschen, die ganz knappe Anziehsachen anhaben und mit dem Popo wackeln und versteht seinen Nebenmann vor lauter Musik nicht. Bis auf das Nassspritzen jetzt alles nicht so mein Ding, aber trotzdem waren wir zweieinhalb Mal auf Culecos. Einmal in Las Tablas, dem größten und verrücktestem Karnevalort Panamas, einmal in La Villa de Los Santos wo es auch relativ bekannt ist, und in dem etwas ruhigeren Ort Parita, allerdings waren dort die Culecos kostenpflichtig und auch schon so gut wie vorbei als wir ankamen.

Culecos in Las Tablas

Am Nachmittag beginnen sich langsam die Straßen mehr oder weniger zu leeren und es wird etwas aufgeräumt.

Hinterlassenes Schlachtfeld in Parita

Gegen Mitternacht sind dann aber wieder alle Menschen draußen und erwarten die Karnevalsköniginnen auf ihren Wägen. Es gibt ein Feuerwerk und gegen 2 oder 3 Uhr morgens gehen alle nach Hause. Hannah und ich waren mit Marlenis zwei Mal in Parita die Königinnen anschauen und einmal in Los Santos, wo sie allerdings spontan nicht herumgezogen sind. Abgesehen davon, dass die Wägen und Kostüme vielleicht noch etwas aufwändiger sind, hat Karneval in der Nacht aber meiner Meinung nach sehr einem typischen Defilee geähnelt.

Karneval bei Nacht

Außerdem gibt es nachts die sogenannten PHs, darüber kann ich allerdings nicht viel berichten, da ich auf keinem war. Alles was ich weiß ist, dass es wohl ähnlich wie eine Disko im Freien ist.

Das Gegenprogramm zum Karneval sind die sogenannten "retiros" (=Rückzug), wie ein Ferienlager für Jugendliche, organisiert durch die Kirche. Man will nicht bei dem Karnevals-Wahn mitmachen und trifft sich zum Spiele spielen, reden und beten. Wir hatten durch die Tochter von Marlenis die Möglichkeit, für 2 Stunden mit zu so einem Retiro zu kommen und haben somit einen kleinen Einblick bekommen. Es wurde gerade Baseball gespielt, wir haben allerdings nur zugeschaut.
Ansonsten waren Hannah und ich mit Lissy (einer anderen Kollegin) und deren Großfamilie zusammen an einem Fluss baden. Vorher war ich schonmal für einen Tag mit der Kollegin dort und es hat mir super gut gefallen, weswegen wir dem Angebot gefolgt sind, über Karneval mal mit dort zu übernachten. Den Tag haben wir mit Volleyball im Fluss spielen, ins Wasser springen und mit interessanten Diskussionen verbracht. Alle waren richtig nett und es war ein toller Tag.

mit Hannah und einem Freund beim
Karneval in Las Tablas
So haben wir eigentlich die beliebtesten Beschäftigungen während Karneval mal ausprobiert: carnevalear, retiro und río - feiern, sich zurückziehen und im Fluss baden. 
Ich finde ein bisschen, dass im Vorhinein etwas übertrieben wurde wenn von Karneval gesprochen wurde. Es war zwar schon eine riesengroße Angelegenheit, aber verglichen mit dem Trara was darum gemacht wurde, auch nicht so krass.

Wir haben viel spontan erlebt und gesehen und ich bin echt froh über meine tollen Kolleginnen, die so gastfreundlich sind und durch die wir so viel herumgekommen sind. Die Zeit mit Hannah bei Marlenis zu wohnen war toll, ganz ohne Fernsehen, stattdessen mit Baseball spielen, Tanzstunden, zusammen kochen und singen und mit ganz viel lachen.






Am Aschermittwoch sind Hannah und ich spontan einen Tag früher als geplant nach Santa Fé aufgebrochen. Das ist ein Dorf in den Bergen nördlich von Santiago und soll von schöner Natur und vielen Wasserfällen umgeben sein. Mehr wussten wir zwar nicht, aber nach 4 Stunden Fahrt und nachdem wir uns ein Hostel rausgesucht hatten, wurden uns schon viele Ausflugs-Empfehlungen gegeben. 

erster Eindruck in Santa Fé: Regenbogen

Unser erster Tagesausflug hat uns erst zu einem Wasserfall und dann in ein indigenes Dorf geführt. Dort gab es außer einer Schule, ein paar Häusern und einem Lehrplakat über die im dortigen Dschungel lebenden Jaguare nicht viel. Wir haben vor allem auf den Bus gewartet, der uns bei drei weiteren Wasserfällen abgesetzt hat. Hier hatten wir das Glück, dass uns ein Indianerjunge durch den Dschungel zu den verschiedenen Wasserfällen geführt hat. Wir waren super beeindruckt wie schön sie waren - da hatten wir allerdings noch nicht die Wasserfälle vom nächsten Tag gesehen.


An diesem Tag sind wir mit dem Bus ein ganzes Stück aus Santa Fe heraus gefahren, zu einem Ort wo laut einer Empfehlung ein toller Wasserfall in 45 Minuten Entfernung liegt. Zu unserer Enttäuschung mussten wir dann aber feststellen, dass angegebe Zeit nicht wie gedacht zu Fuß, sondern mit dem Auto war und sind wieder zurück Richtung Santa Fe gefahren, mit der Bitte an den Busfahrer, uns an einer Stelle rauszulassen, wo er denkt dass es schön ist. Gelandet sind wir an einem Wegweiser zu Wasserfällen, dem wir hoffnungsvoll gefolgt sind. Auf dem Weg trafen wir eine Familie, der wir uns angeschlossen und mit denen zusammen wir eine Tour mit vielen verschiedenen Wasserfällen gemacht haben. Und was für Wasserfälle! Mal in einer Höhle, mal über 15 m hoch, mal mit mehreren Stufen. Es waren tolle Ausblicke und schöne Badestellen dabei. Unser großes Glück war auch die Familie, ohne die wir nie zu den ganzen Wasserfällen gefunden hätten.

Eine kleine Bild-Auswahl der ganzen verschiedenen Wasserfälle

Der nächste Tag begann mit Regen der nicht nach baldigem Ende aussah, weswegen wir Santa Fé verließen, ohne wirklich zu wissen wohin mit uns. Schließlich sind wir nach San Felix gefahren, was meiner Meinung nach, abgesehen von dem großen Teil indigener Bevölkerung, nichts zu bieten hat. Von dort aus sind Hannah und ich wieder jeder nach Hause gefahren und ich am nächsten Tag direkt nach Panama Stadt weiter, um dort mein Visum abzuholen.

Der Aufenthalt in der Migration ist für panamesische Verhältnisse sehr reibungslos verlaufen, alle aus unserer Gruppe hatten an ihren Reisepass gedacht und sich auch noch irgendwie lange Hosen besorgen können. Nach "nur" 6 Stunden warten, waren wir dran und haben 20 Minuten später alle mit Visum die Migration verlassen.

mein Visum
Das erste halbe Jahr waren wir in Panama durch den Regristierungsstempel in unserem Reisepass legal in Panama. Als die 6 Monate abgelaufen waren, waren wir nur halb legal hier, mit dem Nachweis dass die Visas in Bearbeitung sind. Einige unserer Gruppe wurden in diesem Zeitraum von der Polizei kontrolliert und mit auf das Migrationsamt genommen, weswegen ich jetzt ziemlich froh bin, endlich mein Visum zu haben.


Nach diesem Dienstag in der Migration hatte ich noch bis Sonntag frei, da die angestellten Valórate-Mitarbeiter auf einer Weiterbildung waren. Meine Pläne, diese freie Zeit zu nutzen, haben 3 Mal gewechselt und schließlich habe ich spontan beschlossen, noch etwas in Panama Stadt zu bleiben. Ich habe also mal einen etwas anderen Reisestil ausprobiert. Mit dem Gepäck für einen Tag bin ich 5 Tage in dem Hostel geblieben und habe Ausflüge mit anderen Alleinreisenden gemacht. Im Hostel und an den touristischen Orten trifft man zahllose Backpacker die gerade auf Zentralamerika-Reise sind und zu spontanen Ausflügen gern bereit sind.
So habe ich mir einen Großteil der Sehenswürdigkeiten von Panama Stadt mit internationaler Begleitung angeschaut.


Parque Natural Metropolitano

Parque Natural Metropolitano: Park mitten Panama Stadt mit angelegten Wegen durch den Regenwald und Aussichtspunkt über die Stadt. Mit Glück kann man hier z.B. Faultiere, Affen, Ameisenbären, Agutis, etc. sehen, ich bin allerdings nur mit Schildkröten und Vögeln begegnet.

Reserva Cerro Ancon

Reserva Cerro Ancon: Hügel in der Stadt mit riesiger Panama-Flagge auf der Spitze. Es ist einer der beliebtesten Aussichtspunkte und auch auf dem Weg nach oben kann man mit Glück spannende Tiere sehen (ich hatte leider kein Glück).

Panama Viejo

Panama Viejo: hier haben vor 500 Jahren die Spanier ihre Stadt aufgebaut. Es war Ausgangspunkt für Schiffe und Handelspunkt von Rohstoffen wie Gold. Nachdem Panama Viejo (altes Panama) von Piraten zerstört wurde, baute man 2km entfernt die neue Stadt auf. Von Panama Viejo sind jetzt nur noch Ruinen übrig.


Panamakanal (die Schleusen "Miraflores")

Panamakanal: die wahrscheinlich berühmteste Sehenswürdigkeit Panamas sind die Schleusen des Kanals, die Miraflores. Hier habe ich zugeschaut, wie 3 Schiffe durch die Schleusen fuhren.

auf dem Baumwipfelturm in Gamboa im Soberiana-Nationalpark

Gamboa: 20 Kilometer nördlich von der Hauptstadt, umgeben vom Kanal, dem Gatunsee und Regenwald liegt das Dorf Gamboa. Ich bin mit einer französischen Studentin hingefahren. Das Dorf selbst ist sehr verlassen, wir haben ziemlich lange nach jemandem gesucht, der uns sagen konnte was es überhaupt zu sehen gibt. Schließlich haben wir den Weg des "Oleoducto" gefunden, ein Wanderweg der nach ca. 2 Kilometern am "Panama Rainforest Discovery Center" vorbei führt. Hier gibt es einen Baumwipfelturm, eine Kolibri-Station, Aussichtspunkte und einen schönen Ausblick auf einen Arm des Gatunsees. Dort habe ich auch endlic ein paar Tiere gesehen, neben Kolibris auch einen Ameisenbären und einen Aguti. Es war letztendlich ein sehr lohnenswertes und auch touristisches Ziel, was uns nach der Ratlosigkeit der Leute im Dorf positiv überrascht hat.

Am letzten Abend war ich mit ein paar anderen Leuten aus dem Hostel nochmal auf dem 62. Stock des Hardrock Hotels um den Ausblick über die Großstadt bei Nacht zu genießen. Da ich im Dezember ja schonmal oben war, war es zwar für mich nichts neues, aber es hat riesig Spaß gemacht, mit jungen Leuten von der ganzen Welt unterwegs zu sein. 

Zwei andere bekannte Sehenswürdigkeiten - das Casco Viejo und die Cinta Costera - hatte ich ebenso schon im Dezember gesehen und deswegen diesmal weggelassen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Touristen Programm was ich in der Hauptstadt gemacht habe und habe Bekanntschaft mit Leuten aus Frankreich, Grönland, Spanien, Chile, Kolumbien, Spanien, Finnland, Israel, USA, Kanada, Niederlanden, Argentinien und mit anderen Deutschen gemacht. Mit einem großen Sprachknoten im Kopf bin ich  Samstag wieder nach Pesé gefahren.




Neue Auffälligkeiten

Es ist unhöflich oder respektlos, anderen (vor allem Älteren) zu viele Fragen über ihr Verhalten zu stellen
zum Beispiel: 
- Wohin gehst du?
- Wem hast du grade "Hallo" gesagt?
- Wer war das grade am Telefon?
- Was hast du heute vormittag gemacht?
- Wann kommst du wieder?
Solche Fragen gelten als Angriff auf Privatangelegenheiten und sollte man deshalb vermeiden.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Aufstieg auf den Volcán Baru

Die Nacht, die mein Jahr hier in Panama in erste Hälfte und zweite Hälfte teilt,  habe ich an einem ganz besonderen Ort verbracht: In einem Zelt am höchsten und kältesten Punkt Panamas und gleichzeitig dem einzigen Ort Amerikas, von dem aus man beide Ozeane sehen kann - dem Vulkan Baru.

Diese Kurzreise war relativ spontan. Erst am Dienstag stand fest, dass ich mich am Freitag auf nach Chiriqui machen würde. Zusammen mit Laila, Lotta und Antonia, ebenfalls AFS-Freiwillige, habe ich eine geführte Tour auf den Vulkan gebucht. Ursprünglich hatten wir überlegt, statt mit einem Tourguide, mit einem Bekannten, der den Weg kennt, den Vulkan hochzulaufen. Da aber von dem keine Rückmeldung mehr kam und es einige Gerüchte über zwei Holländerinnen gibt, die sich im Nationalpark Baru verirrt haben und von wilden Tieren gefressen wurden, haben wir dann also die Tour mit Guide gemacht. Der Weg war aber meistens relativ eindeutig  (einfach dem Müll folgen) und unser Guide war auch nicht besonders professionel oder gut in Form. Ansonsten war die Tour aber sehr gut und billig.

Geschlafen haben wir erstmal in dem Dorf Volcán in einem unbedingt empfehlenswerten Hostel "La petite maison". Für den Luxus den es dort gab, ist es wirklich billig. Wir wurden gleich am Abend auch schon mit  Zelten, Isomatten, Schlafsäcken, Taschenlampen und Wanderstöcken für den nächsten Tag ausgestattet. Dies alles, zusätzlich vielen dicken Klamotten und Essen und Trinken für 2 Tage, hat natürlich sein Gewicht und beim Probe-Aufsetzen der Rucksäcke waren wir schon erstmal ziemlich erschrocken. Da wir auch sehr viele Erfahrungsberichte über die Kälte, den steilen und anstrengenden Weg und die dünne Höhenluft gehört hatten, sind wir ziemlich aufgeregt und mit viel Respekt vor dem nächsten Tag ins Bett gegangen.

meine Ration Essen und Trinken

Morgens um 7 wurden wir dann zum Eingang in den Nationalpark des Volcán Baru gebracht, wo 7.30 Uhr unser Aufstieg begann.

startklar!

Der Volcán Baru ist ein inaktiver Vulkan, der ca. 500 n.Chr. das letzte Mal ausgebrochen ist. Seine Spitze auf 3478 Metern über dem Meeresspiegel ist die höchste Panamas. 
Um dort hinzugelangen, gibt es zwei Wege. Einen von Volcán aus und einen anderen von Boquete aus, der allerdings weniger schön sein soll und den man auch mit dem Jeep hochfahren kann. Wir sind den längeren und schöneren Weg von Volcán aus hochgelaufen. Die Strecke wird als eine der extremsten Wanderungen Panamas ausgegeben und dauert zwischen 7 und 12 Stunden. Auf 16.5 km Wanderstrecke gewinnt man 1578m an Höhe. Es geht die ganze Zeit entweder steil hoch oder steil runter, den Weg muss man größtenteils eher klettern, statt gehen. Dies ist mit schweren Rucksäcken und bei immer dünner werdender Luft nicht unbedingt eine Leichtigkeit.


auf dem Weg nach oben

immer wieder kurze Pausen zwischendurch

das Ziel kommt näher...

angekommen
Von Höhenkrankeit verschont und sehr stolz auf uns, sind wir nach 9 Stunden endlich oben angekommen. Unser Guide, der uns am Anfang noch wegen unserer großen Rucksäcke ausgelacht hatte, begann oben mit seinen dünnen Anziehsachen ziemlich zu frieren und hatte außerdem seinen Wasserkanister verloren und benutzte fleißig unsere Sonnenchreme, Wasser und Essen. Die Spitze des Vulkanes habe ich mir ehrlich gesagt ein bisschen schöner vorgestellt, überall waren Strom- und Sendemasten und gezeltet haben wir an der Rückwand von einem Lagerhaus mit Ventilatorenlärm. Außerdem gab es auch ganz viele Menschen dort oben, was ich nach dem leeren Wanderweg nicht erwartet hätte. Viele sind aber von der anderen Seite aus hochgelaufen oder sogar gefahren und haben dann zahllose Selfies am Gipfelkreuz des höchsten Berges Panamas gemacht. Tagsüber sind oben immer ca. 10°C, nachts sinkt es auf 1°C bis 4 °C. Dementsprechend trifft man oben auf viele Panameños, die sich extra Handschuhe, Schal und Mütze gekauft haben und diese auf den Fotos präsentieren wollen. Naja, tatsächlich war es ziemlich kalt dort oben und ein Glück hatten wir gute Schlafsäcke, sodass wir die Nacht ohne Frieren überstanden haben.



Noch im Dunklen sind wir wieder aufgestanden, um vom Gipfelkreuz aus den Sonnenaufgang anzuschauen. Morgens hat man die klarste Sicht auf die Landschaft und Atlantik und Pazifik. Sonst ist es immer sehr wolkig und nebelig und man sieht nicht sehr viel. Der Sonnenaufgang war toll und auch der Blick auf den Pazifik, aber leider sind nicht alle Wolken verschwunden, sodass wir den Atlantik nur erahnen konnten.



Müll
Nach dem Frühstück haben wir dann die Zelte abgebaut und unser Guide war inzwischen auch aufgestanden, und wir haben uns mit deutlich leichterem Gepäck auf den Rückweg gemacht. Den steilen Weg zurück, erst über Geröllfelder und dann durch den Dschungel sind wir  wieder nach unten geklettert. Die Natur ist echt sehr schön, vor allem die Pflanzen. Tiere haben wir leider keine besonderen gesehen (angeblich gibt es einige Raubkatzen) und einen kleinen Dämpfer hat die Schönheit auch durch den ganzen herumliegenden Müll bekommen. Nach 6 Stunden und mit schmerzenden  Knien waren wir schließlich unten. 



Super Team: Antonia, Laila, ich und Lotta
Die beiden Tage waren echt anstrengend,  aber gleichzeitig einfach so toll. Der Wanderweg und die Natur waren wunderschön und wir hatten die ganze Zeit gute Laune und haben immer wieder gesungen und gelacht. Und dann noch der Sonnenaufgang und die Aussicht auf dem Gipfel und das leckere mitgebrachte Essen! Alles echt zwei wirklich schöne Tage.

Zurück im Hostel haben wir uns entschieden, noch eine Nacht länger zu bleiben. Das Hostel war so toll, der Weg nach Chiriqui ist immer so weit und wir waren froh über einen zusätzlichen Tag zum Umgebung anschauen und auch zum Ausruhen. Außerdem war ein Teil unserer Sachen noch in einem Auto der Tour unterwegs, sodass wir sowieso noch warten wollten. Wir haben also spontan auf Arbeit und in den Gastfamilien um einen Tag Verlängerung gebeten und bekommen.

Trotz starkem Muskelkater, haben wir uns  am nächsten Morgen auf nach Cerro Punta gemacht, ein Gebiet in den Bergen, bekannt für seine Erdbeeren. Von denen haben wir auch einige gekauft und als Eis genossen. Dann noch stöhnend auf einen Aussichtspunkt hochgekraxelt und uns auf die Suche nach Wasserfällen gemacht, die wir allerdings nicht gefunden haben. Abends haben wir uns endlich ausgeruht und am Dienstag bin ich wieder nach Pesé gefahren, mit vielen Erdbeeren als Mitbringsel im Gepäck.

Man beachte: Felder im Hintergrund sind in Panama etwas Besonderes. Sowas sieht man vor allem in der kälteren Provinz Chiriqui, zum Beispiel in Cerro Punto.


Daran,  dass ich schon die Hälfte meines Auslandsjahres ausrechnen konnte, kann man erkennen, dass ich inzwischen mein Rückflugdatum kenne. Ich habe mein Programm hier um einen halben Monat verlängert und fliege nun am 13. August wieder zurück nach Deutschland. Ursprüngliches Rückflugdatum wäre der 24. Juli gewesen, doch da ich noch Besuch aus Deutschland bekomme und noch etwas Zeit zum Reisen und verabschieden haben möchte, habe ich noch den halben Monat zusätzlich dran gehängt.

Die erste Hälfte dieses Jahres verging unglaublich schnell, trotzdem finde ich es lang, noch mal so lange hier zu bleiben. Das ist komisch zu beschreiben. Es gibt so viele so schöne Momente, ist aber gleichzeitig immer so schwierig. Es ist schwer in einer komplett anderen Kultur zu leben und sowohl Sprache, als auch Verhalten oft nicht zu verstehen. Ich merke aber auch dass alles (zwar sehr langsam) immer einfacher wird und ich habe schon so viel erlebt und bin auch bei vielen Sachen stolz auf mich. Ich weiß auch, dass ich einiges an Panama vermissen werde. Und bestimmt lerne ich vieles an Panama erst zu schätzen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Auf jeden Fall freue ich mich auf die zweite Hälfte meines FSJ, genauso freue ich mich aber auch schon wieder auf vieles in Deutschland. 


Es werden in letzter Zeit immer weniger Sachen, die mir so auffallen, aber hier noch ein paar neue Punkte:

- viele Panameños merken sich sehr gut Geburtstage
- in der Werbung sind fast alle Leute weiß
- man macht gerne viele Versprechungen und hält nicht viele davon
- viele Frauen sprechen gerne über ihre Tage

Samstag, 11. Februar 2017

Kleidung in Panama

Typisch panamesische Kleidung

Frau

Ich in Pollera de Gala
Die typische Tracht der panamesischen Frau ist die Pollera und angeblich ist diese das teuerste Nationalgewand der Welt. Eine wirkliche Pollera mitsamt Schmuck kostet um die 250 000 Dollar, es gibt aber auch viel teurere Exemplare.
Es wird zwischen Arbeits-Polleras (Pollera de trabajo) und Ausgeh-Polleras (Pollera de gala) unterschieden. Wie die Namen schon sagen, wurde die Arbeits-Pollera früher zum Arbeiten auf dem Feld und im Haus benutzt, während die Ausgeh-Pollera zu festlichen Anlässen und zum tanzen angezogen wurde. Beide Formen werden heute vor allem zu Desfileen angezogen, zum Tanzen auf und zwischen Umzugswägen. Man zeigt sich sehr, sehr gerne in Pollera und es heißt, eine Frau wäre nie so schön wie wenn sie eine Pollera trägt. 



Ich hatte letzten Samstag das Glück, eine Pollera anziehen zu können. Meine Spanischlehrerin hat das organisiert, durch Freunde die eine Pollera haben. Dadurch ist das auch kostenlos für mich gewesen, ein riesengroßes Glück, da normalerweise allein das Ausleihen umgerechnet ca. 500 Euro kostet. Geschminkt und hergerichtet wurde ich auch von meiner Spanischlehrerin und danach ging es ins Museum von La Villa de los Santos, ein geeigneter Ort für ein Fotoshooting. Es ist schon ein komisches Gefühl, so hergerichtet durch das Dorf zu laufen, in einer Pollera de Gala und dem ganzen Schmuck, alles zusammen ca. 3000 Dollar wert (ich hatte eine der billigeren Varianten an) und wiegen tut der ganze Schmuck auch ziemlich viel. Allerdings ist man es hier auch schon etwas gewöhnt, dass ab und zu Frauen in Pollera herumlaufen.

Frauen in Arbeits-Polleras:
farbiger Rock, einfache Bluse, kein aufwändiger Kopfschmuck, sondern klassischerweise Hut
insgesamt schlichter


Frau in Ausgeh-Pollera: weißer Rock mit farbigem Muster, Bluse mit Spitze, Schleifen, viele Ketten, Kopfschmuck ("Tembleques" und "Peinetas")
Tembleques, Peinetas, Ketten bevor sie mir angelegt wurden.
Jedes einzelne Teil hat seinen Namen und seine Bedeutung.
Dazu gehört, wie man auf den Fotos wahrscheinlich schon gemerkt hat, immer jede Menge Schminke.


Mann

Traditionell trägt ein Panameño ein weißes Hemd zu Hosen. Das Hemd hat klassischerweise bunte Knöpe und zwei vertikale Säume, die auch oft bunt betickt sind. An den Füßen trägt man Cutarras, Ledersandalen, die auch von Frauen getragen werden und auf dem Kopf den panamesischen Hut. Achtung, es gibt einen Unterschied zwischen dem berühmten Panamahut, der in der ganzen Welt bekannt ist, und dem panamesischen Hut, welcher tatsächlich zur traditionellen Kleidung gehört. Zum typischen Outfit der Männer gehört auch eine Chacara, eine Umhängetasche, auch diese wird aber auch von Frauen benutzt.
Ältere Panameños tragen hier auch in ihrer Freizeit oft die typische Kleidung, es ist ganz normal, einen Señoren mit typischem Hemd, Cutarras, panamesischen Hut und Chacara zu sehen.


kleine Jungs in typischer Kleidung



Kinder und wir Erzieherinnen in typischer Kleidung


Alltagskleidung


auf Arbeit

Was man auf Arbeit trägt, hängt natürlich sehr davon ab, wo man arbeitet. Generell gilt aber für Männer und Frauen auf Arbeit: Schultern und Knie bedeckt. Normalerweise hat man eine lange Hose und ein Uniform T-Shirt an und geschlossene Schuhe. Lehrer sind oft etwas schicker angezogen.






in der Freizeit und zum Ausgehen

Ob zum Einkaufen, zum ins-Kino-gehen, zum Freunde besuchen oder für Feiern - Panameños machen sich sehr gerne schick. Männer mit meist langer Hose und T-Shirt oder Hemd und Frauen mit langer oder kurzer Hose und Bluse. Sehr beliebt sind hier zurzeit Off-Shoulder-Oberteile. Außerdem Sandalen. 

Ob man als Frau kurze Hosen tragen kann oder lieber nicht, hängt glaube ich wieder mal von der Gegend in Panama ab. Bei mir in der Gegend, Pesé, Chitré, Las Tablas sind kurze Hosen in der Freizeit kein Problem. Dass einem viel hinterhergepfiffen wird kann man sowieso nicht verhindern.
Allerdings kommt man mit kurzer Hose oder schulterfrei nicht überall hin, Banken, Kirchen, einige Büros, etc. kann man nicht betreten, wenn man zu viel Haut zeigt.

Auf Feiern sind Kleider beliebt, sonst in der Freizeit sieht man seltener Kleider öder Röcke. Kurze Jumpsuits werden viel getragen. In kälteren Gegenden (z.B. Boquete trägt man natürlich weniger kurze Klamotten. Und je älter die Person, desdo länger meistens auch die Hosen, die zum Ausgehen getragen werden.


im Haus

Auch wenn die Haustüren meistens offen stehen und alle ein- und ausgehen, haben ganz viele Panameños zu Hause meist einen Schlafanzug oder sehr schlumpelige Sachen an, auch wenn Besuch da ist und man auf der Terrasse sitzt. Männer oft oberkörperfrei und alle in Flip-Flops oder barfuß.







zum Baden

Am Strand, im Fluss oder im Schwimmbad, die Panameños baden meistens mit Anziehsachen. Jemanden in Bikini zu sehen, ist schon eher eine Besonderheit, man schämt sich, so viel Haut (und Speck) zu zeigen. Für Frauen üblich ist es, über Bikini oder Badeanzug entweder Shorts und T-shirt oder ein Netzkleid drüber zu ziehen. Bei Männern ist es schon eher üblich, nur mit Badehose baden zu gehen. Und in touristischeren Gebieten sieht man auch ein paar Bikinis oder Cut-Out-Badeanzüge.



Der durchschnittliche Panameño (vor allem die Frauen) haben eine gigantische Menge an Klamotten, was wohl auch daran liegt, dass Anziehsachen ein sehr beliebtes Geschenk sind. Auf Äußeres wird insgesamt sehr viel Wert gelegt. Zu einer größeren Feier zieht man nur sehr ungerne etwas an, was man schon mal anhatte, sondern kauft sich ein neues Kleidungsstück, was die anderen noch nicht an einem kennen.
Was man in Panama übrigens auf jeden Fall machen sollte, ist jeden Tag das T-Shirt zu wecheln, sonst wird man sehr komisch angeguckt. Hosen kann man auch mal 2 Tage anziehen.
Und was jetzt vielleicht weniger mit Kleidung zu tun hat, aber auch mit Aussehen, ist dass Locken hier eher unbeliebt sind und auch lockere Frisuren nicht so gern gesehen sind. Man glättet sich hier oft die Haare und macht sich strenge Frisuren mit möglichst wenig rausschauenden Strähnen. Fettig aussehende Haare sind irgendwie nicht so schlimm, Hauptsache glatt und gekämmt.